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Sulingen im Derby-Fieber und die Frage: Wer ist die Nummer eins? / „Das wird ein Spektakel“

Es kann nur einen geben

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Sulingen - Von Arne FlüggeSulingen, Lindenstraße, Gasthaus „Zum Schwarzen Ross“. Es ist fünf Uhr nachmittags. Im Clubraum liefern sich Walter Brinkmann und Dirk Meyer einen Infight beim „Tipp Kick“. Doch das Spielchen der Trainer der beiden Fußball-Bezirksligisten TuS Sulingen und FC Sulingen ist nicht der eigentliche Grund für das Treffen bei „Ute“ auf quasi neutralem Boden. Es ist Derby-Zeit in der Stadt. Morgen (14.00 Uhr) empfängt der TuS im Bürgerpark den Ortsrivalen zum Topspiel der Liga. Wie heiß beide Teams auf dieses Duell sind, warum jeder vom Sieg seiner Mannschaft überzeugt ist und ob der FC Sulingen nach dem Spiel zur jährlichen großen TuS-Party eingeladen wird, verraten Walter Brinkmann (49) und Dirk Meyer (34) im Interview.

Meine Herren, wie groß ist das Derby-Fieber?

Brinkmann (TuS-Coach):Es wächst und wächst. So ein Spiel ist immer etwas Besonderes. Da zählt nur der Sieg. Mein erstes Derby als Trainer habe ich mit 26 Jahren erlebt: Mörsen gegen Twistringen, 1 500 Zuschauer – das vergisst du dein Leben lang nicht. Ich kann nur jeden auffordern, am Samstag zu kommen. Er würde sonst etwas verpassen. Dieses Spiel wird ein Spektakel.

Meyer (FC-Coach): Das sehe ich auch so. Die Anspannung steigt auch bei uns, ganz klar. Die Spiele gegen den TuS sind das absolute Highlight. Die Jungs freuen sich, sind total heiß. Sogar die Trainingsbeteiligung steigt, denn jeder will unbedingt auf dem Platz stehen.

Gibt es innerhalb der Mannschaft überhaupt noch ein anderes Gesprächsthema?

Brinkmann:Der Fokus liegt ganz klar auf diesem Spiel.

Meyer: Seit der Rückfahrt aus Eilvese am Sonntag gibt es bei uns kein anderes Thema mehr. Die Jungs sollen sich jetzt aber etwas ablenken, um den Kopf freizubekommen, auch wenn’s schwer fällt. Denn am Samstag sind sie gefordert. Dann müssen sie 90 Minuten Vollgas geben. Das ist wichtig.

Wie groß ist die Bedeutung eines Sieges über den Rivalen für die Spieler?

Meyer:Sie ist riesig, denn es ist ganz, ganz wichtig für die Jungs, zu zeigen, wer hier in Sulingen die Nummer eins ist.

Und wer ist die Nummer eins?

Brinkmann:Noch ist der FC die Nummer eins. Das ist so – noch. Denn es gibt Dinge, die sprechen dafür, dass der FC noch ein Stück weiter ist: Drucksituationen, die du als Fußballer erst lernen musst, erfahrene Spieler und mentale Stärke, die du erst durch Erfahrung gewinnst. Wir haben aber die Möglichkeit zu beweisen, dass auch wir Fußball spielen können. Wir haben sogar die Chance, in der Tabelle an ihnen vorbeizuziehen. Und das ist eine ganz besondere Motivation. Die Jungs wollen zeigen, dass wir nach so vielen Jahren endlich wieder eine ernsthafte Konkurrenz für den FC sind.

Heißt das, die Mannschaften pushen sich ständig unbewusst gegenseitig, weil keiner schlechter sein will als der andere?

Brinkmann:Ja, ich habe vor der Saison gehofft, dass wir uns so gegenseitig befruchten. Das ist eingetreten. Der FC spürt ständig unseren Atem – und umgekehrt. Das spornt unheimlich an.

Meyer: Da stimme ich Dir zu, Walter. Und ich muss sagen: Der TuS hat mittlerweile eine wirklich sehr starke und taktisch disziplinierte Mannschaft. Dennoch: Wir liegen noch einen Tick vorne. Der TuS hat aber in Torsten Neumann einen starken Mann im Hintergrund, der Gelder beschafft und Jobs besorgt. So eine Person haben wir nicht. Daher wird der TuS perspektivisch gesehen in den nächsten Jahren an uns vorbeimarschieren. Doch Samstag werden wir zeigen, dass es noch nicht so weit ist.

Die Rivalität zwischen den Sulinger Clubs ist seit Jahrzehnten groß – mal mehr, mal weniger intensiv. Wie würden Sie den Ist-Zustand beschreiben?

Meyer: Früher war alles viel extremer. Klar, jeder will gewinnen, es wird gefrotzelt, provoziert, und es gibt auch schon mal ‘nen Spruch. Aber das ist doch heute alles ganz human. Der gegenseitige Respekt ist da. Sicher, auf dem Platz wird’s heiß hergehen. Nach dem Spiel werden die Jungs aber wieder zusammen an der Theke stehen und ein Bierchen trinken.

Brinkmann: Und wenn wir gewinnen, seid Ihr herzlich eingeladen, am Abend mit uns auf die TuS-Party zu kommen . . . Aber im Ernst: Es ist heute wirklich anders als früher. Ich denke da an die Zwillingsbrüder Klare. Der eine, Niklas, spielt für uns, der andere, Felix, beim FC. Unter den Jungs beider Mannschaften bestehen Freundschaften. Natürlich gibt es auch Spieler, die auf Distanz gehen, die sagen: ,Ich bin ein Roter oder ich bin ein Grüner‘. Insgesamt aber herrscht eine gesunde Rivalität.

Legen Sie sich für dieses Spiel eine besondere Strategie zurecht?

Meyer:Es ist schwer, zu planen, weil ich nicht weiß, wer mir letztendlich zur Verfügung steht. Ich will jetzt aber nicht rumheulen. Wir haben eine starke Mannschaft. Wir kennen den TuS, seine Stärken und Schwächen. Und darauf werden wir reagieren. Und natürlich auf einige Spieler besonders achten. Ich werde jetzt aber nicht irgendeine verrückte Strategie ausgeben.

Brinkmann: Eine Strategie? Nein. Ich werde meinen Jungs das Selbstbewusstsein der letzten Wochen mit auf den Weg geben: Was sie als Aufsteiger bisher geleistet haben, was sie können, ihre individuelle Stärke. Es wird keine großen taktischen Vorgaben geben. Die Jungs sollen sich am Samstag frei entfalten und einfach zeigen, was sie drauf haben.

Meyer (lacht): Keine taktischen Vorgaben? Das kann ich mir von dir nicht vorstellen. Die große Stärke des TuS ist doch gerade die taktische Disziplin. Aber es wäre tatsächlich mal interessant: ein Spiel – rauf und runter – ohne Zwänge.

Haben die Vorstände eine besondere Siegprämie ausgelobt?

Brinkmann:Nein, das Spiel allein ist Motivation genug. So ein Derby zu gewinnen – das allein sind schon diese Momente, die man einfach genießt.

Meyer:Seit ich den Trainerposten inne habe, gab es so etwas bei uns noch nicht. Eigentlich schade, und es wäre doch mal schön, wenn am Samstag um 13.00 Uhr jemand zu uns in die Kabine kommt und uns ein Leckerli hinschmeißt.

Wird es am Abend vor dem Spiel einen Zapfenstreich für Ihre Spieler geben?

Meyer:Nein, die Jungs sind erwachsen genug. Da wird keiner auf die Idee kommen, vorher loszuziehen und über den Zappen zu hauen. Jeder will 100 Prozent auf dem Platz geben, denn wir wollen dieses Spiel unbedingt gewinnen.

Brinkmann: Die Mannschaft weiß, worum es geht. Jeder Spieler ist vernünftig genug, mit der Situation richtig umzugehen. Es ist doch immer so: Der eine geht zu früh ins Bett, der andere zu spät. Es ist wichtig, die richtige Balance zu finden. Und wenn du am nächsten Tag 90 Minuten Gas geben willst, spielt natürlich auch die Ernährung dabei eine wichtige Rolle.

Stichwort Ernährung: Für den Verlierer wird am Sonntagmorgen der Weg zum Bäcker zum Spießrutenlauf. Um das zu verhindern: Warum wird der TuS Sulingen gewinnen, Herr Brinkmann?

Brinkmann:Die Mannschaft hat viel zu gewinnen und nicht zu verschenken. Das weiß sie. Und deshalb werden wir 90 Minuten lang Tempofußball spielen und konzentriert sein. So ein Derby entscheiden die besonderen Momente. Gewinnst du vorne die entscheidenden Zweikämpfe? Machst du die Dinger rein? Kannst du hinten die brenzligen Situationen verhindern? Wir gewinnen dieses Spiel, weil wir diese genialen Momente und die entscheidenden Akzente haben werden.

Und warum gewinnt der FC Sulingen, Herr Meyer?

Meyer:Wenn jeder meiner Jungs abruft, was er kann, an seine Leistungsgrenze geht und den absoluten Willen der letzten Wochen zeigt, dann sind wir schwer zu schlagen. Ganz klar: Wir gewinnen, weil wir wieder unsere Geilheit aufs Siegen auf den Platz bringen werden.

Es fehlt (TuS Sulingen): Carsten Sudmann (Arm-OP).

Es fehlt (FC Sulingen): Alper Yildirim (Muskelbündelriss).

TuS Sulingen - FC Sulingen

Samstag, 14 Uhr

 

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