Das Ende des Traditionsclubs?

Entsetzen nach dem GAU: Brinkum verliert die Lizenz

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Der Schock über die Nachricht traf auch die Mannschaft des Brinkumer SV – hier Marcel Dörgeloh – mit voller Wucht.

Brinkum - Von Gerd Töbelmann. Eine Nachricht wie ein Erdbeben: Der Brinkumer SV erhält keine Zulassung für die Ende August beginnende Saison in der Fußball-Bremen-Liga. Das zu begreifen, fällt allen Beteiligten noch schwer. Brinkum ist nicht irgendein Team, sondern der amtierende Vizemeister und Landespokal-Finalist. „Ich bin den Tränen nahe“, meinte Manager Frank Kunzendorf gestern in einer ersten Stellungnahme.

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Grund der Bestrafung seitens des Spielausschusses des Bremer Fußball Verbandes (BFV): Brinkum hatte in der vergangenen Saison zwar die vorgeschriebene zweite Mannschaft am Start, die stellte mangels Masse aber kurz vor Saisonende den Spielbetrieb ein. Zudem hatten die Brinkumer eine geforderte Jugendmannschaft ebenfalls abgemeldet. Das wurde dem Verein nun zum Verhängnis. Kunzendorf startet einen Erklärungsversuch: „Wir hatten ein Altherren-Team gemeldet und dachten, dass das unter dem Begriff ,Herren-Team‘ reichen würde, um die Auflagen zu erfüllen.“

Ein fataler Irrglaube, denn BFV-Spielausschuss-Chef Heinz-Günther Schmidt, der die Brinkumer gestern Nachmittag um 14.15 Uhr offiziell telefonisch informierte, stellte klar: „Altherren-Teams können nicht auf das Kontingent der notwendigen Herrenteams angerechnet werden. Und da Brinkum seine zweite Mannschaft vor Ende der Saison abgemeldet hat, sind die Auflagen laut Spielordnung nicht erfüllt. Es tut mir für Brinkum zwar leid, aber die Spielordnung ist in diesem Punkt eindeutig. Dennoch kann Brinkum natürlich Rechtsmittel dagegen einlegen.“ Und das innerhalb von 14 Tagen.

Dabei wäre die Lösung doch so einfach gewesen: Hätte Brinkum die zweite Herren in den letzten Spielen mit Akteuren der Alten Herren aufgefüllt, wäre es nicht zu diesem GAU gekommen.

Kunzendorf jedenfalls ist bedient. Auch deshalb, weil die Information vom Verband erst gestern bei ihm eintraf: „Das ist doch ein Unding, dass man uns so spät informiert. Wir haben sogar schon das Meldegeld für die Bremen-Liga überwiesen. Zudem haben wir schon neue Spieler und einen neuen Trainer verpflichtet und hatten deshalb bereits Kosten.“

Jörg Bender will kämpfen

Die Verbands-Regularien sehen momentan vor, dass Brinkum in die Landesliga eingestuft wird, wo ein entsprechender Unterbau nicht nötig ist. Der Brinkumer Platz in der höchsten Bremer Liga würde dann an den SC Borgfeld gehen. „Momentan kann ich mir nicht vorstellen, dass diese starken Spieler bereit sind, nun in der Landesliga zu spielen“, sagte Kunzendorf gestern. Dass die Borgfelder eine Überprüfung vorangetrieben hätten, dementierte Schmidt: „Wir überprüfen vor einer Saison turnusgemäß alle Vereine der Bremen-Liga, ob sie die Voraussetzungen erfüllen.“

Der BSV hat nun zwei Wochen Zeit, um gegen die Entscheidung vorzugehen. Vorstandsmitglied und Co-Trainer Jörg Bender kündigte an, „bis zur letzten Instanz“ kämpfen zu wollen: „In mir steckt ganz viel Wut!“

Kunzendorf gab sich etwas defensiver: „Wir werden erst einmal die Mannschaft fragen, ob wir das durchziehen sollen. Wenn ja, müssten die Spieler natürlich auch erst einmal von einem Vereinswechsel Abstand nehmen.“ Am späten Abend gab es das Gespräch mit Spielern und Trainer Kristian Arambasic.

Sollte Brinkum Rechtsmittel einlegen, würde dies weitere Fragen aufwerfen. Heute steigt die Auslosung für die erste Runde des Landespokals. Ist Brinkum dann im Topf? Dazu Heinz-Günther Schmidt: „Das wird wohl so sein. Sollte Brinkum nicht starten, wäre der Gegner eben eine Runde weiter.“

Und was ist mit dem derzeit in Ristedt laufenden „Württemberg-Cup“, wo der BSV am Freitag im Finale steht? „Egal, welche Entscheidung wir treffen: Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir da auf alle Fälle antreten“, sagte Kunzendorf.

Stellungnahme des BFV

Die Stellungnahme des Bremer Fußball-Verbandes im Wortlaut:

Der Verein Brinkumer SV erhält für die Spielzeit 2015/2016 keine Zulassung zur Bremen-Liga und wird in die Landesliga Bremen zurückgestuft. Dies ergab die Zulassungsprüfung, die der Verbandsspielausschuss durchgeführt hat. Der Verein hat die erforderlichen Voraussetzungen für die Zulassung zur Bremen-Liga nicht erfüllt.

In § 6, Absatz 2 a und b der Spielordnung des Bremer Fußball-Verbandes heißt es unter anderem, dass Vereine, die eine Herrenmannschaft zur Teilnahme am Pflichtspielbetrieb der Bremen-Liga melden, nur dann zugelassen werden können, wenn sie mindestens mit einer weiteren Herrenmannschaft und einer Juniorenmannschaft in einer Altersklasse von den A - bis C- Junioren im gesamten abgelaufenen und neuen Spieljahr teilgenommen haben und teilnehmen werden.

Im abgelaufenen Spieljahr hat der Brinkumer SV diese Voraussetzung nicht erfüllt, da er im Winter seine B-Juniorenmannschaft nicht wieder gemeldet hat und die zweite Herrenmannschaft, nachdem sie drei Mal nicht zu einem Spiel angetreten war, vom Spielbetrieb gestrichen werden musste. Die Saison 2014/ 2015 wurde somit nur mit der 1. Herrenmannschaft und einer Jugendmannschaft in den entsprechenden Altersgruppen zu Ende geführt.

Eine Zulassung zur Bremen-Liga für das Spieljahr 2015/2016 kann somit nicht erteilt werden. Dies wurde dem Verein per Verwaltungsentscheid mitgeteilt. Gegen diesen hat der Verein noch eine Einspruchsfrist von vierzehn Tagen. Bis dahin ist der Entscheid noch nicht rechtskräftig.

Im Falle einer Zurückstufung würde der frei werdende Startplatz in der Bremen-Liga an den nächsten aufstiegsberechtigten Verein der Landesliga Bremen gehen. Dies wäre der Tabellendritte der abgelaufenen Saison, der SC Borgfeld. Weitere Spielklassen sind von der Zurückstufung nicht betroffen.

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