Steve Wigley, U19-Trainer des FC Fulham beim Stemweder Pfingstturnier, über die Ausbildung künftiger Profis

„Geld ist eine Gefahr für den Jugendfußball“

Steve Wigley führte die U19 des FC Fulham beim Stemweder Pfingstturnier am vergangenen Wochenende auf Rang drei. Zuvor war seine Mannschaft im Halbfinale gegen den späteren Turniersieger Red Bull Brasil ausgeschieden. - Foto: Hanke

Stemwede - Steve Wigley (54) ist eine Institution im englischen Jugendfußball. Der aktuelle U19-Coach des FC Fulham trainierte bereits die Jugend von Manchester City und die englische U21-Nationalmannschaft. Am Sonntag des Pfingstturniers des TuS Stemwede spricht er im Interview mit Redakteur Maik Hanke über die Ausbildung von jungen Profis und warum ihn die Mühlenkreisauswahl begeisterte. Außerdem sagt er: Geld ist eine Gefahr für den Jugendfußball – aber eine Chance für die Bundesliga, endlich wieder spannend zu werden.

Herr Wigley, ein Turnier wie das in Stemwede, ist das Spaß oder harte Arbeit für Sie und Ihre Mannschaft?

Steve Wigley: Ich glaube, es ist von beidem etwas. Wir sind am Ende einer langen Saison und es ist eine tolle Gelegenheit, deine Spieler gegen Spieler aus anderen Ländern und anderen Kontinenten antreten zu lassen. Wir sind hergekommen, um zu gewinnen. Es geht schon darum, gut zu spielen.

Ist es für Ihre Spieler eher ein sportlicher Test oder ein Charaktertest, auf Reisen zu sein und ein Turnier zu spielen?

Wigley: Von beidem etwas. Wir sind vier Tage unterwegs, sind zwölf Stunden mit dem Bus hergefahren und Spielen dann ein Spiel nach dem anderen. Es ist ein mentaler Test, ein physischer Test, und wenn du ein Halbfinale verlierst so wie wir (0:2 gegen Red Bull Brasil, d. Red.), ist es auch ein Charaktertest, ob du noch das Spiel um Platz drei bestreiten willst, das eigentlich beide Mannschaften nicht spielen wollen.

Und ist es nicht ein Charaktertest, zu sehen, wie sich einzelne Spieler in der Gruppe verhalten, wenn man mehrere Tage unterwegs ist?

Wigley: Ja, deswegen spielen wir Turniere. Man findet viel über die Spieler heraus, wenn sie von zu Hause weg sind und den ganzen Tag mit den anderen zusammengewürfelt werden.

Was ist das Wichtigste, was Sie bei dieser Reise bisher gelernt haben?

Wigley: Lass dir in einem Halbfinale keine dummen Tore einschenken. Wenn du den Ball billig hergibst, wirst du dafür bestraft.

Ihr Team hat gegen die regionale Mühlenkreisauswahl gespielt. Am Samstagabend haben Sie beim offiziellen Empfang gesagt, Sie seien von der Mannschaft beeindruckt gewesen...

Wigley: Heute noch mehr!

Was hat sie so beeindruckt?

Wigley: Sie sind sehr gut organisiert. Gegen drei Profi-Teams zu spielen, kaum Gegentore zu bekommen, ein Unentschieden zu holen und dann heute sogar zu gewinnen, zeigt, dass sie gut trainiert wurden, sie einige gute Spieler und auch eine gute mentale Stärke haben. Wenn man sonst zu Turnieren fährt und gegen die örtlichen Mannschaften spielt, kriegen die meistens vier oder fünf Gegentore. Das ist hier gar nicht passiert. Das zeigt, wie gut die Jungs waren.

Heute Abend steigt eine Party. Dürfen Ihre Spieler da auch mal ein paar Bierchen trinken?

Wigley: Nein! Das sind Profi-Fußballer. Sie werden sicher Spaß haben, sich mit Mädchen zu unterhalten und so, aber wir brechen morgen um 8.30 Uhr auf. Sie werden nicht trinken. Sowas machen wir nicht. Wir haben einige Jungs dabei, die sind erst 17, und in England sind sie noch gar nicht alt genug, um was trinken zu dürfen.

Welche Charaktereigenschaften muss ein junger Spieler mitbringen, um Profi zu werden?

Wigley: Eine Sache wird dir im Fußball garantiert: dass du enttäuscht wirst. Du wirst nicht immer ausgewählt. Manchmal hast du einen Trainer, der dich nicht mag. Also musst du die Ärmel hochkrempeln, wenn es nicht gut läuft, und die Enttäuschung bewältigen.

Sie hatten in den vergangenen Jahren unterschiedliche Jobs, waren unter anderem U21-Trainer für die englische Nationalmannschaft. Wer war der kompletteste Spieler, den Sie bisher traininert haben?

Wigley: Puh, das waren ganz schön viele. Gareth Bale war einer meiner Spieler im Jugendteam von Southampton. Er ist für 85 Millionen Pfund (etwa 100 Millionen Euro, d. Red.) gewechselt. Er war aber kein kompletter Spieler mit 15 oder 16. Oder John Terry, Kapitän von England. Ich hatte das Glück, mit einigen der besten englischen Spieler der vergangenen zehn Jahre zu arbeiten.

Sind englische Spieler von Ihnen bei der Europameisterschaft kommenden Monat dabei?

Wigley: Der Großteil, der bei der Europameisterschaft spielt, hat bei uns im U21-Team gespielt.

Sie waren auch Trainer in Manchester City, kurz bevor man dort den Weg des Geldes einschlug. Was halten Sie von der aktuellen Entwicklung dort?

Wigley: Ich glaube, das ist der Weg, den das Spiel geht. Die Leute, die Manchester City gekauft haben, leisten fantastische Arbeit. Sie investieren Millionen, haben ein gutes Team, ein schönes Stadion. Früher oder später werden sie die Champions League gewinnen. Sie werden dauerhaft die Möglichkeit haben, die besten Spieler zu kaufen.

Ist Geld eine Gefahr für den Fußball?

Wigley: Ja! Es ist eine Gefahr für den Jugendfußball. Denn in meinem Job willst du nicht, dass die Klubs Millionen für Spieler ausgeben. Sie sollen gucken, was sie haben. Wenn Leute auf den deutschen Fußball gucken, glauben sie, dass die Liga am Ende ist. Denn Bayern München kauft immer wieder Dortmunds beste Spieler. Jedes Mal, wenn Dortmund wieder näherkommt, kauft Bayern deren besten Spieler. Es ist also das Gleiche in Deutschland.

Trotzdem guckt man in Deutschland immer Richtung englische Premier League: Die haben das Geld und das wollen wir auch.

Wigley: Ja. Das ist wahrscheinlich der einzige Weg, wie man ein ausgeglichenes Feld bekommt. Wir haben jetzt fünf oder sechs Teams, die um die Meisterschaft spielen.

Sie waren die längste Zeit Ihrer Karriere Jugendtrainer. Wird es eigentlich schwerer, Jugendtrainer zu sein, wenn man selbst älter wird?

Wigley: Nein, ich bin Vater und habe drei Kinder, die gerade erwachsen werden. Erst wenn man den Enthusiasmus und die Bindung zu den Spielern verliert, sollte man was anderes machen. Noch glaube ich aber, dass ich sie verstehe. Man ist im Sport nie zu alt.

Wie halten Sie Ihre Liebe zum Fußball am Leben?

Wigley: Das ist alles, was ich weiß. Das, was ich als Kind gemacht habe. Ich hatte Glück, dass ich beruflich Fußball spielen und trainieren konnte. Ich habe heute noch genauso viel Spaß am Fußball wie früher.

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