Gambischer Flüchtling Bakery Jatta vorm Sprung zu Profi-Fußballer / Probetraining beim HSV und Werder

Feld der Träume

Bakery Jatta (M.) kam als gambischer Flüchtling nach Deutschland. Die Lothar-Kannenberg-Akademie in Bothel hat ihn aufgenommen und mit Hilfe des Sportkoordinators der Akademie, Fadhel Souaifi (l.), sowie Spielerberater Efe-Firat Aktas ein Probetraining beim HSV organisiert. Akademieleiter Lothar Kannenberg (r.) traut dem 17-Jährigen auf jeden Fall den Sprung in die Fußball-Bundesliga zu.
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Bakery Jatta (M.) kam als gambischer Flüchtling nach Deutschland. Die Lothar-Kannenberg-Akademie in Bothel hat ihn aufgenommen und mit Hilfe des Sportkoordinators der Akademie, Fadhel Souaifi (l.), sowie Spielerberater Efe-Firat Aktas ein Probetraining beim HSV organisiert. Akademieleiter Lothar Kannenberg (r.) traut dem 17-Jährigen auf jeden Fall den Sprung in die Fußball-Bundesliga zu.

Bothel - Von Julian Diekmann. Die Geschichte klingt wie ein modernes Märchen: Bakery Jatta, ein 17-jähriger Flüchtling aus Gambia, der erst seit sechs Monaten in Deutschland ist, steht kurz vor dem Sprung zum Profi-Fußballer. Anfang der Woche absolvierte das Nachwuchstalent ein zweitägiges Probetraining beim Bundesligisten Hamburger SV. Auch bei Werder Bremen hat der Offensivspieler schon vorgespielt. Möglich macht das die Lothar-Kannenberg-Akademie in Bothel, eine Jugendhilfe und Bildungseinrichtung, die Jatta im August vergangenen Jahres aufnahm. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Bakery seinen Weg gehen wird und bald als Profi im Oberhaus aufläuft“, schwärmt Lothar Kannenberg von seinem Schützling.

Der Weg, der Jatta nach Bremen verschlagen hat, wo er in einer Zweigstelle der Akademie untergebracht ist, war steinig. Über Gambia bis an die nördliche Küste Afrikas, weiter mit einem Boot übers Mittelmeer. Auf dem Landweg gelangte er schließlich nach Bremen. Dort erkannte man gleich sein großes Talent.

„Ich habe sofort seine fußballerischen Fähigkeiten gesehen“, sagt Fadhel Souaifi, Sportkoordinator der Akademie. Souaifi nahm ihn unter seine Fittiche. Fast jeden Tag trainierte er mit Jatta, machte ihn körperlich fit. „Wir mussten Bakery aber auch moralisch aufbauen. Der junge war fix und fertig, als er in Bremen ankam.“ Über die Flucht nach Europa will Jatta nicht sprechen. Die Erinnerungen schmerzen zu sehr. Wenn er aber über seine große Leidenschaft Fußball redet, strahlen seine Augen.

Wann er mit Fußballspielen angefangen hat, daran kann er sich nicht mehr erinnern. „Ich weiß nur“, erzählt Jatta, „dass ich Fußball spiele, seitdem ich denken kann. Meine erste Erinnerung daran ist, wie ich als sehr kleiner Junge von der Sonne geblendet wurde, ans Fenster meines Zimmers ging und ein paar größere Jungs sah, wie sie auf dem Feld gegenüber meines Hauses Fußball spielten. Sie waren wirklich richtig gut. Ich rannte zu ihnen, habe mich aber nicht getraut, zu fragen, ob ich mitspielen darf. Immer wenn der Ball ins Aus ging, rannte ich los und kickte den Ball zurück zu ihnen. Irgendwann durfte ich dabei sein.“ Diese Jungs auf dem Feld waren seine Inspiration. Das ganze Dorf sprach von ihnen, wie sie Fußball spielen. Später spielte er für sein Dorf, für sein Schul-Team und bei Straßenturnieren. In einem Verein hat der 17-Jährige nie gespielt.

Und jetzt der HSV: „Plötzlich stand ich Ivica Olic gegenüber. Und Sven Schipplock spielt auf einmal Doppelpässe mit mir. Ich kannte sie vorher ja nur aus dem Fernsehen. Als ich die HSV-Spieler auf dem Trainingsplatz sah, schlug mein Herz bis zum Hals. Auf einmal stand ich ihnen von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Und überhaupt – die ganzen Profis waren so offen zu mir. Im Trainingsmatch bekam ich so viele Bälle aufgelegt. Ich habe mich gleich als einer von ihnen gefühlt. Wieder durfte ich dabei sein.“

Das war am Montag, der erste Tag des zweitägigen Probetrainings beim HSV. Organisiert hatte das ihm Efe-Firat Aktas. Der Bremer Spielerberater ließ seine Kontakte spielen und hatte über HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer das Probetraining in die Wege geleitet.

„Das Training war sehr intensiv und hart. Ich erlebte Fußball auf einem anderen Level, wie ich es vorher noch nicht kannte.“ Später sagte man ihm, dass HSV-Trainer Bruno Labbadia ihn ins kalte Wasser werfen wollte, um zu sehen, ob er schwimmen kann. Er überzeugte nicht nur die HSV-Spieler, auch Labbadia war von den Fähigkeiten des gambischen Flüchtlings angetan und lud ihn für den nächsten Tag wieder ein, am Training teilzunehmen. „Der Junge hat seine Sache sehr ordentlich gemacht, einen guten Eindruck hinterlassen. Er zeigt Spielintelligenz, besitzt die Grundvoraussetzung für einen Profi. Ich habe großen Respekt vor seiner Story. Er hat sich getraut, einen sehr beschwerlichen Weg auf sich zu nehmen“, sagt der Coach gegenüber der „Bild“-Zeitung. Labbadia habe ihm das Gefühl gegeben, ein Teil der Mannschaft zu sein. Und alleine dafür sei er ihm sehr dankbar. „Ich hoffe, ich habe einen bleibenden Eindruck hinterlassen“, betont der Flüchtling. Sobald der HSV aus seinem Trainingslager im türkischen Belek zurückkehrt, zu dem Jatta wegen seines Flüchtlingsstatus nicht mitreisen durfte, soll er eine weitere Bewährungschance erhalten.

Die fußballerischen Fähigkeiten sind aber nicht nur dem HSV aufgefallen. Auch der Liga-Konkurrent FC Schalke 04 soll Interesse an dem talentierten Nachwuchsspieler haben. Bei Werder Bremen kennt man Bakery Jatta auch, dort trainierte er ebenfalls schon mit. Erst in der U19, dann in der U23. Bei einem Testspiel gegen die U23 von Hannover 96 steuerte Jatta zwei Torvorlagen und einen Treffer bei. Werders Sportchef Thomas Eichin bot ihm daraufhin ein Angebot für die A-Jugend des Bundesligisten an. Zu wenig für Jatta, der lieber einen Profivertrag wollte. „Deshalb haben wir abgelehnt“, sagte Eichin dem „Weser-Kurier“.

An Selbstbewusstsein mangelt es Jatta jedenfalls nicht. Für ihn ist klar, wohin die Reise führen soll. „Ich will nichts anderes, als ein echter Fußballprofi zu sein. Das ist mein größter Wunsch. Immer wenn ich morgens meine Augen öffne, sehe ein Fußballfeld vor mir. Ich bin mit Fußball geboren. Mein ganzes Leben will ich nur eins: Fußball spielen.“

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