67:64 – Hurricanes schlagen erstmals Herne / Rodriguez: „Ich war nicht nervös“

Trotz Brummschädel behält Shay Selby kühlen Kopf

+
Andrea Baden macht es vor und gibt den Ball gegen Ireti Amojo (l.), Sonja Greinacher und Lea Mersch (r.) nicht her.

Scheeßel - Von Matthias Freese. Eigentlich bittet Tomas Holesovsky seine Bundesliga-Basketballerinnen unmittelbar nach jedem Spiel zur Kabinenbesprechung. Doch nach so einem Sieg ließ der Coach der Avides Hurricanes Fünfe gerade sein und verzichtete darauf. Im siebten Anlauf hatte es schließlich geklappt – der erste Sieg gegen den Herner TC! Und was für einer: 67:64 (55:55/27:30) nach Verlängerung, in der mit Maggie Skuballa, Laura Rahn und Kierra Mallard auch noch drei Stammkräfte mit ihrem fünften Foul raus mussten.

Holesovsky kam dieser besondere Sieg gerade recht – er hatte „spezielle Gäste“ zu Besuch. Aus der tschechischen Heimat waren seine beiden Kinder und sein Vater gekommen. „Und da mein Vater unsere Spiele sonst per Livestream verfolgt und immer sehr nervös ist, frage ich ihn nach diesem Spiel lieber nicht“, scherzte der Coach.

Zittrige Hände hatte Angela Rodriguez nicht. „Nein, ich war nicht nervös bei den Freiwürfen“, meinte die mexikanische Nationalspielerin, die exakt 16,4 Sekunden vor dem Ende der fünfminütigen Overtime an die Linie schritt und beide Versuche zum 67:64 verwandelte. Beim letzten Herner Angriff wurde schließlich Lea Mersch entscheidend von Pia Mankertz am Abschluss gehindert.

„Herne ist immer wieder eine große Herausforderung“, fand Mankertz und dachte dabei sicher auch an die Partie im November 2012, als ihr Team auswärts nach Verlängerung verloren hatte. Für die Kapitänin war der kämpferische Einsatz über 45 Minuten das große Plus gewesen. Ihre frühere Mitspielerin Kata Takács, die jetzt in Herne spielt, auch in der Starting Five stand, aber insgesamt nur auf neun Einsatzminuten kam, sah es ähnlich: „Die Hurricanes waren viel aggressiver und wollten den Sieg mehr als wir. Zudem haben wir zu viele Eigenfehler gemacht.“

Trotzdem sprach zunächst vieles für die Gäste, die nun auf Platz fünf gerutscht sind. 7:0 führten sie schnell (3.), weil Nationalspielerin Katharina Fikiel unterm Korb zunächst schwer zu bändigen war. Erst zwei Dreier von Shay Selby zum 12:13 brachten die Hurricanes ins Spiel (8.). Da war der Schrecken umso größer, als die Amerikanerin und Mannschaftskollegin Hannah Pakulat nach einer knappen Viertelstunde beim Rebound mit den Köpfen zusammenrasselten. Während Pakulat weiterspielte, blieb Selby benommen liegen – um zur zweiten Halbzeit mit einem „Ei“ an der Stirn wieder einzugreifen. Immerhin: Nach einem 18:28-Rückstand brachte Laura Rahn ihr Team per Dreier mit dem Halbzeitpfiff heran – 27:30.

Fortan blieb es eine ganz enge Kiste, in der Selby trotz ihres Brummschädels kühlen Kopf behielt und neun Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit per Dreier zum 55:55 ausglich. In der Overtime meinten es die ohne klare Linie leitenden Unparteiischen Mathias Rucht und Tim Krause nicht unbedingt gut mit den Hurricanes. Maggie Skuballa nach 20 Sekunden, Laura Rahn 1:38 Minuten und Kierra Mallard 1:14 Minuten vor dem Ende sahen das fünfte Foul – die Centerin, weil sie für ihren abgepfiffenen Korb Beifall gespendet hatte. Ein Nachteil? „Da haben wir nicht drüber nachgedacht“, erklärte Mankertz. „Wir haben uns einfach auf jeden Ball geschmissen.“

So wie Andrea Baden, die bei noch 32 zu spielenden Sekunden hinten den Rebound sicherte und nach einem Foul von Kristi Bellock einen von zwei Freiwürfen zum 65:62 verwertete. 260 Fans waren aus dem Häuschen. Schon lange war es nicht mehr ein so ohrenbetäubender Lärm in der Scheeßeler Sporthalle. Und Holesovsky betonte: „Bei so einer Atmosphäre gibt jede Spielerin 120 Prozent.“

Mehr zum Thema:

Tränen und Trauer: Italien nimmt Abschied von Erdbebenopfern

Tränen und Trauer: Italien nimmt Abschied von Erdbebenopfern

6:0 als Signal: Bayern haben Spaß mit Ancelotti

6:0 als Signal: Bayern haben Spaß mit Ancelotti

Großbrand zerstört legendäre Filmkulissen

Großbrand zerstört legendäre Filmkulissen

Er ist der beste Luftgitarren-Spieler der Welt

Er ist der beste Luftgitarren-Spieler der Welt

Meistgelesene Artikel

„Nicht mit gerechnet“

„Nicht mit gerechnet“

Heybers Führung nicht mehr abgegeben

Heybers Führung nicht mehr abgegeben

Denell macht es seinen Trainern verdammt schwer

Denell macht es seinen Trainern verdammt schwer

Schröders Rückkehr

Schröders Rückkehr

Kommentare