Handballer Christopher Hübner ist seit zwei Jahren dauerverletzt

Kampf gegen den eigenen Körper

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Mit einer Stütze am rechten Wurfarm lief Christopher Hübner vom TuS Wehe auf – wenn er überhaupt mal spielen konnte.

Rahden - Von Maik Hanke. Eigentlich hatte Christopher Hübner große Ambitionen. Mit dem VfL Menninghüffen wollte der Handballer in die Oberliga aufsteigen. Doch das Schicksal stellte ihm ein Bein und ließ ihn nicht mehr aufstehen. Erst ein Sehnenriss im Ellenbogen, dann ein Beinbruch, jetzt ein Knorpeldefekt im Knie: Seit fast zwei Jahren kämpft Hübner gegen seinen Körper. Mittlerweile ist er zurück bei seinem Heimatverein TuS Wehe, seine Handball-Laufbahn steht aber vor dem Aus. Hübner ist 23 Jahre alt.

„Ich habe keine Schmerzen“, sagt Christopher Hübner. Aber jegliche Belastung ist ihm verboten. Mit seinem rechten Fuß darf er nicht auftreten, und das wird sich so schnell auch nicht ändern. Er kann froh sein, dass er mittlerweile wieder aufstehen und sich bewegen kann.

Anfang Juni wurde Hübner das zweite Mal am rechten Knie operiert. Ihm wurde neuer Knorpel transplantiert, zwei Monate nachdem die Ärzte ihm den alten herausoperiert hatten. Knorpeldefekt nennt sich die Verletzung, die ihn knapp ein Jahr vom Sport fernhalten wird.

Passiert ist die Verletzung Ende Februar, in der zweiten Halbzeit des Handball-Landesliga-Spiels des TuS Wehe gegen die SG Handball Detmold. Hübner, der meist halblinks oder in der Mitte spielt, sprang in einen Zweikampf und landete mit dem gestreckten Bein auf dem Hallenboden. Das Knie war hin.

„Ich war eh nie richtig fit“

Sein Ausfall danach, sagt der 23-Jährige, sei kein großer Verlust für die Weher, die in der vergangenen Saison gegen den Abstieg kämpften. „Ich war eh nie richtig fit.“ Vor der Kniegeschichte laborierte Hübner an einer schweren Ellenbogenverletzung. „Ich konnte nie richtig werfen, habe nie einen richtigen Armzug gehabt.“ Voll abziehen konnte Hübner nicht. Er spielte die Bälle eher ab oder legte sie locker um den Torwart herum.

Die Armverletzung stammte noch aus seiner Zeit in Menninghüffen. Im Oktober 2014 war ihm im Training beim Verbandsligisten eine Sehne gerissen. Die Heilung dauerte lange und sein Pech schien endlos: Kurz vor Heiligabend 2014 brach er sich beim Fußballspielen mit der Mannschaft das Bein.

Es dauerte noch vier Monate, bis Hübner beschwerdefrei ins Training zurückkehren konnte. Doch dann, in seinem ersten Punktspiel, warf er einen Siebenmeter – und die Sehne im Ellenbogen riss erneut. Dieses Mal kam er um eine Operation nicht herum. Das war im Juni 2015.

Um sich in Ruhe wieder heranzukämpfen, verließ Hübner die ambitionierten Menninghüffener und ging zurück zu seinem Heimatverein, dem TuS Wehe, in die Landesliga.

Im Dezember 2015 stieg er wieder ins Training ein, auf die Beine kam er aber auch dort bisher nicht. Die Folgen der Ellenbogenverletzung bremsten ihn für einen Großteil der Saison aus, und dann kam plötzlich die Knieverletzung.

„Man hinterfragt sich schon, ob es noch Sinn macht“, erzählt Hübner. „Man will ja der Mannschaft helfen, aber im Endeffekt geht es ja um einen selber. Man fängt schon an zu zweifeln.“ Klar ist: Hübner will unbedingt wieder gesund werden. Vollständig, ohne bleibende Schäden.

Aber wie es mit dem Sport weitergeht, ist noch unklar: „Ob ich noch Handball spiele, weiß ich noch nicht“, sagt Hübner. „Was ich auf keinen Fall nochmal will, ist so eine Verletzung.“ Eine Garantie dafür kann ihm im rauen Handballsport keiner geben. „Im Handball kriegt man oft einen mit. Ich weiß noch nicht, ob ich das Risiko nochmal eingehen will.“

Vielleicht solle er lieber Volleyball spielen, überlegt Hübner. Das geht zwar auch auf die Arme, da hat er aber das Problem mit dem Werfen nicht. Hübner: „Ich habe noch sehr viel Zeit, das ist noch sehr weit weg.“

Der Rahdener hat noch einen schweren und weiten Weg vor sich, um überhaupt wieder gehen und laufen zu können. Noch etwa zwei Monate nach der Knie-OP Anfang Juni wird er auf Krücken angewiesen sein. Erst dann darf er wieder leicht das Knie belasten.

Nach rund drei Monaten darf er mit Fahrradfahren und Schwimmen wieder anfangen, nach sechs Monaten dann seine Rehaübungen steigern und mit dem Muskelaufbau im Bein beginnen. Erst nach zehn bis zwölf Monaten darf er wieder laufen gehen. „Wenn man die ganze Zeit daran denkt, macht man sich ja verrückt“, sagt Hübner.

Auf Krücken ins Fitnessstudio

Aber der 23-Jährige will unbedingt wieder fit werden – und eigentlich muss er das auch. Denn er studiert: Sport und Wirtschaftswissenschaften auf Lehramt. Das Sportstudium will er weiterhin durchziehen. Jetzt konzentriert er sich aber erst einmal auf die Theorie, arbeitet zu Hause in Rahden die Vorlesungen nach, die er in seinem Studienort Köln verpasst. Die Sportprüfungen will er nachholen. Zeit verliere er dadurch nicht, ist sich Hübner sicher.

Er will sich Zeit lassen, alles ruhig angehen lassen. Trotzdem versucht er, schon jetzt möglichst jeden Tag ins Fitnessstudio zu kommen – um sich weitgehend fit zu halten. Er erklärt: Als der Arm kaputt war, ging er laufen. Jetzt mit dem kaputten Bein trainiert er eben Oberkörper und Arme. Ins Fitnessstudio humpelt er auf Krücken. „Ein Bein hab ich ja noch.“ In manchen Lebenslagen braucht es einfach Galgenhumor.

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