Ottersberg - Von Frank von StadenIn den vergangenen Jahren gab es zwischen den beiden Fußball-Oberligisten TSV Ottersberg und VSK Osterholz-Scharmbeck einen regen Spieleraustausch – immer (fast) reibungs- und komplikationslos. Im „Fall Josip Jurcevic“ aber ist das anders. Der Mittelfeldspieler möchte unbedingt sofort zu den Grün-Weißen wechseln (wir berichteten), der VSK aber verweigert partout die Freigabe.

© ksy
Soll keine Freigabe erhalten: Mittelfeldspieler Josip Jurcevic.
„Für uns gibt es da keine Kompromisse mehr. Der Spieler hat sich in Ihrer Zeitung mannschaftsschädigend geäußert, das hat uns alle sehr getroffen. Deshalb haben sich das Team, wir als Vorstand und auch unser Trainer Günter Hermann dazu entschlossen, dem Spieler keine Freigabe zu erteilen, obwohl es vor dem Artikel schon fast eine Einigung gab“, erklärte gestern Mittag VSK-Manager Hinrich Breden. Dem Vernehmen nach ging es nur noch um eine Ablöseforderung der Osterholzer, die bei 800 Euro gelegen haben soll. Anlass für den Osterholzer Unmut war die Erklärung Jurcevics für seinen Wechsel. So sah der 24-Jährige beim TSV Ottersberg einfach die besseren Perspektiven, traute der Wümme-Elf durchaus den Aufstieg in die Regionalliga zu und hatte letztlich auch keine Lust mehr, mit dem VSK weiterhin deutliche Niederlagen zu kassieren.
Ganz ehrlich: Mannschaftsschädigend hört sich da irgendwie anders an.
Enttäuscht von der Osterholzer Haltung zeigte sich gestern Ottersbergs Fußball-Chef Henning Haltermann, der allerdings betonte, „dass ich zum VSK ein sehr gutes Verhältnis habe und dieses auch durch diese missliche Situation nicht getrübt werden soll.“ Doch betonte Haltermann, „dass wir eigentlich alles richtig in diesem Fall gemacht haben und uns keinen Fehler vorwerfen lassen können. Ich sehe auch in Josips Aussagen nichts Schlimmes. Wir haben uns in der Vergangenheit trotz manch zäher Verhandlungen immer einigen können. Sehr schade, dass hier jetzt unnötig so viel Schärfe aufkommt und dieser Wechsel völlig unnötig hochgekocht wird!“
Sollte es bis zum 31. Januar keine Einigung geben – und danach sieht es derzeit aus – wird Josip Jurcevic bis zum Saisonende auf Eis gelegt sein.
Damit hätte sich dann das Ottersberger Vorhaben, für die Rückrunde einen Spielmacher zu verpflichten, erledigt. Denn Fakt ist, dass der Oberligist auch die „Akte Bilal Aziz“ schließen kann. Der wollte bekanntlich unbedingt für den TSV Ottersberg spielen, es krankte aber an der Aufenthaltsgenehmigung des gebürtigen Libanesen, der weiterhin in der Türkei bei Verwandten „festsitzt“ (wir berichteten ausführlich).
Der einstige Profi des VfL Osnabrück und des türkischen SüperLig-Clubs Kayserispor allerdings scheint sich nun in der Türkei quasi wieder freigeschwommen zu haben. Denn seit kurzem wird er beim türkischen Zweitligisten Konya Torku Sekerspor als Neuzugang geführt, hat für den Club laut dessen Statistik bereits Meisterschaftsspiele absolviert und soll dort einen Vertrag bis zum 30. Juni 2012 erhalten haben. Ottersbergs Trainer Axel Sammrey bestätigte zudem, „dass Bilo für uns erst einmal keine Rolle mehr spielt. Er hat einen neuen Verein gefunden. Deshalb haben wir unsere Bemühungen um ihn eingestellt.“ Und Haltermann fügte an: „Der Aufwand, den wir betrieben haben, um ihn für uns frei zu bekommen, war hoch. Am Ende auch zu hoch.“
Damit bleibt also die Baustelle „Spielmacher“ offen. Was aber auch heißt: Die Hoffnungen auf einen eventuellen Aufstieg in die für die kommende Saison neu gegründete Regionalliga sind in ganz weite Ferne gerückt. Stellte Ottersbergs Schatzmeister Torsten Hass gestern nüchtern fest: „In der momentanen Situation würde es da wenig Sinn machen, für die neue Regionalliga auch nur zu melden. Vorgehabt allerdings hatten wir das!“
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