Rotenburgs Team-Manager über neue Regeländerungen im Handball

„Es wird viel interessanter als bisher“

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Michael Polworth (r.), Team-Manager der ersten Herren des TuS Rotenburg, im Gespräch mit Rotenburgs Handball-Abteilungsleiter Friedrich Behrens. Auf die Handballer kommen in der neuen Spielzeit einige Veränderungen zu. 

Rotenburg - Von Matthias Freese. Nicht nur die Fußballer müssen sich auf neue Regeln einstellen; auch auf die Handballer kommen in der neuen Spielzeit einige Regeländerungen zu. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt Michael Polworth, stellvertretender Handballabteilungsleiter des TuS Rotenburg und Team-Manager der ersten Herren, worauf sich die Aktiven der Region einstellen müssen.

Herr Polworth, ab dieser Saison gibt es fünf neue Regeln im Hallen-Handball. Auf was dürfen wir gespannt sein? Könnten Sie uns in kompakter Form auf den neusten Stand bringen?

Michael Polworth: Ich denke, es wird für Zuschauer, Trainer und Mannschaft in einigen Bereichen viel interessanter als bisher, weil es neue taktische Möglichkeiten gibt. Die fünf wichtigsten Regeländerungen sind die letzten 30 Sekunden, verletzte Spieler, passives Spiel, siebter Feldspieler und die Blaue Karte.

Fangen wir mal mit den letzten 30 Sekunden an.

Polworth: Früher wurde wegen unsportlichen Verhaltens (Verhinderung eines schnellen Anwurfs) oder schwerwiegendem Foul in der letzten Spielminute der Spieler disqualifiziert und die Schiedsrichter erstellten einen schriftlichen Bericht, der zu einer Sperre führte. Der Trick dabei war, dass die Mannschaften oft eine Sperre in Kauf nahmen, um dem Gegner die Möglichkeiten zu nehmen, ein Tor zu werfen, noch auszugleichen oder das Spiel zu gewinnen. Man glaubt es nicht, aber es ist auch passiert, dass Trainer Spieler eingewechselt haben, die zu den Spielschwächeren gehörten und die dann dieses Vergehen begangen haben, nur um die Mannschaft nicht für die kommenden Spiele zu schwächen.

Was ist nun neu?

Polworth: Der bisherige Anwendungszeitraum wird auf die letzten 30 Sekunden mit Schlusssignal beschränkt. Weiterhin wird der fehlbare Spieler disqualifiziert, nun wird aber auf Wurf für die gegnerische Mannschaft entschieden. Sollte es dem gefoulten Spieler innerhalb der letzten 30 Sekunden in der Spielsituation gelingen, doch ein Tor zu werfen, wird dieses anerkannt und der Abwehrspieler wird disqualifiziert. Weiterhin bleibt es auch dabei, dass die Schiedsrichter für ein schwerwiegendes Vergehen in diesem Zeitraum auch eine Disqualifikation mit Bericht ausssprechen können.

Das wird dann mit der Blauen Karte angezeigt?

Polworth: Richtig. Früher war es den Spielbeteiligten, den Zuschauern und den Medienberichterstattern nicht klar, ob die Schiedsrichter zu einer Roten Karte noch einen schriftlichen Bericht verfassen. Ab der kommenden Saison erhält der Spieler die Rote Karte mit Hinweis auf einen Bericht, danach geht einer der Schiedsrichter zum Zeitnehmertisch und hält die Blaue Karte hoch. Das heißt für alle Beteiligten, ein Bericht wird für dieses Vergehen erstellt, und der Spieler wird nach Entscheidung der spielleitenden Stelle gesperrt.

Falls ein Spieler sich verletzt, was passiert dann?

Polworth: Glücklicherweise haben die Verantwortlichen des DHB und der Landesverbände sich darauf geeinigt, das diese Regel nur ab der 3. Liga umgesetzt wird. Von der Oberliga bis zur Region bleibt es wie bisher, die Schiedsrichter unterbrechen das Spiel, der Spieler wird wenn nötig auf der Spielfläche behandelt und dann geht es weiter. Diese neue Regel ist sehr fehleranfällig und muss nach meiner Auffassung für die unteren Klassen noch modifiziert werden.

Ein Knackpunkt war bisher auch immer das passive Spiel. Wird es durch die neue Regel besser?

Polworth: Ich denke ja. Nach Anzeige des Vorwarnzeichens durch die Schiedsrichter haben die Mannschaften maximal sechs Pässe um zum Torwurf zu gelangen. Wichtig ist auch, dass die Zählweise nicht unterbrochen wird, wenn ein Einwurf oder Freiwurf erfolgt beziehungsweise der Ball von der Abwehr geblockt wird. Zu dieser neuen Regel gibt es noch sehr viele Erläuterungen, was als Pass zählt, was hier aber in der Fülle nicht darstellbar wäre. Ich halte diese Regel für gut, weil dadurch das passive Spiel einheitlich angewendet wird. Die Feststellung der Spielzüge ist übrigens eine Tatsachenentscheidung der Schiedsrichter, ohne Wenn und Aber. Diese können auch den Spielzug schon nach zwei Pässen unterbinden, wenn sie der Auffassung sind, das die angreifende Mannschaft in keine Torwurfsituation kommen will.

Zum Schluss der Regeländerungen noch der siebte Feldspieler.

Polworth: Mit den neuen Regelbestimmungen darf der Torwart durch einen siebten Feldspieler ersetzt werden. Dieses wurde durch die deutsche Mannschaft bei Olympia schon umgesetzt. Es darf bei dieser Spielsituation aber kein auf der Spielfläche befindlicher Spieler den Torraum betreten und die Aufgabe des Torwarts übernehmen. Wehrt ein Spieler den Ball im Torraum ab, erhält die gegnerische Mannschaft einen Siebenmeter und der fehlbare Spieler wird bestraft. Übrigens, man kann weiterhin einen Torwart gegen einen Feldspieler mit Überzieh-Leibchen tauschen, diese Regelung bleibt unverändert bestehen. Muss eine Mannschaft ohne Torwart einen Abwurf ausführen, muss zwingend ein Feldspieler gegen einen Torwart beziehungsweise Feldspieler mit Überzieh-Leibchen ausgewechselt werden.

Ihr Ausblick zur neuen Saison?

Polworth: Die Trainer, die Betreuer und die Unparteiischen des TuS Rotenburg und der Jugendspielgemeinschaft sind sehr gut vorbereitet, die neuen Regeln werden ihnen keine Schwierigkeiten bereiten. Ich freue mich darauf zu sehen, mit welchen taktischen Mitteln die Trainer die neuen Regeln anwenden und sich dazu das Spiel verändert. Das wird auf jeden Fall spannend.

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