Rotenburg - Von Matthias FreeseAm Mittwochabend herrschte Stille in der Kabine des Rotenburger SV. Nachdenkliche Sprachlosigkeit sozusagen. Da erfuhren die Oberliga-Fußballer von der Wümme, dass sie ab sofort auf die Dienste ihres bisherigen Trainers Jamal Bounoua verzichten müssen. „Er ist zurückgetreten“, erklärte der zweite Vorsitzende Thorsten Bruns gestern. Berufliche Gründe waren ausschlaggebend.

© Foto: Freese
Jamal Bounoua (l.) holte Anfang der Saison Abdoul Bouba ins RSV-Trainerboot – nun könnte der Kameruner die Hauptverantwortung übernehmen. ·
Er kam im Winter – und er ging im Winter. Erst vor einem Jahr hatte Jamal Bounoua den Posten von Detlef Lehmann übernommen und den RSV prompt zurück in die Oberliga geführt. Nun zog er bereits wieder den Schlussstrich. „Ich habe ein ganz großes Problem – das ist der Faktor Zeit“, begründet der 41-Jährige seinen Schritt, der über Wochen in ihm reifte. Bounoua hat erst vor kurzem die Geschäftsführung für zwei weitere Seniorenheime im Kreis Soltau-Fallingbostel übernommen, hat damit die Verantwortung für insgesamt 400 Mitarbeiter und
„Ich kann keine
halben Sachen machen“
Schon in der Wintervorbereitung fehlte er oft und hatte das Training in die Hände seines Bruders Morad und seines Co-Trainers Abdoul Bouba gelegt. Die dürften nun in die erste Reihe rücken. „Das wäre auch aus meiner Sicht die beste Lösung“, glaubt Jamal Bounoua. „Morad kennt die Situation in Rotenburg, Abdoul hat die Erfahrung und Qualität – er kann das.“
Thorsten Bruns sieht es ähnlich, will aber zunächst das heutige Gespräch mit Morad Bounoua abwarten: „Er ist für mich der erste Ansprechpartner.“ Da der jüngere der Bounoua-Brüder aber selbst noch in der Oberliga-Elf spielt und ein enorm wichtiger Bestandteil des Teams ist, dürfte die Verantwortung während des Spiels Abdoul Bouba zufallen. Der 40-jährige Kameruner ist zudem im Besitz der A-Lizenz.
Für Bruns kam der Ausstieg des bisherigen Cheftrainers nicht so überraschend wie für die Mannschaft. „Er hatte sich ja im Januar schon für vier Wochen abgemeldet – das war ein Zeichen für mich“, sagt das Vorstandsmitglied. Abwehr-Stammkraft Klaas Rathjen betont hingegen: „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass er schon im Winter hinwirft. Aber natürlich war es ein Thema, wenn der Trainer nicht beim Training war.“ Innerhalb des Teams wird dieser Schritt bedauert. Doch werde es nun keine große Umstellung geben. „Morad und Abdoul kennen die Mannschaft, von daher ist es für den Moment die beste Lösung“, glaubt Rathjen. Spätestens im April, erklärte hingegen Bruns, soll dann auch eine Entscheidung darüber fallen, wer nächste Saison das Team trainiert. Dann übrigens auch weiterhin in der Oberliga, wie Bruns deutlich macht. „Es ist glatt gelogen, dass wir nicht melden wollen“, kommentierte er entsprechende Gerüchte. „Ich gehe zu 99,9 Prozent davon aus, dass wir weiter Oberliga spielen.“
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