Kreis-Diepholz - Von Arne FlüggeREHEN · Die stille Hoffnung von Rehdens Präsident Friedrich Schilling, dass doch noch ein Mann mit dem Geldkoffer an die Türen von Kickers Emden und Eintracht Nordhorn klopft, um die Pleite in letzter Sekunde abzuwenden, hat sich endgültig zerschlagen. Gegen beide Vereine wurde jetzt ein Insolvenzverfahren eröffnet – mit nicht unerheblichen Folgen für die Fußball-Oberliga Niedersachsen und damit auch für den BSV Rehden.
Dass Emden und Nordhorn als erste Absteiger feststehen, ist bitter für die Vereine, berührt Rehden in erster Linie aber nicht, da die Mannschaft von Trainer Jürgen Stoffregen nicht gegen den Abstieg, sondern um den Aufstieg in die Regionalliga spielt. Da aber sämtliche Spiele gegen Nordhorn und Emden aus der Wertung genommen werden, Rehden mit 6:0 und 4:0 triumphiert hatte, kommt’s jetzt knüppeldick: Dem hiesigen Oberligisten werden sechs Punkte und die zehn Plustore abgezogen. Eine „heftige Konsequenz“ der Insolvenz-Affäre, wie BSV-Boss Schilling findet. Klar, dass er seufzt: „Wir gehören zu den Vereinen, die am härtesten betroffen sind.“
Um so glücklicher war der 60-Jährige über den 1:0-Sieg im Nachholspiel bei Göttingen 05 („Das war immens wichtig“), mit dem der BSV Rehden wieder auf Platz fünf kletterte und am VfB Oldenburg vorbeizog. Der war, begünstigt durch die neue Wertung der Liga, von acht auf fünf gesprungen. „Wir sind wieder dran, trotz der Punktabzüge“, jubelt Schilling. Schließlich hat Rehden noch ein weiteres Nachholspiel in Heeslingen zu absolvieren. Und da der VfL Osnabrück II als derzeit Vierter nicht in die Regionalliga aufsteigen darf,
Rehdens Lust hält
sich in Grenzen
Offiziell wurde die Oberliga-Tabelle gestern Nachmittag begradigt, nachdem auch der Gerichtsbeschluss im Insolvenzverfahren von Nordhorn beim NFV-Spielausschussvorsitzenden Jürgen Stebani (61) eingegangen war. Im Fall Emden war das am Montag geschehen.
Doch als ob das ganze Theater um die Pleiten und Punktabzüge nicht schon genug Unruhe und Ärger verbreitet hätte – eine besondere, völlig überalterte Regelung des NFV setzt dem Ganzen noch die Krone auf: Emden und Nordhorn müssen die Saison fortsetzen, um einen Neuanfang in der Landesliga und nicht der 1. Kreisklasse starten zu können. Die Spiele fließen aber nicht in die Wertung ein. Im Klartext heißt das: Daddelspiele um die goldene Ananas – ohne Sinn, Verstand und Wert. Emden und Nordhorn haben bereits angekündigt, eventuell mit gemischten Reserve- und Fanmannschaften anzutreten, besseren Thekenteams also, was auch das Verletzungsrisiko der Gegner erhöhen kann. Die Oberliga verkommt somit zur Lachnummer. Lediglich das direkte Duell zwischen Emden und Nordhorn dürfte – pardon – einen gewissen Unterhaltungswert bekommen.
Nicht unerheblich sind die Kosten für die Clubs. Einerseits sind Emden und Nordhorn pleite, müssen aber trotzdem die Gelder für Fahrten beispielsweise nach Goslar oder Göttingen aufbringen. Auf der anderen Seite können sich auch die anderen Clubs etwas Besseres vorstellen, als mit einem teuer gecharterten Bus zu einem reinen Gurken-Gekicke zu fahren. „Durch diese Spielordnung ist der NFV aber in einer Zwickmühle, aus der er nicht rauskommt“, seufzt Rehdens Chef Schilling.
Im stillen Kämmerlein und hinter vorgehaltener Hand haben die Vereine daher eine Trotz-Strategie entwickelt, wie sie sich der lästigen Spiele um die goldene Ananas entziehen können: einfach nicht antreten gegen Emden und Nordhorn. Zweimal ist so eine Verweigerung in einer Saison laut Statuten erlaubt. Punktabzüge sind auch nicht zu befürchten, da die Spiele ohnehin in keine Wertung fließen. Und die Verbandsstrafe von maximal 250 Euro pro Nichtantreten dürfte weit unter den zu berappenden Reisekosten liegen.
Rehden steht am Freitag als erste Mannschaft vor diesem Problem. Das Stoffregen-Team muss um 19.30 Uhr in Nordhorn spielen. Und BSV-Boss Schilling hat dazu eine klare Meinung. „Es sieht so aus, dass wir nicht antreten. Das hat zum einen Kostengründe. Außerdem ist die Verletzungsgefahr bei dieser Witterung viel zu hoch, die Gefahr, in so einem Pflichtfreundschaftsspiel auch noch eine Rote Karte zu bekommen, ist auch da. Das macht alles keinen Sinn. Wir müssen diese Risiken ausschalten, auch wenn ich die sportliche Meinung unseres Trainers, der am liebsten immer spielen möchte, akzeptiere“, erklärte der BSV-Macher.
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