Elfmeter „verschenkt“, weil dieser keiner war

Spöter und Häger für Fairplay ausgezeichnet

Von links sind zu sehen: Heinz Dumke (NFV-Kreis Diepholz) und Heinz-Dieter Ebeling (NFV-Jugendausschuss) überreichten Ronja Spöter und Lars Häger eine Auszeichnung für faires Verhalten. Auch der Vorsitzende des TSV Barrien, Gerd Mey, gratulierte. - Foto: bt

Barrien - „Dein sportliches Verhalten ist nicht hoch genug zu bewerten“, lobte Gerd Mey, der Vorsitzende des TSV Barrien, die 18-jährige Ronja Spöter, die für ihr vorbildlich faires Verhalten vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit der Fair-Play-Medaille 2015/16 ausgezeichnet wurde.

Sie hatte in einem Fußball-Punktspiel gegen den TSV Weyhe-Lahausen beim Stande von 1:1 einen Strafstoß absichtlich in die Arme der Torhüterin geschoben. Der Schiedsrichter hatte diesen Elfmeter für ein angeblich an ihr verübtes Foul verhängt, obgleich sie ihm signalisiert hatte, dass es kein Foul war. Da der Schiedsrichter trotzdem bei seiner Entscheidung geblieben war, verschenkte sie den Strafstoß. Weil sie damit angeblich die Autorität des Schiedsrichters in Frage gestellt hatte, zeigte er ihr sogar noch die Gelbe Karte.

Diese Haltung von Ronja Spöter ist um so höher zu bewerten, weil es in dem fraglichen Spiel um die Tabellenführung in der Juniorinnen-Kreisliga ging. Anerkennung verdienten sich auch die Mitspielerinnen und ihr Trainer Lars Häger, die ihrem „Wirbelwind im Mittelfeld“ keine Vorwürfe machten. Nach Spielende bedankten sich selbst die Lahauser Fans bei der Barrier Spielerin.

Ronja Spöter spielt seit 14 Jahren im TSV Barrien Fußball und wurde als C-Juniorin auch schon in die Kreisauswahl berufen. „Sie ist unsere Spielgestalterin“, lobt ihr Trainer Lars Häger seine Spielerin. Er hatte ihr Verhalten dem Fair-Play-Beauftragten im NFV-Jugendausschuss, Heinz-Dieter Ebeling, mitgeteilt, der Ronja Spöter am Sonnabend gemeinsam mit Heinz Dumke den Preis überreichte. Ebeling gratulierte der Gewinnerin und hob hervor, dass diese Ehrung zeigt, dass der DFB auch an die so genannten „kleinen Vereine“ denkt. Er überreichte Ronja Spöter und ihrem Trainer Lars Häger eine Einladung zur Ehrungsveranstaltung „Club 100 & Verleihung der Fair-Play-Medaille“ im Rahmen des Fußball-Länderspieles Deutschland - Tschechien am 8. Oktober in Hamburg.

Was Ronja Spöter gemacht habe, sei nicht selbstverständlich, meinte auch Heinz Dumke, „wir sind stolz auf dich!“ Er fügte hinzu, dass der Fair-Play-Gedanke im NFV-Kreis Diepholz noch weit verbreitet ist. Der Kreis habe sich in der abgelaufenen Saison 2015/16 als fairster Kreis im Niedersächsischen Fußball-Verband erwiesen.

Gut, dass es noch Sportlerinnen und Sportler gibt, die ihre persönlichen sportlichen Erfolge ehrlich und nicht um jeden Preis erringen wollen, die auch in „wichtigen“ Wettbewerben mit fairen Mitteln kämpfen. Dieser Gedanke gerät bei den ständigen Meldungen über Dopingvergehen, unglaublich hohe Ablösesummen für Fußballspieler und den Bruch geschlossener Verträge leider zu oft in den Hintergrund. Fouls der eigenen Spieler werden bejubelt, gegnerische Fans werden verprügelt und Schiedsrichter angegriffen. Moralische Bedenken dagegen dürfen nur Idealisten, Träumer oder „Spinner“ äußern, die den Sport tatsächlich noch für die herrlichste Nebensache der Welt halten.

Gut, dass der DFB, dessen Führungsriege selbst sehr fahrlässig mit dem Begriff des „Fair Play“ umgeht, mit der Verleihung der Fair Play-Medaille dem ehrlichen Sport wenigstens einen Türspalt geöffnet hat.

Zu hoffen ist nur, dass sich bei den vielen Fußballspielen im Jugendbereich und in den Spielklassen von der Kreisklasse bis in die Ligen an jedem Wochenende zahlreiche Vorkommnisse ereignen, in denen sich der Fair-Play-Gedanke beweist. Schön wäre es, wenn diese Fälle nur deshalb nicht den Weg in die Spielberichte und Schlagzeile finden, weil sie alltäglich und normal sind. Man wird davon doch noch mal träumen dürfen. 

bt

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