Stuhr - Von Arne HelmsAls die Nacht am Sonntag über das Vereinsgelände des TV Stuhr hereinbrach, suchte Christian Meyer das Weite. „Mein Chef ist im Urlaub. Ich musste arbeiten“, erklärte der Erfolgscoach des Fußball-Kreisligisten gestern. Für viele seiner Spieler, die durch das 8:2 in Eydelstedt Rang zwei und den Aufstieg in die Bezirksliga perfekt gemacht hatten, galt das nicht.

Stuhrs pitschnasser Erfolgstrainer Christian Meyer . . .
Angeführt von Kapitän Janik Troue zogen die rot-weißen Feierbiester weiter zu Gerrit und Lennart Bischoff, wo die Nimmermüden samt Ohrwurm („So ein Tag, so wunderschön wie heute“) bis zwei Uhr in der Früh auf der Terrasse saßen. Der ursprüngliche Plan, auch noch das eine oder andere Kellergewölbe in Bremen unsicher zu machen, wurde verworfen, weil die Stuhrer Youngster schlicht und ergreifend schlecht vorbereitet waren. „Nach den ganzen Bierduschen hatten wir keine entsprechenden Ersatzklamotten mehr dabei“, sagte Troue.
Der 21-Jährige selbst weilte gestern Morgen schon wieder in der Schule und war am Nachmittag gesprächsbereit. Die Stimme spielte mit. Die paar Stunden Schlaf hatten ihren Zweck erfüllt. „Ich habe die Zeitung aufgeschlagen und geguckt, welche Gegner in der nächsten Saison auf uns warten“, verriet Troue, wohin ihn seine Beine nach dem Aufstehen als erstes getragen hatten. Der junge Anführer macht sich schon jetzt Gedanken darüber, wie der TV Stuhr sein Image auf Bezirksebene wieder aufpolieren kann.
Mit zwölf Punkten aus 30 Spielen, einem desaströsen Torverhältnis von 32:102 Toren und einem peinlichen Nichtantritt zum Saisonfinale (Trainer Holger Zander hatte keine elf Akteure auf den Platz bekommen) waren die Stuhrer vor 24 Monaten sang- und klanglos in die Kreisliga abgestiegen. Janik Troue, damals noch ein A-Junior, half in der Rückrunde immer mal wieder aus, kann sich an die ominösen Umstände aber „kaum noch erinnern“.
Als es gegen den SC Twistringen am 10. April eine 1:3-Heimniederlage setzte, hatte der TV Stuhr den Aufstieg im Grunde auch schon abgehakt. Der SV Bruchhausen-Vilsen war mit sechs Punkten enteilt. „Der Druck für uns war weg. Das war die Kehrtwende“, meint Meyer heute. Mit den drei A-Junioren Torben Drawert, Riccardo Azzarello und Timo Lemcke „konnten wir immer wieder Leute nachschieben, während unsere Konkurrenten Probleme hatten“, freut sich Meyer über den regen Zuwachs für die Mannschaft, die ihr neues Glück in der Bezirksliga mit der Empfehlung von 110 Toren sucht.
„Klar“, sagt Meyer, „es werden andere Spiele auf uns zukommen. Wir müssen ein Stück weg vom Hurra-Fußball, ohne uns unserer Stärken zu berauben. Aber plötzlich nur noch defensiv zu spielen – das wäre das Verkehrteste, was wir machen könnten.“
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