War der sechste Sieg beim Bremer Marathon der letzte? / „Kronprinz“ Kohlwes Vierter

Sebrantke und das halbe Dutzend

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Schnelles Trio: Sebastian Kohlwes, Mario Lawendel und Oliver Sebrantke (von links) bescherten dem LC Hansa Stuhr den Team-Titel im Rahmen der Landesmeisterschaft. 

Bremen - Von Malte Rehnert. Nach getaner Arbeit vollführte er erst mal genüsslich sein Show-Programm – natürlich. Das gehört immer dazu bei Oliver Sebrantke (40). Er stieß einen Jubelschrei aus, ballte die Faust, klatschte die Zuschauer ab und stimmte seine „Humba“ an. Aber dann kümmerte sich der nun sechsfache Gewinner des Bremer Marathons, der am Sonntag auf dem Marktplatz in 2:32,14 Stunden gefinished hatte, um Sebastian Kohlwes (27). Seinem Teamkollege vom LC Hansa Stuhr war im Vorfeld zugetraut worden, den Seriensieger richtig zu ärgern. Aber das schaffte er nicht. Kohlwes wurde in 2:39,17 Stunden Vierter, war im Ziel stehend k.o. und musste von Sebrantke gestützt werden.

Die Sechs des Seriensiegers: Oliver Sebrantke feierte im Ziel – und zeigte stolz, wie oft er den Bremer Marathon jetzt gewonnen hat. - Foto: nordphoto

Etwa eine halbe Minute lagen sich die beiden Stuhrer in den Armen. „Er war ziemlich fertig, konnte nicht mehr stehen. Aber das ist normal. Sebastian ist super gelaufen“, lobte Sebrantke. Weil auch Mario Lawendel ein exzellentes Rennen über die 42,195 Kilometer hinlegte und in 2:45:16 Siebter wurde, sicherte sich der LC Hansa überlegen den Mannschafts-Landesmeistertitel. „Wir Drei insgesamt unter neun Stunden. Das ist ein überragendes Teamergebnis“, schwärmte Sebrantke.

Er selbst war in Bremen mal wieder der Schnellste von allen gewesen. Sebrantke – diesmal im ganz schwarzen Läufer-Outfit, mit blauen Schuhen und weißer Schirmmütze – holte seinen vierten Sieg hintereinander und machte insgesamt das halbe Dutzend voll. „Dieser Erfolg ist genauso schön wie die anderen davor“, meinte der 40-Jährige.

Sebrantke war recht vorsichtig gestartet und nicht gleich vorneweg gelaufen. „Ich habe mich ein bisschen versteckt, das war meine Taktik“, sagte er. Dennoch war er Teil der Fünfergruppe, die sich recht schnell gebildet hatte und die etwa bis Kilometer 25 zusammenblieb. Nach 30 Kilometern verschärfte Sebrantke dann das Tempo. So richtig abschütteln konnte er seinen ärgsten Verfolger Jan Kaschura (RunArtis Holzminden) allerdings nicht. Der letztlich Zweitplatzierte (2:32:45) hatte den Führenden die meiste Zeit in Sichtweite, kurz vor Schluss im Weserstadion sogar nur zwölf Sekunden Rückstand. „Es war diesmal enger, als ich es hier schon erlebt habe. Der Vorsprung war nicht so komfortabel“, sagte Sebrantke, der bis zum Ende vollkonzentriert durchziehen musste und sich schließlich doch noch ein bisschen mehr Luft (31 Sekunden) verschaffte.

Mit seiner Siegerzeit, die deutlich besser war als im Vorjahr (2:35:26), war er dann nicht ganz zufrieden: „Ich wollte eigentlich die 2:30 knacken, aber dafür haben wir auf der ersten Hälfte des Rennens zu sehr gebummelt. Da war das nicht mehr möglich.“ Sei’s drum. Als er die Zielgerade auf der Obernstraße hinter sich gelassen und wieder als Erster das rote Band durchbrochen hatte, war das nicht mehr so wichtig: „Ich bin hier zum elften Mal dabei. Es ist am Ende jedes Mal fantastisch. Bremen gehört zu meinen Saisonhöhepunkten. Und wenn man dann auch noch gewinnt, ist alles super. Darauf habe ich hingearbeitet, davon habe ich wochenlang geträumt.“

Wie immer gönnte sich Sebrantke anschließend an der Schlachte ein großes Bierchen – und wird dabei sicher auch schon ein bisschen an die Zukunft gedacht haben. Denn vielleicht war der sechste auch sein letzter Sieg in Bremen. „Bin ich nicht langsam zu alt für den Kram?“, fragte er mit einem Schmunzeln: „Diese Gedanken habe ich oft im Kopf. Es gibt ja auch noch so viele andere schöne Sachen.“ 2017 wird er in Bremen zwar wieder antreten, „aber ob ich dann wieder um den Sieg mitlaufen kann, weiß ich nicht“. Das liegt auch daran, dass der Stuhrer in der neuen Saison andere Prioritäten setzt – zumindest zu Beginn. Er fokussiert sich auf den Triathlon und bereitet sich auf die Premiere des „Ironman“ in Hamburg vor. Dort will er im August 2017 erstmals die lange Distanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren plus ein Marathon zum Abschluss) in Angriff nehmen. Entsprechend muss er sein Training verändern und mehr Zeit im Wasser und auf dem Rad verbringen.

Einen passenden Nachfolger als Bremen-Sieger hat Sebrantke aber schon im Auge: Sebastian Kohlwes. „Ich habe in der Kreiszeitung gelesen, dass er schon so etwas wie mein Kronprinz ist. Das kann man absolut so sagen. Und was gibt es Schöneres, als wenn hier im kommenden Jahr wieder ein Stuhrer gewinnt?“

Kohlwes hätte sicher nichts dagegen. Am Sonntag war er aber erst mal zu platt, um über mögliche Großtaten nachzudenken. Wegen einer Sprunggelenksverletzung im Sommer hatte er zweieinhalb Monate mit dem Training aussetzen müssen. „Und deshalb wusste ich nicht so genau, wo ich stehe“, meinte der 27-Jährige. Er habe vorher „mit einer guten Zeit geliebäugelt“ und die dann auch erreicht: „Ich wollte unter 2:40 Stunden schaffen und Landesmeister in meiner Altersklasse werden. Beides hat geklappt, alles ist gut.“ Dass es am Ende nicht ganz fürs Treppchen reichte, nahm Kohlwes sportlich: „Es war heute richtig hart für mich. Und die anderen waren eben stärker, das muss man akzeptieren.“

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