Der Wille siegt über den Verstand

Scheeßeler Triathlet erreicht von Verletzungen geplagt das Ziel des Ironmans

Völlig erschöpft aber glücklich präsentiert Jürgen Klindworth seiner Lebenspartnerin Steffi Roesch die Medaille.

Scheeßel - Er hat ihn bezwungen! Den ältesten Triathlon der Langdistanz. Die Rede ist natürlich vom Ironman Hawaii – die Mutter aller Triathlons. Nach 11:58:29 Stunden erreichte Jürgen Klindworth das Ziel und wurde mit den Worten „You are an Ironman“ begrüßt. Für den Triathleten des TV Scheeßel war es bereits die siebte Teilnahme.

Dass Klindworth überhaupt das Ziel erreicht hatte, grenzt an ein Wunder. Wegen Problemen mit seiner linken Wade hatte er seit August auf Lauftraining verzichten müssen, um die Verletzung auszukurieren. Doch ausgerechnet vor dem Wettkampf auf Big Island meldete sich die Wade zurück. Das geplante Lauftraining musste auf null heruntergefahren werden. Mehrere Behandlungen beim Physiotherapeuten inklusive Tapen sorgten aber dafür, dass er die Hoffnung nicht aufgab und 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und noch mal 42,195 Kilometer Laufen durchhielt. Dank seines starken Willens belohnte sich Klindworth mit Rang 30 in der Altersklasse 55 bis 59.

Während sich die meisten Athleten vor dem Startschuss rechts am Pier tummelten, um sich an den Reifen festzuhalten, wartete Klindworth links außen, damit er ohne großes Gedränge schwimmen konnte. Sein Vorhaben gelang ihm gut: Er fand ein Beinpaar, in dessen Wasserschatten er kraftsparend bis zum Ausstieg schwamm. Nach 1:07:37 Stunden erreichte er die erste Wechselzone. Um nichts zu riskieren, ist er zum Rad nicht gerannt, bei einer Langdistanz haben die Wechselzeiten eher eine geringere Bedeutung.

Auf der 180,2 Kilometer langen Radstrecke kamen ihm aber seine Gedanken in die Quere. Vermutlich hat sich die Situation auf sein Körpergefühl übertragen. Zumindest baute er den gewohnten Druck nicht auf und ist mit Bedacht gefahren. Er spürte die Spannung in der Wade und die Ungewissheit, was ihm bei seiner Lieblingsdisziplin, dem Laufen, erwartet. Es lag also nicht nur am Wind und dem streng kontrollierten Windschattenfahrverbot, dass er für den Rundkurs 5:54:23 Stunden benötigte.

Jürgen Klindworth hatte auf der 42 Kilometer langen Laufstrecke große Probleme mit seiner Wade, hielt aber durch und erreichte das Ziel nach 11:58:29 Stunden.

In der Mittagshitze zeigte das Thermometer bereits deutlich über 90 Grad Fahrenheit im Schatten an. Das sind mehr als 30 Grad Celsius. Leider gibt es auf der Laufstrecke fast keinen Schatten und zusätzlich eine hohe Luftfeuchtigkeit. An jeder der vielen Verpflegungsstationen nehmen daher alle Sportler Schwämme und Getränke, um den Körper zu kühlen. Wie erging es nun dem Vertreter des TV Scheeßel? An normales Laufen mit kräftigem Abdrücken war nicht zu denken, seine Strategie war daher, kurze schnelle Schritte in einer hohen Frequenz zu absolvieren, ähnlich wie die Marathonläufer aus Ostasien, die so über den Asphalt gleiten, um unnötige Stöße in den Waden zu vermeiden. Sein Anlauftempo drosselte er, um möglichst weit durchzuhalten. Seine Unterstützerin und Lebenspartnerin Steffi Roesch wartete schon ab dem dritten Kilometer ungeduldig auf Klindworth. Über 15 Minuten später als geplant lief er dann an ihr vorbei. Beim „Energy Lab“ an der Halbmarathonmarke schmerzten zusätzlich noch sein Knie. Um seinen Körper zu schonen, entschied sich Klindworth, auf der zweiten Hälfte größere Abschnitte zu gehen. Natürlich war er mit seinem Ergebnis von 4:48:14 Stunden und der Gesamtzeit 11:58:29 nicht ganz so zufrieden – vor zwei Jahren war er noch 80 Minuten schneller unterwegs. Aber daran war in seiner Situation nicht zu denken. Nur dank seines Coaches hat er die Zeit vor dem Wettkampf überstanden und wurde im Ziel vom Sprecher Mike Reilly mit den Worten „You are an Ironman“ begrüßt. Jetzt gönnt sich Klindworth erst mal noch ein paar freie Tage auf Hawaii, um den anstrengenden Ironman sowohl mental als auch psychisch zu verarbeiten. - jdi

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