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Die Rallye Dakar hat die Familie Schröder infiziert

Daniel bester Motorrad-Amateurfahrer / Interesse der Peruaner riesengroß

Die Rallye Dakar hat die Familie Schröder infiziert

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Thedinghausen - Von Heiner AlbrechtSo langsam haben sich Jürgen und Daniel Schröder wieder an ihr Zuhause in Thedinghausen gewöhnt. Rund zwei Wochen nach der Rallye Dakar, an der Vater und Sohne gemeinsam teilnahmen (wir berichteten), kehrt wieder der Alltag bei der Familie ein. „Nur die eisigen Minustemperaturen gehen gar nicht“, wendet da Jürgen Schröder murrend ein.

Für die Schönheit der Natur hatte Daniel Schröder nur wenige Blicke übrig.

© ksy

Für die Schönheit der Natur hatte Daniel Schröder nur wenige Blicke übrig.

„Die rund 40 Grad Durchschnittstemperatur in Südamerika waren zwar auch nicht immer angenehm – aber immer noch besser als der Frost“, fügt er hinzu. Daniel Schröder erlebte nicht nur die unterschiedlichsten Temperaturen, sondern auf seinem Motorrad auch sämtliche Facetten des Geländes. Er fuhr durch Matsch, Bäche und Pfützen, über Schotterpisten, ausgetrocknete Flussbetten, Sand und unendliche Dünen.

Zum zweiten Mal absolvierte der junge Thedinghauser die Dakar und beendete diese auf Platz 20. Die beste Platzierung, die ein deutscher Motorradfahrer seit vielen Jahren erreicht hat. Diese Top-Leistung reichte am Ende der rund 9500 Kilometer langen Rallye zum Sieg in der Amateurklasse. Eine kleine Geldprämie und ein schöner Siegerpokal waren der Lohn für die Tortur.

Für Vater Jürgen, der als Co-Pilot im Cockpit des Südafrikaners Alfie Cox mit einem Volvo bei der Dakar an die Start ging, war die Rallye – wie berichtet – schon nach der ersten Etappe zu Ende. Der Wagen ging nach einem Leck an der Ölleitung der Lenkkraftverstärkung in Flammen auf und brannte völlig aus. Sein Handy und Fotoapparat wurden ebenfalls Opfer der Flammen.

Die Tour hat der Senior dennoch zu Ende gefahren. Auf einem geliehenen Motorrad im Begleitkonvoi lernte er so viel mehr von Land und Leuten kennen, als im Rallyestress. „Außerdem war er eine moralische Stütze für mich“, sagte Sohn Daniel. „Oft hat mich Jürgen im Biwak-Lager besucht. Dort wird es nach einiger Zeit doch ziemlich langweilig.“ Neben dem Medienzentrum, Infostand und medizinischer Hilfe wurde hier nach jeder Etappe das Motorrad gecheckt und das Roadbook für die nächste Aufgabe geschrieben.

Von einem Unfall ist der 22-Jährige zum Glück verschont geblieben. Zeitstrafen handelte er sich aber trotzdem ein. „Während einer Etappe müssen diverse Kontrollpunkte angefahren werden. Das sind so genannte GPS-Punkte. Trifft man die nicht, gibt es gleich eine Zeitstrafe.“ Diese Punkte in der endlosen Dünenlandschaft dienen auch als Sicherheit und sind für die Rennleitung ganz wichtig, falls doch mal jemand verloren geht oder einen Unfall hat. Die Satellitenüberwachung und ein Iritrack mit Notfallknopf sind dabei ständige Begleiter und am Motorrad fest installiert. Schröder untermauert: „Auf einer schnellen Etappe wurde ich von einem französischen Motorradfahrer überholt, den ich nach wenigen Kilometern aber wiedersah. Der Franzose war auf der Strecke mit bestimmt über 100 Sachen in eine Kuhherde gefahren und schwer verunglückt. Ich habe den Notfallknopf gedrückt und mit anderen Fahrern die Erstversorgung geleistet. Als der Hubschrauber der Rennleitung mit Sanitäter und Arzt eintraf, bin ich weiter gefahren – aber der Schock saß ziemlich tief und man fährt noch konzentrierter!“

Doch das Positive auf den Etappen überwog auf jeden Fall. Vor allem die Fahrt durch Peru hinterließ einen bleibenden Eindruck bei dem jungen Thedinghauser. „In Chile war die Wüste steinig und schnell, während in Peru die Etappen sehr sandig waren“, erinnerte sich Schröder. Beeindruckend auch die Zieldurchfahrt in Lima. Zum ersten Mal war die Dakar in Peru, das Interesse der Menschen so auch riesengroß. „Sogar an den Tankstellen wurden wir um Autogramme gebeten“, wirft Jürgen Schröder ein. „Und Schulterklopfen gab es obendrein.“

Im nächsten Jahr soll in Santiago de Chile die Zielankunft sein. „Das wird klasse“, träumen Jürgen und Daniel schon von der nächsten Dakar. „Ich habe ja noch eine Rechnung offen“, sagt Jürgen, denn 2012 war sein Dakar-Gastspiel ungewollt kurz.

2013 wird dann auch der Dritte der Schröders mit von der Partie sein. Max, der jüngste Schröder-Sohn, der in diesem Jahr noch keine Starterlaubnis bekam, möchte unbedingt mitfahren. „Sein fahrerisches Können auf dem Motorrad reicht auf jeden Fall aus, um in die Top-50 zu kommen“, sind Jürgen und Daniel überzeugt.

Groß Notiz wird davon dann aber wohl keiner nehmen. Der Motorradsport in Deutschland ist eine Randsportart. „Dass ein 17-jähriger Deutscher Motocross-Weltmeister ist, hat bei uns nirgends in der Zeitung gestanden. In den USA aber ist der Junge schon ein gefeierter Star“, verdeutlicht Jürgen. Deswegen findet man auch kaum einen deutschen Fahrer im Dakar-Feld.

Die Schröders aber werden wieder auf der Meldeliste auftauchen. Mit viel Kraft- und Ausdauertraining halten sie sich fit. Daniel, der im letzten Jahr auch die Roof of Africa fuhr, wird zudem in einigen Monaten die „Rumania“, eine Rallye in Rumänien, fahren. Getreu dem Motto: Nach der Dakar ist vor der Dakar!

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