Der scheidende Jan Fitschen bilanziert seine Zeit beim RSV und erklärt die Gier, immer mehr innovativen Input zu geben

„Ich sehe mich nicht als Oberlehrer“

Jan Fitschen verlässt den RSV Richtung Ottersberg.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Mit der unbedeutend gewordenen Partie beim feststehenden Landesliga-Absteiger TuS Zeven (morgen, 17 Uhr) endet für Fußball-Coach Jan Fitschen seine Zeit beim Rotenburger SV. Grund genug für ein Abschieds-Interview mit dem 33-Jährigen, der bekanntlich zum Ligarivalen TSV Ottersberg geht.

Sieben Jahre RSV mit kleiner Unterbrechung, davon die letzten zwei als Trainer. Wie schwer fällt der Abschied?

Jan Fitschen: Zu allererst waren es sieben schöne Jahre. Ich habe viele Freunde gefunden, nette Leute kennengelernt und bin dankbar für jedes Jahr. Nachdem ich vier Jahre lang Spieler war und dann so langsam als Co-Trainer in die Trainerschiene gewechselt bin, bin ich dem Verein sehr dankbar, dass er mir das Vertrauen entgegengebracht hat, die Mannschaft nach Benjamin Duray zu übernehmen. Nach einer so langen Zeit fällt der Abschied schwer. Mir werden meine Jungs sehr fehlen und auch die treuen Seelen des Vereins. Aber wie nach meiner Zeit in Heeslingen ist auch dieses ein Lebensabschnitt, der sich dem Ende zuneigt, wo aber Freunde, Freude und gemeinsame Erlebnisse bleiben.

Eine offizielle Verabschiedung seitens des Vereins hat es nicht gegeben. Verärgert?

Fitschen: Ich bin zu lange im Fußball dabei, als dass ich etwas erwarte. Aber nach sieben Jahren, wo man dem Verein auch in einer sehr schlechten Zeit die Treue gehalten hat und sehr viel Energie und Zeit investiert hat, gebührt es schon der nötige Respekt und Anstand, sich angemessen voneinander zu verabschieden.

Was bleibt hängen, was waren die Highlights?

Fitschen: In den sieben Jahren haben wir als Mannschaft extrem viel miteinander erlebt und durchgestanden. Sicher werden sich die meisten an den Aufstieg oder das Pokal-Viertelfinale gegen Meppen erinnern. Aber was für mich bleibt, und das klingt vielleicht abgedroschen, ist der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft in den Jahren, wie ich es noch nie erlebt habe. Egal, wie die Situation auch war, wir haben alles gemeinschaftlich durchgestanden, wie zum Beispiel die Oberliga-Rückrunde als wir Rückrunden-Zweiter wurden.

Und wie haben Sie sich als Trainer entwickelt?

Fitschen: Als Trainer hauptverantworlich zu sein, ist eine Riesenaufgabe, gerade in der Oberliga. Als Trainer musst du immer das große Ganze sehen. Für mich war es nicht leicht, weil ich mit allen vorher jahrelang zusammengespielt habe, aber wir haben das sehr gut hinbekommen. Bei der Mannschaft konnte ich mich als Trainer und Persönlichkeit entwickeln. Sie ist meinen Ideen gefolgt, was nicht selbstverständlich ist. Von Trainingseinheit zu Trainingseinheit wuchs in mir die Gier, der Mannschaft immer mehr innovativen Input zu geben. Die größte Aufgabe war es, im Sommer unseren Spielstil komplett umzustellen. Wir wollten Ballbesitz- und Offensiv-Fußball spielen. Das war ein langer Prozess, auf den die Mannschaft sich eingelassen hat, sodass wir uns gemeinsam weiterentwickelt haben. Als Trainer sehe ich mich als Hilfe für die Spieler und nicht als Oberlehrer.

Wie fällt Ihr persönliches Fazit aus?

Fitschen: Ich habe sehr viel Energie und Zeit in die Trainertätigkeit gesteckt und messe mich nicht an Tabellenplätzen. Für mich ist es wichtig, dass die Jungs im Nachhinein sagen, bei dem habe ich etwas gelernt und mich weiterentwickelt. Das ist das, warum ich Trainer bin und sein möchte.

Und wie bewerten Sie die Saison mit Rang vier?

Fitschen: Ich denke, wir haben eine sehr gute Saison gespielt. Wenn man bedenkt, welche Verletzungssorgen wir gerade am Anfang hatten und mit welch kleinen Kader wir in die Rückrunde gegangen sind, können wir ein sehr positives Fazit ziehen. Zudem war es nach Bekanntwerden meines Abgangs nicht selbstverständlich, dass wir die Saison so seriös und positiv zu Ende bringen würden. Ein großes Lob an die Mannschaft für ihren Charakter.

Überwiegt an Ende das Positive oder das Negative?

Fitschen: Sowohl aus negativen als auch positiven Erlebnissen reift man als Sportler und als Mensch. Deswegen bin ich für alle Erfahrungen dankbar. Negative Erlebnisse können auch positiv sein.

Nächste Saison coachen Sie den TSV Ottersberg, zwei Spieler folgen. Könnten sich weitere anschließen?

Fitschen: Nein.

Hat Ottersberg die besseren Perspektiven, gerade beim Blick auf die Talente?

Fitschen: Schwer zu sagen, letztlich muss jeder Verein sich selber positionieren. Ich freue mich einfach auf die vielen talentierten Jungs in Ottersberg. Aus der U 18 kommen auch noch ein paar vielversprechende Jungs hoch. Eine gute Jugendarbeit ist für die Zukunft unabdingbar für die Amateurvereine und da legen wir in Ottersberg ein hohes Augenmerk drauf.

Wo sehen Sie den RSV in der nächsten Saison? Oben?

Fitschen: Der RSV muss immer das Ziel haben, oben in der Tabelle zu stehen.

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