Wie Rückwärtsläufer Dennis Schmidt unseren Sportredakteur stehen lässt

Eine Kurve lang in Reichweite

Da hält sich der Abstand noch in Grenzen: Sportredakteur Matthias Freese (l.) bleibt in der ersten Kurve an Dennis Schmidt dran.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Warum? Warum habe ich mir das eigentlich angetan? Hätte mein gesunder Menschenverstand mir nicht vorher sagen müssen, dass ich eigentlich nur verlieren konnte? Klar, 3.000 Meter vorwärts laufen und eher ins Ziel kommen, wenn der Kontrahent eben diese Strecke in unserem Serien- Wettstreit „Redakteur vs. Leser“ rückwärts zurücklegt – im Prinzip kein Problem. Doch die Sache hat einen Haken. Der eher lauffaule Sportredakteur trifft auf den Dauerrenner Dennis Schmidt. Und während der Retro-Runner schon nach 14:09 Minuten die Linie überquert und es sich auf dem Rasen gemütlich macht, schleppe ich meinen geschundenen Körper hechelnd eine gefühlte Ewigkeit später ins Ziel – nach handgestoppten 15:33 Minuten.

Aufwärmen: Dennis Schmidt läuft sich bereits ein, fünf Runden lang. „Ganz schön schwül“, begrüßt er mich auf der Sportanlage in der Ahe. Moment! Erstens sind es an diesem Morgen Anfang Juni nur 18 Grad, zweitens ist der Wettstreit der Ausreden meine Spezialdisziplin. Als da wären: der plötzlich wieder aufkommende Husten, natürlich die zwickende Wade, vor allem aber der Altersunterschied (15 Jahre!). Und ich werde noch jede Menge Zeit haben, mir weitere Erklärungen einfallen zu lassen, mehr als eine Viertelstunde wird es sein. Und verdammt, er hat recht, es ist wirklich schwül.

Startschuss: Die Kollegen stoppen die Zeit, schauen gebannt auf ihre Handy-Stoppuhr. Ich nur auf Schmidts Füße, die sich immer weiter von mir wegbewegen. Da helfen auch meine neu erworbenen Laufschuhe mit Spikes nicht wirklich. Mehr als eine Trainingseinheit beim Sportabzeichen wäre vielleicht doch besser gewesen. Seine Taktik geht auf: Tempo machen, Abstand gewinnen und den Sportredakteur demotivieren. Eine Kurve lang bleibe ich in Reichweite, lasse ihn nicht weg. Doch schnell wird klar, dass ich „überpace“, wie das wohl heißt. Die erste Rundenzeit bestätigt mich: 1:49 Minuten für die 400 Meter – viel zu fix für meine Verhältnisse.

Kurz darauf wächst der Rückstand aber Minute für Minute – und Schmidt zieht einsam seine Runden. - Fotos: Menker

Ich schalte einen Gang runter. 1:59 für die zweite Runde – immer noch nicht mein Tempo. Dennis Schmidt habe ich längst aus den Augen verloren. Während es für mich nur noch ums Durchhalten geht, läuft er seine Runden locker und deutlich unter zwei Minuten. Kann es sein, dass beim Rückwärtslaufen auch die Zeit rückwärts läuft?

Egal, zweieinhalb Runden vor Schluss erblicke ich Schmidt auf der Gegengeraden. Das Ding ist wohl entschieden. Ich würde ja rübergrüßen, wenn ich die Arme noch hochkriegen könnte. Der Rest ist Quälerei, und allmählich meldet sich die Wade tatsächlich – aua! Im Schmerz liegt ja vielleicht die Kraft. Aber auch die ist längst auf der Tartanbahn geblieben.

Schlussspurt: Nicht mehr möglich. Was hilft es, wenn für mich am Ende eine neue persönliche Bestzeit über die 3.000 Meter steht, ich habe von Beginn an nicht dazu beitragen können, dass eintrifft, was Dennis Schmidt vermutet hatte, als er im Vorfeld nach meiner Zeit gefragt hatte: „Dann wird es ein enges Rennen.“ Jetzt weiß ich: Er hatte keine Angst, er wollte mich nur in Sicherheit wiegen – alter Lauf-Fuchs!

Auch der Einsatz neuer Laufschuhe mit Spikes zahlt sich für den lauffaulen Sportredakteur nicht aus.

Schnellanalyse: Mit seiner Zeit von 14:09 Minuten über diese Distanz dürfte Schmidt nicht nur in der Region die Nummer eins sein (da gibt es ohnehin kaum bis keine Rückwärtsläufer), sondern sogar in Deutschland einer der Schnellsten. Beim Sottrumer Abendlauf kam er vor zwei Jahren auf diese Weise über die fünf Kilometer nach 25:44 Minuten ins Ziel.

Der Weltrekord über 3.000 Meter liegt übrigens bei 11:11,76 Minuten, aufgestellt 2014 vom Deutschen Thomas Dold. Sooo weit ist Schmidt da nicht von entfernt. Und ganz nebenbei erwähnt der Rotenburger auch noch, dass die Weltmeisterschaft im Juli in Essen ausgetragen wird und er schon überlegt hatte, daran teilzunehmen. „Ich bin dann aber wohl im Urlaub.“ Ja, den würde ich jetzt auch am liebsten sofort antreten. Wenn ich meinen schlaffen Körper nur wieder von der Bahn hochbekomme.

Der Tag danach: Die Beine sind schwer, die Nachricht von Dennis Schmidt muntert mich aber auf. „Heute spüre ich meine Waden recht drastisch“, schreibt er mir. Ha, wenigstens das habe ich erreicht. Ich gehe derweil abends zum Fußball-Training – was interessiert mich meine Wade.

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