Japaner Taiki Hirooka hat in Sulingen sein Glück gefunden

Zwischen Lebensglück und tief verwurzelter Tradition

Taiki Hirooka fühlt sich pudelwohl in Sulingen. - Foto: ck

Sulingen - Von Arne Flügge. Tradition und Familienehre spielen in Japan eine große Rolle. Der Respekt gegenüber älteren Menschen, gerade Vater und Mutter, wird den Kindern fast schon mit in die Wiege gelegt. Ihr Wort ist Gesetz. „Je tiefer du dich in jungen Jahren verbeugst, desto mehr wirst du später selbst ehrerbietend behandelt“, sagt ein Sprichwort. Taiki Hirooka lebt danach.

Auch nach vier Jahren in Deutschland hält er die japanischen Traditionen in Ehren. Doch er möchte noch länger bleiben, länger, als es der Familie vielleicht lieb ist. „Sie hoffen natürlich, dass ich bald nach Japan zurückkehre“, räumt der Mittelfeldspieler von Fußball-Landesligist TuS Sulingen ein, „aber ich habe hier mein Glück gefunden.“

Schon vor der laufenden Saison hatte es Diskussionen innerhalb der Familie gegeben, ob Hirooka nun zurück muss oder nicht. „Und wir waren sehr froh, dass er uns dann noch für ein weiteres Jahr zugesagt hat“, meint Sulingens Trainer Maartens Schops. Und danach? Muss Hirooka dann dem Ruf und dem Willen der Familie folgen? Die Tradition verlangt das. Eigentlich. 

Doch mittlerweile kann man auch über Traditionen reden, diskutieren – ohne sie brechen zu müssen. Das hat Taiki Hirooka getan. „Ich habe mit meiner Familie gesprochen, und sie hat akzeptiert, dass ich noch in Deutschland bleiben möchte“, sagt der kleine Japaner mit dem ansteckenden Lächeln. 

„Wenn das so ist“, lässt sich auch Trainer Schops ein leichtes Schmunzeln entlocken, „dann hätten wir natürlich nichts dagegen. Taiki ist ein überragender Fußballer, und ich weiß, dass er hier auch privat sehr glücklich ist.“ Das private Glück hat natürlich auch einen Name. Elli, Taikis Freundin. Und wenn er von der zierlichen jungen Frau spricht, die ihm stets vom Spielfeldrand zuwinkt, bekommt Hirooka glänzende Augen.

Der Sulinger Mittelfeldspieler ist rundherum happy. Auch wenn das ganz große Ziel, an die Tür des Profifußballs zu klopfen, wohl nur ein Traum bleiben wird. Dafür hat er jetzt die Trainer-B-Lizenz erworben, um seine Philosophie an junge Fußballer weiterzugeben.

Über einen Berater war Taiki Hirooka vor vier Jahren als gerade einmal 22-Jähriger aus dem fernen Osaka zuerst nach Ratingen und dann nach Düsseldorf gekommen, wo er in der Oberliga-Mannschaft kickte. „Ich wollte unbedingt in Deutschland spielen, das war mein größter Wunsch.“ Mit der Sport-Universität Osaka war er Japan-Meister geworden. Er stammt ohnehin aus einer Fußballer-Familie. Sein Vater Shigeno Hirooka war früßer Profi bei Gamba Osaka – als „Sechser“. Wie der Vater, so der Sohn – obwohl Taiki überall im Mittelfeld eingesetzt werden kann. „Ich spiele da, wo ich gebraucht werde. Das ist okay. Und ich gebe immer mein Bestes“, sagt er.

Die Anfänge in Deutschland waren aber schwierig. Ein neues Land, eine neue Kultur, anderes Essen und die Anonymität der Großstadt Düsseldorf, in die er aufgrund einer dreimonatigen Verletzungspause in seinem ersten Jahr noch tiefer eintauchte. Allein in der Wohnung, kaum Kontakte. Aufgeben? Nein! Taiki Hirooka ist ein Kämpfer. Während der Verletzung lernte er fleißig deutsch: Fünfmal die Woche, vier Stunden pro Tag.

Über einen Berater kam Hirooka dann im Juli 2013 zum Regionalligisten BSV Rehden – und wurde dort sofort zum Publikumsliebling. Doch er konnte sich nie richtig durchsetzen, wurde auch immer wieder von kleineren Verletzungen zurückgeworfen. So ging er nach zwei Jahren zum Landesligisten TuS Sulingen – und ist dort seither ein ganz wichtiger Motor im Mittelfeld. „Wir haben eine tolle Mannschaft, Ziele, einen super Trainer.“ Und daher verschwendet Hirooka auch keinen Gedanken daran, den Verein zu verlassen: „Ich fühle mich einfach nur wohl hier.“

Zumal seit gut einem Jahr in Atsushi Waki ein zweiter Japaner in Sulingen spielt. Klar, dass Taiki dem Kumpel bei der Integration hilft. Er weiß schließlich, wie es ist, wenn man sich alleine durchboxen muss. „Atsushi ist noch nicht so lange in Deutschland, da helfte ich ihm, Deutsch zu lernen“, sagt Hirooka. Aber natürlich sprechen sie auch viel japanisch zusammen, pflegen ihre Kultur. Und heimatliches Essen gibt es auch manchmal. 

„Das macht aber dann besser Elli. Sie kann das besser“, lacht Hirooka, einer der Spaßvögel in der Mannschaft. Welchen Schabernack er in der Kabine treibt, verrät der 26-Jährige nicht. Trainer Schops weiß es nicht. „Ich bin nicht mehr in der Kabine“, schmunzelt der 40-Jährige: „Ich weiß nur: Taiki ist immer gut drauf, immer gut gelaunt.“ Es ist auch das Ergebnis einer in der Familie ausdiskutierten Tradition. Schön.

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