Struckmanns prägen Hallenradsport beim RSC Niedermehnen 

„Ein wahrer Amateursport“

Zwei Generationen im Hallenradsport: Maren (v.l.), Werner, Reinhold und Jan Struckmann haben dem RSC Niedermehnen und den Radball- und Radpolo-Sparten ihren Stempel nachhaltig aufgedrückt. - Fotos (3): Hanke

Westrup/Levern - Von Maik Hanke. Flinke Drehungen auf engstem Raum, kräftige Schüsse gegen den Ball mit dem Vorderrad, schlafwandlerisches Rückwärtsfahren – Reinhold Struckmann ist 63 Jahre alt, aber auf dem Radball-Fahrrad macht dem Westruper keiner so schnell etwas vor. Struckmann lebt geradezu für den außergewöhnlichen Sport. Er, sein Bruder Werner und seine Kinder Maren und Jan drücken dem RSC Niedermehnen und dem Hallenradsport seit fast 50 Jahren ihren Stempel auf.

Eigentlich ist die Radsport-Familie noch größer als die vier Struckmanns selbst. „Es gibt ein familiäres Verhältnis über die ganze Sportart“, sagt Radpolo-Spielerin Maren Struckmann. Die Freundschaften zwischen den Spielern beschränken sich nicht nur auf den eigenen Verein oder bestimmte Altersgruppen. „Du kennst alles und jeden in deinem Sport“, sagt sie. „Es entstehen Freundschaften zwischen 20- und 60-Jährigen.“

Die Struckmanns sind seit vielen Jahren deutschlandweit unterwegs. Oft bis nach Hessen, manchmal bis nach Ostdeutschland. Das kostet viel Zeit, Geld und Engagement. Um das zu leisten, muss man den Sport lieben. „Ein wahrer Amateursport“, sagt Reinhold Struckmann.

Anfänge in Gaststätten statt Turnhallen

Der Pensionär – er war bis Januar Kundenberater in einem Autohaus – spielt seit seiner Jugend Fußball, ist für die Ü55-Herren des TuS Stemwede immer noch im Einsatz, hat sich im Teenager-Alter auch am Voltigieren versucht, doch sein liebster Sport ist der Radball.

Eine beachtliche Zahl an Radpolo- und Radball-Fahrräder des RSC Niedermehnen hat sich mittlerweile gesammelt.

1968 fing er in Niedermehnen an, als die Sparte beim RSC wiederbelebt wurde. Es seien „primitive Anfänge“ gewesen, sagt er. Damals habe es kaum Turnhallen gegeben. Man habe stattdessen in den Sälen von Gasthäusern gespielt. Reinhold Struckmann war 15 Jahre alt, als er anfing – und damit eigentlich zu alt für einen Start im Radball, sagt er. Sein Bruder Werner fing gleichzeitig an. Er war damals schon 18. Je früher man beginnt, desto besser, sagen die Struckmanns: Die Hemmschwelle für Kinder, mit dem Sport anzufangen, sei geringer. Das sei wie beim Skateboard-Fahren. Kinder hätten keine Angst hinzufallen. Denn gerade am Anfang muss man mit blauen Flecken rechnen.

„Man braucht ein, anderthalb, zwei Jahre, um bereit zu sein für die Ligabetrieb“, erklärt Jan Struckmann. „Viele haben am Anfang schon Probleme, sich auf dem Rad fortzubewegen.“ Es brauche Disziplin und Durchhaltevermögen, die Grundlagen des Sports zu lernen und das Rad zu beherrschen. „Wenn man dann noch Lust hat, macht man weiter.“

Maren Struckmann zeigt Radpolo-Ball und -Schläger.

Viele verlieren vorher die Lust. „Es kommt vor, dass man 300 Kilometer durch Deutschland fährt, man sich dann fünf Packungen fängt, und dann wieder nach Hause fährt“, sagt Werner Struckmann. Das sei für Kinder schwer. Aber wenn man erst einmal drin ist im Sport, wenn man schon so viel investiert hat, ist die Überwindung wieder aufzuhören umso größer. Reinhold und Werner Struckmann blieben dabei – seit mittlerweile fast 50 Jahren. Das gilt auch noch für weitere Sportler der Clique, mit der sie einst starteten. Bis heute sagt Reinhold: „Das ist mein Verein.“ Und wer lange spielt, wird immer besser. In den 90er-Jahren spielte Reinhold Struckmann etwa in der Oberliga, der höchsten Klasse in Nordrhein-Westfalen. Im Fünfer-Radball stieg er zweimal in die erste Bundesliga auf. „Zwar nur ein Jahr, aber für Niedermehnen war das schon ein Highlight“, erzählt er.

Wie Reinhold ist auch Werner Struckmann heute noch aktiv – mit 66 Jahren. „Das Gute ist, dass man nicht mit Mitte 30 aufhören muss“, sagt er. Zwar muss man im Sport ab und an mit Blessuren rechnen – denn Radball ist durchaus ein impulsiver und körperbetonter Sport –, aber Bänderverletzungen zum Beispiel sind praktisch inexistent.

Mit der Schnelligkeit junger Spieler kann Werner Struckmann nicht mehr mithalten. Das gleicht er aber mit dem nötigen Auge aus. Erfahrung, Taktik, Routine machen viel aus. Mit einem geschickten Manöver kocht er junge Spieler noch immer ab. „Mit Kraft alleine kannst du nichts erreichen“, sagt Werner Struckmann. Den Blick für Bewegungen und Spielzüge hat er sicher auch durch seine Schiedsrichter-Erfahrung geschärft. Als Kommissär pfiff er sogar in der Bundesliga. Als er 65 wurde, musste er die Pfeife laut Regularien an den Nagel hängen.

Aufgegeben hat Werner Struckmann mittlerweile auch seinen Posten als Vorsitzender des RSC Niedermehnen. 24 Jahre lang, von 1984 bis 2008, stand er dem Verein vor. Auch seinem Wirken ist es zu verdanken, dass der Sport beim RSC weiter blüht. Unter seiner Führung wurde Anfang der 90er-Jahre auch die Radpolo-Sparte für Frauen ins Leben gerufen.

Schon seit kurz nach der Gründung spielt Maren Struckmann dort mit. Das sind mittlerweile 22 Jahre, berichtet die 29-Jährige. Damals war sie mit mehreren Mädchen im gleichen Alter angefangen. Onkel Werner trainierte sie.

2000 wurde Maren Struckmann U15-Meister in Nordrhein-Westfalen. „Da sind wir um ein Tor an der Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft gescheitert“, erinnert sie sich. Bis heute ist die Meisterschaft einer ihrer größten Siege. Übertrumpfen will sie den Erfolg in diesem Jahr: mit dem Aufstieg in die Bundesliga. Zweimal nahm sie bereits an der Aufstiegsrunde teil, zweimal scheiterte sie.

Im Juni wurde Jan Struckmann (l.) Nordrhein-Westfalen-Vizemeister im Fünfer-Radball. - Foto: Pollex

„Aller guten Dinge sind drei“, sagt Maren Struckmann. Mitte Oktober hat sie in Moers die nächste Chance. „Ich werde langsam alt. Das muss endlich mal klappen“, sagt sie, die als Fußballerin in diesem Jahr bereits einen Aufstieg geschafft hat. Beim TuS Stemwede, wo sie ebenfalls relativ kurz nach der Spartengründung anfing, spielt sie in der kommenden Saison in der Bezirksliga. Für ihren Bruder Jan Struckmann hat immer ein Sport gereicht. Der 27-jährige Entwickler für Kunststofftechnik bei einer Firma in Damme hat sich als Kind mal an Fußball versucht, aber schnell gemerkt, dass das nichts für ihn ist. Seit er acht Jahre alt ist, spielt er stattdessen Radball. In dieser Saison spielte Jan Struckmann im Zweier-Radball in der Verbandsliga, im Fünfer-Radball wurde er vor wenigen Wochen sogar NRW-Vizemeister.

Statt in einem zweiten Sportverein engagiert er sich im Schützenverein Westrup und in der Feuerwehr, ist doch stellvertretender Löschgruppenführer. Manche wundern sich darüber, sagt er, wie viel Zeit er in Vereinsarbeit steckt. Aber das sei ihm so vorgelegt worden, erklärt er. Auch beim RSC sei er praktisch immer dabei gewesen und wurde so früh an Sport und Verein gebunden.

„Der Sport ist wie eine Ehe“

Trainiert wurde er von seinem Vater Reinhold, der seit rund 30 Jahren als Jugendtrainer tätig ist. In einer Saison spielten Vater und Sohn auch zusammen als Duo, auch wenn es ungewöhnlich ist, ein Team mit so großem Altersunterschied zu bilden.

Mit dem Vater zusammen zu spielen, sei ungewöhnlich gewesen, sagt Jan Struckmann. Da verkneife man sich eher mal einen Spruch. Denn grundsätzlich kommt es im Sport vor, dass man sich auch mal anschreie. „Aber nach dem Spiel ist das Thema auch durch.“

Werner Struckmann erzählt, der Sport im Duo sei wie eine Ehe: „Die Partner müssen sich verstehen und zusammenraufen. Sie verlieren und gewinnen zusammen.“

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