Von Arne Flügge undFrank von StadenOTTERSBERG · Die stille Hoffnung, dass doch noch ein Mann mit dem Geldkoffer an die Türen von Kickers Emden und Eintracht Nordhorn klopft, um die Pleite in letzter Sekunde abzuwenden, hat sich endgültig zerschlagen. Gegen beide Vereine wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet (wie berichtet) – mit nicht unerheblichen Folgen für die Fußball-Oberliga Niedersachsen und damit natürlich auch – oder gerade auch – für den TSV Ottersberg.
Dass Emden und Nordhorn als erste Absteiger feststehen, ist enorm bitter für die Grün-Weißen, die noch in der Winterpause das große Ziel Regionalliga ausgegeben hatten. Da aber sämtliche Spiele gegen Nordhorn und Emden aus der Wertung genommen werden, Ottersberg zuletzt mit 3:1 und 4:2 triumphierte, nur das Hinspiel in Nordhorn verlor, kommt’s jetzt knüppeldick: Dem hiesigen Oberligisten werden satte sechs Punkte abgezogen. Eine „heftige Konsequenz“ der Insolvenz-Affäre, wie TSV-Fußball-Chef Henning Haltermann findet. Klar, dass er poltert: „Wir gehören zu den Vereinen, die am härtesten betroffen sind. Denn so sind unsere zuvor schon geringen Aufstiegschancen noch weiter gesunken. Das ist klare Wettbewerbsverzerrung! Im Grunde kann man sofort die Saison beenden. Denn jetzt stehen für uns doch quasi nur noch Freundschaftsspiele an. “
Zehn Punkte beträgt der Abstand damit auf den entscheidenden Platz vier, der zumindest noch zur Aufstiegsrelegation führen würde. Eventuell könnte auch noch Rang fünf reichen. Denn momentan hat sich der VfL Osnabrück II auf Rang vier eingenistet. Und da die VfL-Reserve nicht in die Regionalliga aufsteigen darf, solange die erste Mannschaft nicht in die Zweite Liga hochrückt – ein Drittligist darf laut Statuten keine Zweite in der Regionalliga haben – könnte noch der Fünfte über die Relegation aufsteigen.
Offiziell wurde noch gestern Abend die Oberliga-Tabelle komplett begradigt, „da uns nun alle Gerichtsbeschlüsse vorliegen“, sagt NFV-Spielausschussvorsitzender Jürgen Stebani (61). Im Fall Emden war das bereits geschehen. „Im Insolvenzverfahren von Nordhorn liegt uns nun auch ein offizieller Gerichtsbeschluss vor.“ Der ging beim NFV gestern ein.
Nicht unerheblich sind zudem die Kosten für die Clubs. Einerseits sind Emden und Nordhorn pleite, müssen aber trotzdem die Gelder für Fahrten beispielsweise nach Goslar oder Göttingen aufbringen. Auf der anderen Seite können sich auch die anderen Vereine etwas Besseres vorstellen, als mit einem teuer gecharterten Bus zu einem reinen Gurken-Gekicke zu fahren. „Eine Farce. Nur gut, dass wir bei beiden Clubs schon gespielt haben. Um so ärgerlich ist es, dass außer Spesen nichts gewesen ist“, seufzt da Haltermann nur achselzuckend. Auch für NFV-Vorstandsmitglied Stebani (siehe Interview rechts) ist die Situation für die „Leidtragenden“, die noch anreisen müssen, untragbar.
Im stillen Kämmerlein und hinter vorgehaltener Hand haben die Vereine mittlerweile aber eine Trotz-Strategie entwickelt, wie sie sich der lästigen Spiele entziehen können: einfach nicht antreten gegen Emden und Nordhorn! Zweimal ist so eine Verweigerung in einer Saison laut Statuten erlaubt. Punktabzüge sind auch nicht zu befürchten, da die Spiele ohnehin in keine Wertung fließen. Und die Verbandsstrafe von maximal 250 Euro pro Nichtantreten dürfte weit unter den zu berappenden Reisekosten liegen. Zudem würde der NFV, der die Clubs mit seinen Regularien schließlich in diese Situation hineinmanövriert hat, diese Kröte schlucken. „Ich hätte für jeden Verein Verständnis, der das in Erwägung zieht. Außerdem sollten alle Vereine überlegen, ob sie gegen den NFV nicht eine Sammelklage einreichen. Denn der hat diese ganze Situation heraufbeschworen, indem er den eigentlich schon vor der Saison zahlungsunfähigen Emdenern doch noch die Lizenz erteilt hat“, schimpft Haltermann.
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