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„Der Sport hat mir viele Türen geöffnet“

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Hochdekoriert: Dimitri Peters gehört inzwischen zu den weltbesten Judoka.
Hochdekoriert: Dimitri Peters gehört inzwischen zu den weltbesten Judoka.

Kreis-Rotenburg - Von Daniel CottäusROTENBURG · Dimitri Peters ist ohne Frage das sportliche Aushängeschild des TuS Rotenburg. Unter anderem zwei Deutsche Meistertitel sowie mehrfache WM- und EM-Teilnahmen machten den Judoka weit über die Grenzen der Wümmestadt hinaus bekannt. Gleichzeitig ist Peters, der im Alter von sieben Jahren gemeinsam mit seiner Familie als Aussiedler aus Sibirien nach Deutschland kam, ein Paradebeispiel dafür, welch eine wichtige Rolle der Sport bei der Integration in die Gesellschaft spielen kann. Im Interview spricht der 25-Jährige über den „Türöffner“ Sport, die Anfänge in Deutschland und seine Beziehung zu Russland.

?Herr Peters, Sie wurden in Russland geboren, wuchsen in Unterstedt auf und leben jetzt in Hannover. Was ist für Sie eigentlich Heimat?

!Also Russland sehe ich nicht als meine Heimat an, eher als eine schöne Erinnerung aus der Kindheit. Da ich schon mit sieben Jahren nach Unterstedt gekommen bin, fühle ich mich auch heute noch als Rotenburger. Zudem meine Eltern noch in Unterstedt leben und ich ein bis zwei Mal im Moment dort bin.

?Gibt es überhaupt noch Kontakt nach Russland?

!Nein, wie gesagt, das ist eine Erinnerung.

?Sie haben im Alter von zwölf Jahren mit dem Judo angefangen. Wie sehr hat Ihnen der Sport die Anfänge in Deutschland erleichtert?

!Das hat schon sehr geholfen. Über den Sport habe ich viele Freunde kennengelernt. Während der Einheiten wurde deutsch gesprochen, wodurch ich die Sprache besser gelernt habe und schnell verstehen konnte.

?Später folgte der Aufstieg mit der Berufung in den Bundeskader. Würden Sie sagen, dieser sportliche Erfolg hat Ihnen auch in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens geholfen?

!Ganz klar. Der Sport hat mir viele Türen geöffnet, es wurde vieles leichter. Nach der Berufung in den niedersächsischen Landeskader habe ich gleich eine Lehrstelle als Industriemechaniker vermittelt bekommen. Dabei wurde extra drauf geachtet, dass mir die Ausbildung genug Zeit lässt, um weiter Leistungssport machen zu können.

?Ohne den Sport kaum denkbar, oder?

!Nein, absolut nicht. Ich denke öfter darüber nach, wie es wohl gelaufen wäre, wenn es Judo nicht gegeben hätte. Wenn ich zum Beispiel wie mein Bruder – mit dem ich gemeinsam angefangen habe – nach zwei Jahren aufgehört hätte.

?Nun haben Sie als Leistungssportler eine gewisse Vorbildfunktion inne. Würden Sie vor allem Jugendlichen, die genau wie Sie erst später nach Deutschland gekommen sind, zum Eintritt in einen Sportverein raten?

!Das ist doch nur sinnvoll. Im Verein überwindet man seine Scheu, lernt die Sprache und wird selbstbewusst. Gerade beim Judo nimmt man eine Menge mit, was auch für das restliche Leben wichtig ist – zum Beispiel die Rücksichtnahme. Vor allem hängen die jungen Leute nicht auf der Straße rum, sondern finden schnell Anschluss. Mich hat mein Sport auch in die richtige Bahn gelenkt.

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