Disziplin-Bundestrainer Jonny Hilberath über die Olympischen Spiele

„Ich habe nicht vor aufzuhören“

Disziplin-Bundestrainer Jonny Hilberath (hier mit Gonnelien Rothenberger, der Mutter von Youngster Sönke Rothenberger) erlebte erfolgreiche Olympische Spiele in Rio. - Foto: imago

Abbendorf - Von Jürgen Honebein. Seit wenigen Tagen ist Jonny Hilberath, der Disziplin-Bundestrainer der deutschen Dressurreiter von den Olympischen Spielen aus Brasilien zurück in Abbendorf. Eine Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille lautet die Bilanz des Teams – dementsprechend aufgeräumt gab sich der 61-Jährige im Interview.

Herzlichen Glückwunsch zur Bilanz Ihrer Dressurreiter. Wie lange waren Sie jetzt in Rio de Janeiro und sind die Pferde wohlbehalten wieder in Deutschland angekommen?

Jonny Hilberath: Wir waren am 31. Juli nach Brasilien geflogen. Auch die fünf Dressurpferde, die alle Erstflieger waren, sind gut hin und inzwischen auch wieder gut nach Deutschland zurückgekommen.

Wo haben Sie während der Spiele gewohnt und wie waren die Bedingungen in Brasilien für Reiter und Pferde?

Die Reiter haben direkt im Olympischen Dorf gewohnt, Ersatzreiter Hubertus Schmidt, Bundestrainerin Monica Theodorescu und ich in einem Apartement nahe dem Dorf. Die Bedingungen waren insgesamt super – große luftige Boxen für die Pferde, toller Boden im Dressurstadion und auch sonst wurde alles für uns getan. Wir konnten uns in keiner Weise irgendwie beschweren. Pferde und Reiter haben sich vom ersten Tag an wohlgefühlt und das war auch ein Schlüssel zum Erfolg.

Wie haben Sie sich denn mit vier Frauen im Team verstanden? Das ist doch sicher nicht ganz einfach gewesen? 

Ohne Wenn und Aber war es sehr einfach. Wir waren ein super Team und hatten in den zwei Wochen auch bei der Freizeitgestaltung viel Spaß miteinander. Mit Monica Theodorescu befinde ich mich auf einer Wellenlänge und mit Christina Bröring-Sprehe, Isabell Werth und Dorothee Schneider gab es auch keinerlei Probleme. Ich hatte ja zudem männliche Verstärkung durch unseren Youngster Sönke Rothenberger, der übrigens seine Sache mit Cosmo klasse gemacht hat.

Welcher der vier Dressurreiter hat Sie denn in Rio am positivsten überrascht?

Das war für mich Dorothee Schneider mit Showtime FRH, den sie auch selbst ausgebildet hat. Wie sich das Duo in den vergangenen drei Monaten verbessert hat, ist kaum zu beschreiben. Aber auch die anderen Teammitglieder haben jeweils ihre Bestleistung abgerufen. Wir haben in den Wettbewerben von den Richtern neun Mal über 80 Prozentpunkte bekommen. Das sagt alles über unsere starken Leistungen.

Warum gelingt es der deutschen Mannschaft aber nicht, die Engländerin Charlotte Dujardin mit ihrem Wallach Valegro vom Einzelthron zu stoßen. Über 93 Prozent im Finale sind eine Marke, von der die deutschen Dressurreiterinnen nur träumen.

Pferd und Reiterin sind im Laufe der Jahre total zu einer Einheit zusammengewachsen und erlauben sich so gut wie keinen Fehler. Das Pferd ist überaus sicher in den Grundgangarten und in allen Lektionen. Hinzu kommt natürlich, dass sich Charlotte und Valegro im Laufe der Zeit bei den Richtern einen kleinen Bonus erarbeitet haben. Aber wir geben nicht auf und greifen weiter an.

Hatten Sie denn die Gelegenheit, noch andere Sportarten zu besuchen oder sich Rio de Janeiro anzusehen?

Wir waren natürlich zusammen am Zuckerhut und an der Copacapana, haben uns aber auch andere Sehenswürdigkeiten in Rio angesehen. Wir haben in der Freizeit sehr viel zusammen unternommen. Ein unvergessenes Erlebnis war es, den 100-Meter-Olympiasieg von Usain Bolt im Stadion live mitzuerleben. 80 000 Zuschauer haben verrückt gespielt. Das war ein ganz besonderer Abend, der mir immer in Erinnerung bleiben wird.

Sie sind vor vier Jahren freiwillig als Bundestrainer zurückgetreten und seit dieser Zeit als Disziplintrainer Dressur der zweite Mann hinter Bundestrainerin Monica Theodorescu. Hat sich das bewährt?

Wie die jetzigen Erfolge beweisen, arbeiten wir hervorragend zusammen. Mein Vorteil ist, dass ich jetzt nicht mehr ganz so viel von zu Hause weg muss und mich mehr um meine Pferde und meine Kunden in Abbendorf kümmern kann. Und das ist äußerst wichtig.

Wie lange läuft denn Ihr jetziger Vertrag noch mit dem Deutschen Olympiade-Kommitee (DOKR) für Reiterei. Und wollen Sie ihn verlängern?

Ich habe nicht vor aufzuhören. Und nach den großen Erfolgen in Rio kann ich mir nicht vorstellen, dass der Vertrag mir in absehbarer Zeit gekündigt wird.

Worauf freuen Sie sich jetzt am meisten?

Die Olympischen Spiele waren ein super Erlebnis. Jetzt ist es aber auch schön, wieder in Abbendorf zu sein, um sich dort um die Pferde zu kümmern. In meiner Abwesenheit sind sie aber auch von meinem tollen Team super gepflegt und trainiert worden.

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