Stuhr - Von Carsten DrösemeyerWohl selten tat ein Abstieg einem Fußball-Team derart gut wie der Stuhrer Bezirksliga-Abstieg aus der Saison 2008/2009. Die aus allen Herren Ländern zusammen gewürfelte „Multi-Kulti-Truppe“ fiel damals eher durch Undiszipliniertheiten als etwa technische Feinheiten auf. Die Folge war der sang- und klanglose Absturz in die Kreisliga. Davon ist jetzt keine Rede mehr.
Dieses eigentliche Unglück entpuppte sich im Nachhinein als regelrechter Glücksfall für den TVS. Durch zahlreiche Abgänge blieb den Stuhrern praktisch gar nichts anderes übrig, als auf die eigene Jugend zu setzen. Derart zum Glück gezwungen, ließen die Erfolge auch nicht lange auf sich warten.
Zwar benötigten die Youngster eine Serie, um sich an die raue Luft im Erwachsenen-Bereich zu gewöhnen, aber im zweiten Jahr startete die Stuhrer Rasselbande richtig durch. Von Beginn an gefiel das Kreisteam durch erfrischenden Angriffsfußball und mischte schnell im oberen Drittel mit. Trotzdem stellte der Aufstieg für Trainer Christian Meyer eine „große Überraschung“ dar. „Wir hatten aber gerade am Ende der Saison einen richtigen Lauf – es passte alles.“
Es passte sogar derart gut, dass Stuhr Vilsen den zweiten Platz noch vor der Nase wegschnappte und damit in den erlauchten Kreis der Bezirksligisten zurückkehrt.
Auch seinem vierten Neuzugang stellt Meyer ein glänzendes Zeugnis aus: „Mit Jan-Hendrik Gronewold erhöhen wir den Konkurrenzkampf auf der Torhüterposition. Er passt genau in unser Schema. Jan-Hendrik ist 19 und bei Werder professionell ausgebildet worden. Auch wenn ihm dort in der dritten Mannschaft nicht der Durchbruch geglückt ist, halte ich große Stücke auf ihn. Das wird ein spannender Zweikampf mit Benjamin Skupin.“
Überhaupt scheint der TVS gerade in der Defensive gut gerüstet für die Bezirksliga zu sein. Mit Jannik True, Jendrik Wetjen, Tobias Peters und Jannis Böttcher verfügt das Kreisteam über eine eingespielte Viererkette, die Bezirksliga-Maßstäben genügen sollte. Weitere Stuhrer Aktivposten: Auf der Sechs räumt Adrian Herrmann gekonnt ab, und im Stuhr glänzt Sebastian Dreyer. Kaum zu glauben, aber wahr. Mit gerade einmal 26 Jahren ist Dreyer der „Team-Opa“.
Trotzdem hat Meyer keine Angst, dass sich seine „Frischlinge“ als zu grün für die Bezirksliga erweisen könnten: „Klar werden bei meiner jungen Truppe Leistungsschwankungen auftreten. Wir sind uns auch bewusst, dass wir mehr Spiele verlieren werden als in der Kreisliga. Aber insgesamt sehe ich genügend Potenzial für den Klassenerhalt.“
Sicherlich keine zu gewagte Prognose. Sollten die „jungen Wilden“ des TVS schnell den Respekt vor der höheren Spielklasse ablegen, dann könnte Stuhr durchaus zur positiven Saisonüberraschung avancieren. Zumindest der Klassenverbleib dürfte keine unüberwindbare Hürde darstellen.
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