Kreis-Diepholz - Von Cord KrügerREHDEN · Wer eine so sattelfeste Abwehr hinter sich hat, darf sich auch beruhigt nach vorn wagen – und es dort regelmäßig krachen lassen: Die bisher 31 Treffer des BSV Rehden in der Fußball-Oberliga gehen auch aufs Konto der Defensive, die selbst nur vier Gegentore zuließ. In dieser Viererkette findet sich seit Saisonbeginn – und auch am Sonntag ab 15 Uhr im Auswärtsspiel beim SV Holthausen-Biene – Thorsten Tönnies wieder. Der Neuzugang von Werder Bremens U 23 agiert hier zwar nicht mehr rechts, sondern meist links, aber das macht dem 20-Jährigen nichts aus: „Ich fühle mich wohl, weil ich gut aufgenommen wurde – und es sportlich super läuft.“
Damit spielt der einstige U 18- und U 19-Nationalspieler nicht nur auf die momentane Tabellenführung an, sondern auch auf seine persönliche Quote: Tönnies traf schon viermal selbst – jeweils mit anschließendem Jubel-Salto. „Wenn ich ein Tor schieße, muss die Freude einfach raus“, begründet Tönnies seine Akrobatik-Einlage. Glücksgefühle, die der Lohner in dieser Masse lange nicht mehr genießen durfte: „In Werders B-Jugend hatte ich acht Tore, in den beiden A-Jugend-Jahren je eins.“ Jetzt dürfen die Rehdener Fans seine Salti bestaunen, während Trainer Jürgen Stoffregen der Atem stockt. „Nein, verbieten werde ich Thorsten diese Einlagen nicht. Aber ich habe ihn gewarnt: Wenn er sich dabei verletzten sollte, gibt's Haue.“ Zu wichtig ist ihm dieser „aufgeschlossene Junge“: „Gut, dass wir ihn noch verpflichtet haben. Er hat bei Werder eine hervorragende Ausbildung genossen, aber dort zuletzt leider nicht oft gespielt. Dafür macht er seine Sache bei uns sehr gut. Ich hoffe, dass er diese Konstanz weiter zeigt.“
Die nächste Gelegenheit dazu hat der Blondschopf am Sonntag im Emsland beim starken Aufsteiger. „Für unser jüngstes 9:0 gegen Bückeburg können wir uns nichts mehr kaufen – das wird ein ganz anderes Spiel“, weiß Stoffregen. Denn er schätzt die Arbeit seines Trainerkollegen Alfons Weusthof, den er noch aus aktiven Amateur-Oberliga-Zeiten beim TSV Havelse als Gegenspieler vom SV Meppen kennt. Und er weiß
Auswärts mehr
um die Gefahr, die vom sechsfachen Torschützen Sascha Wald ausgeht. Aber der 54-Jährige sagt: „Wir müssen auswärts mehr Effektivität aus unserer Überlegenheit schlagen.“ Beim 0:0 in Lüneburg hatte er sich 70 Prozent Ballbesitz für die Schwarz-Weißen notiert, beim Sieg in Ottersberg „nur“ 50 Prozent. Nun dürfte ihm entgegenkommen, dass Biene sich nicht hinten reinstellt.
Personell hat der BSV-Coach wieder die Qual der Wahl: Die Achillessehnen-Probleme von Stammkeeper Rene Damerow schwinden, Offensivmann Florian Greve hat die Grippe überwunden und kam am Sonntag mit der Zweiten bei Bezirksliga-Primus FC Sulingen zu Spielanteilen. Auch Thorsten Tönnies erlebte jenes 1:2 hautnah auf dem Platz mit – und ärgerte sich über die Last-Minute-Niederlage wie über jede andere Schlappe. „Ob Erste oder Zweite, ist mir egal. Ich spiele gern und helfe, wo ich kann.“
Für den nächsten Oberliga-Auftritt fordert er Konsequenz von Anfang an: „Auswärts ist das bei uns anscheinend zu sehr Kopfsache. Wir müssen einfach unsere Schnelligkeit ausspielen und zu einem frühen Tor kommen.“ Vielleicht trifft er ja sogar selbst – wie zuletzt gegen Bückeburg. Stoffregen wär's recht, „und von mir aus kann er auch einen Doppel-Salto machen. Aber wehe, er verletzt sich dabei!“
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