Ottersberger fühlt sich als Fußball-Profi in Kiel sehr wohl / Zum Kapitän gewählt

Czichos: Auch die USA wären für ihn eine Zukunftsoption

Im Sommer 2015 wechselte Rafael Czichos an die Kieler Förde und wurde dort sofort zum Stammspieler. J Foto: imago

Kiel - Von Frank von Staden. Die abgelaufene Fußball-Saison, sie hätte für den Ottersberger Rafael Czichos nur in Nuancen besser laufen können. Der Wechsel des 26-jährigen Profis von RW Erfurt zum Drittliga-Konkurrenten Holstein Kiel verlief besser als erwartet. Nicht nur, dass sich der Linksfuß in der Verteidigung der Störche auf Anhieb einen Stammplatz erkämpfen konnte. Auch innerhalb der Mannschaft setzte Czichos eine so kräftige Duftmarke, dass ihn seine Mitspieler zum Kapitän wählten. Wir sprachen mit dem Neu-Kieler, der das Fußball-Einmaleins beim TSV Ottersberg erlernte und über den VfL Wolfsburg II (2010) und RW Erfurt (2012) im Juli 2015 an die Förde kam.

Die Saison ist längst beendet, doch Sie kommen gerade vom Training, sind noch gar nicht in den Urlaub geschickt worden. Was ist los?

Rafael Czichos: „Nichts, alles gut. Bei uns wird nur für die, die zuletzt gesundheitliche Probleme hatten – und ich hatte eine Bronchites – individuelles Training angeboten. Das nehme ich gerne an.“

Nach nun einer Saison bei den „Störchen“: Ziehen Sie doch mal eine kurze Bilanz. Was läuft besser als in Erfurt, was noch nicht so gut?

Czichos: „Booaah, wo soll ich da anfangen. In Erfurt haben sie sich in allen Dingen immer unglaublich viel Mühe gegeben. Aber hier ist es einfach in allen Belangen professioneller. Hier herrscht oberes Zweitliga-Niveau. Das Trainingsgelände, die medizinische Abteilung, der Ausrüster – alles. Gut, die Erfurter Innenstadt ist definitiv schöner, dafür gefällt mir der Akzent der Kieler aber um Längen besser!“ (lacht)

Kiel ist die deutsche Handball-Hochburg. Merkt man das als Fußballer – und haben Sie schon den ein oder anderen THW-Star getroffen?

Czichos: „Stimmt, die Stadt ist hier schon klar auf Handball gepolt. Doch man merkt schon, dass sich vor allem die jüngere Generation wieder stark dem Fußball annähert. Der Handball hat die ältere Fraktion noch fest im Griff. Da Kiel nicht 1000 Restaurants hat, trifft man schon mal den ein oder anderen Crack, zumal sich die Handballer ja sehr viel lockerer in der Öffentlichkeit geben. Aber richtig kennen tue ich keinen..“

Sie waren der Neue vor knapp einem Jahr, wurden aber zum Kapitän gewählt.

Czichos: „Ganz so war es nicht, denn erst im Wintertrainingslager in der Türkei ist das passiert, als der Trainer eine Neu-Wahl wollte. Aber es stimmt, ich habe mir wirklich in kurzer Zeit ein gutes Standing im Team erarbeitet. Und das macht mich auch ein wenig stolz.“

Lassen Sie kurz die abgelaufene Saison Revue passieren. Sind Sie mit dem Verlauf zufrieden?

Czichos: „Mit meiner Leistung im Großen und Ganzen ja. Mit unserem Abschneiden indes eher nicht. Wir hatten uns mehr als nur Mittelmaß ausgerechnet. Doch ich bin überzeugt, dass wir es in der nächsten Saison besser machen. Diese Mannschaft hat das Potenzial, um ganz oben mitzuspielen.“

In Ottersberg haben Sie offensiv gespielt, in Wolfsburg wurden Sie zum linken Verteidiger umgeschult und in Kiel laufen Sie nun in der Innenverteidigung auf.

Czichos: „Stimmt. Angefangen habe ich hier auch auf der linken Seite, doch am achten Spieltag hatten wir innen Probleme. Also musste ich den Notnagel spielen. Ich muss es wohl gut gemacht haben, denn von da an hat mich der Trainer immer innen aufgestellt.“

Thema 2. Liga. Das war Ihr Ziel. Haben Sie das etwas aus den Augen verloren?

Czichos: „Nein, definitiv nicht. Ich hätte ja schon nach dem Erfurt-Engagement ins Bundesliga-Unterhaus wechseln können. Doch Kiel schien mir die beste Entscheidung zu sein. Auch der Verein sieht sich in naher Zukunft in der 2. Liga. Wie gesagt: Nicht nur finanziell ist er dafür hervorragend aufgestellt.“

Sollte es aber an der Förde nicht klappen, was dann?

Czichos: „Ich bin da ganz tiefenentspannt. Ja, ich will in die 2. Liga – aber nicht um jeden Preis! Ich kann mir vieles vorstellen. Unter anderem auch, in naher Zukunft mit meiner Verlobten, die aus den USA kommt, in die Staaten zu gehen. Auch da wird Fußball gespielt. Allerdings habe ich gerade erst eine neue Wohnung in Kiel bezogen und kann mir gut vorstellen, länger zu bleiben. Ich fühle mich hier sehr wohl.“

Kiel liegt nicht mehr ganz so weit von Ottersberg entfernt wie Erfurt. Konnten Sie Ihre Familie öfters besuchen?

Czichos: „Ja, sicher. Deutlich öfter.“

Wie ist das eigentlich: Hat ein Profi nach einer harten Saison überhaupt noch Lust, die Europameisterschaft in vollem Umfang zu verfolgen oder picken Sie sich nur einige Highlights heraus?

Czichos: „Wenn es geht, schaue ich mir jedes an. Naja, jedes, das von der Paarung her auch attraktiv erscheint. Das erste deutsche Spiel habe ich in Frankreich sogar live sehen können.“

Na, dann tippen Sie mal die Finalpaarung der EM 2016.

Czichos: „Deutschland - Frankreich . . . oder Italien macht´s!“

Auto mit vier Insassen stürzt in Elbe: ein Toter

Auto mit vier Insassen stürzt in Elbe: ein Toter

Auto mit vier Insassen stürzt in Elbe: ein Toter

Auto mit vier Insassen stürzt in Elbe: ein Toter

Hannover festigt Rang drei - St. Pauli holt Punkt

Hannover festigt Rang drei - St. Pauli holt Punkt

Weihnachtsmarkt in Diepholz

Weihnachtsmarkt in Diepholz

Meistgelesene Artikel

Derby-Dilemma nach Dreyers fataler Faustabwehr – 1:2

Derby-Dilemma nach Dreyers fataler Faustabwehr – 1:2

Joel Wunsch: „Das ist das beste Gefühl“

Joel Wunsch: „Das ist das beste Gefühl“

TV Oyten fehlt der Matchplan – 1:2

TV Oyten fehlt der Matchplan – 1:2

Florian Schrader beseitigt die letzten Zweifel – 3:1

Florian Schrader beseitigt die letzten Zweifel – 3:1

Kommentare