Im Abstiegskampf sind Eitelkeiten besonders tabu: Dafür steht Sulingens Torwart Tobias Plümer

Die Wir-AG

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Ein Teamplayer par excellence: Tobias Plümer, Torhüter beim FC Sulingen.

Sulingen - Von Daniel Wiechert. Torhüter sind bekanntlich die Ich-AGs jeder Fußball-Mannschaft. Gemeinhin werden sie als Einzelgänger und Eigenbrödler betitelt – ja gar ein Hang zur Egomanie wird ihnen oft nachgesagt. Tobias Plümer tritt den Gegenbeweis an. Der Keeper des FC Sulingen hielt am Sonntag mit etlichen Glanztaten die Null gegen die SG Hoya fest, das 0:0 – ein Punktgewinn im Abstiegskampf – will er sich aber nicht ans Revers heften. „Wir haben als Team insgesamt gut in der Defensive gestanden“, betont der 30-Jährige lieber.

Stefan Rosenthal ist nicht so zurückhaltend. „Tobi war überragend“, sagt der FC-Spielertrainer: „Er hat uns mit seiner Stärke im Eins-gegen-Eins im Spiel gehalten.“ Allein SG-Stürmer Lars Mrowczynski tauchte einige Male allein vor Plümer auf, scheiterte aber jedes Mal. Für Rosenthal liegt der Grund für Plümers Stärke auf der Hand: „Er braucht sich in diesen Situationen gar nicht extra breit zu machen – er ist einfach breit.“

Stimmt: Allein wegen seiner 1,99 Meter wirkt der Keeper ziemlich hünenhaft. Doch wenn der Angreifer mit Karacho angerauscht kommt, kommt es auch auf andere Sachen an. „Lange stehen bleiben, damit der Stürmer möglichst lange überlegen muss“, erklärt Plümer.

Hört sich banal an, trifft es aber. Überhaupt: Der 30-Jährige beherrscht den Umgang mit der Sprache. Das weiß auch sein Trainer Rosenthal zu schätzen. Plümer habe eine „Riesen-Kommunikation“. Zum einen hilfreich, um die Abwehrkette zu organisieren. Zum anderen hilfreich, um abseits des Platzes für die gerade im Abstiegskampf nötige Lockerheit zu sorgen.

Und diese findet sich derzeit im Sulinger Lager. „Die Stimmung ist wirklich bombastisch“, betont der Torhüter des Drittletzten: „Unsere letzten Auftritte haben einfach Mut gemacht. Jemand, der nicht die Tabelle kennt und uns zuschaut, würde bestimmt nicht auf die Idee kommen, dass wir gegen den Abstieg spielen.“ Jeder im Club wisse um die heikle Lage – Schwarzmalerei bringt aber niemanden voran, sagt Plümer: „Ich bin jemand, der lieber positiv pusht.“ Hört sich an wie ein Kapitel aus einem Motivations-Ratgeber à la „Betone die Stärken“, ist bei ihm aber glaubhaft.

Das zeigt auch der Umstand, wie er mit seiner Situation beim FC Sulingen umgeht. Seit Jahren gibt es hier keine klare Nummer eins, er und Patrick Kühn wechseln sich ab. Sie stehen sinnbildlich für die Sulinger Wir-AG. Eine „freundschaftliche Konkurrenzsituation“ sei es, betont Plümer: „Gerade in unser jetzigen Lage muss man eigene Eitelkeiten hintanstellen.“

Das gelingt beiden in Perfektion, wie auch Rosenthal betont: „Die Situation im Tor ist die kleinste Sorge, die ich habe. Ich weiß einfach, dass ich mich auf beide zu 100 Prozent verlassen kann.“ Dass das Torhüter-Wechsel-Spiel derart gut funktioniert, hat auch mit dem Coach selbst zu tun, wie Plümer klarstellt: „Man weiß, dass der Trainer einem vertraut – auch ohne das regelmäßige Spielpraxis. Das macht Stefan Rosenthal wirklich überragend.“

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