
Werder-Bremen - HAMBURG. Die drei Niederlagen hintereinander in Hamburg? Das peinliche 0:4 vor fast genau einem Jahr? Die beinahe schon chronische Schwäche auf fremden Plätzen? Seit gestern Nachmittag ist das alles raus aus den Köpfen! Im 96. Nordderby der Bundesliga triumphierte Werder Bremen beim Hamburger SV mit 3:1 (2:0) – es war ein mitreißendes Spiel und der erste Bremer Auswärtssieg seit dem 29. Oktober 2011.

„Das Stadion hier liegt uns irgendwie. Ich weiß auch nicht, warum“, meinte Werder-Keeper Tim Wiese und ergänzte: „Wir haben ein sehr gutes, ein tolles Spiel gemacht und verdient gewonnen.“ Für den diesmal eher unauffälligen Torjäger Claudio Pizarro war’s „das beste Spiel der Rückrunde“ und „ein sehr wichtiger Sieg“.
Vor 56 553 Zuschauern (rund 6 000 davon aus Bremen) in der nicht ganz ausverkauften Imtech Arena schossen Marko Marin (9.), Tom Trybull (45.) und der eingewechselte Marko Arnautovic (86.) den ersten Sieg in der Rückrunde nach zuvor vier Unentschieden heraus. Werder untermauerte damit seinen fünften Platz. Für den insgesamt enttäuschenden HSV hatte Mladen Petric das zwischenzeitliche 1:2 besorgt (75.).
Wenn Werder seine Konter noch etwas zielstrebiger abgeschlossen hätte, wäre das zweite Tor wohl schon eher gefallen. So dauerte es bis zur letzten Minute der ersten Halbzeit, ehe Marin und Trybull – wer denn auch sonst? – mit einer Co-Produktion für das 2:0 sorgten. Ecke Marin, Kopfball-Aufsetzer Trybull, Drobny langt übel daneben, Petric kann auf der eigenen Torlinie nicht mehr retten – und fertig war ein beinahe historisches Tor. Der 18-jährige Trybull ist nun nach Aaron Hunt der zweitjüngste Torschütze in Werders Bundesliga-Geschichte.
Das Bremer 2:0 war gleichzeitig der Schlusspunkt einer Halbzeit, die noch einen weiteren kleinen Aufreger hatte. Kurz vor dem Ausführen einer Ecke war Marin von einem aus dem HSV-Block geworfenen Plastikbecher an der Wade getroffen worden (42.). Marin ging kurz zu Boden – übertrieben. Damit brachte er natürlich die Hamburger Fans gegen sich auf – und die waren ohnehin schon schlecht gelaunt. Denn ihre Mannschaft tat sich gegen gut organisierte Bremer schwer. Paolo Guerrero war mit Abstand der gefährlichste Hamburger, vergab aber zwei dicke Chancen. Erst scheiterte er am glänzenden Wiese (12.), dann setzte er den Ball übers Tor (17.). Dazu noch ein zu hoher Distanzschuss von Petric (39.) – das war’s aus HSV-Sicht.
Nach dem Seitenwechsel nahm das Nordderby so richtig Fahrt auf. Erst parierte Wiese gegen Petric (48.), dann antwortete Werder mit einem Sahne-Spielzug über Philipp Bargfrede und Marin. Markus Rosenberg hätte mittig vor dem Tor das 3:0 machen müssen, schob aber links vorbei (49.). Dann wieder der HSV: Wiese hielt gegen Jacopo Sala und dann auch Petric’ Nachschuss, hatte allerdings Glück, als der eingewechselte Ivo Ilicevic den Pfosten traf (60.). Mit einem von Werder-Kapitän Clemens Fritz unhaltbar abgefälschten Freistoß aus 18 Metern gelang Petric der in dieser Phase verdiente Anschlusstreffer.
Werder wackelte kurz, fand dann aber die Ordnung wieder und setzte den entscheidenden Treffer – mit Keeper Wiese als Vorlagengeber! Nach seinem langen Abschlag rannten sich die HSV-Verteidiger Rajkovic und Heiko Westermann gegenseitig über den Haufen. Arnautovic war plötzlich völlig frei durch, schoss eiskalt das 3:1 und jubelte hinterher: „Hier in Hamburg zu gewinnen, bedeutet natürlich sehr, sehr viel. Das war einfach nur klasse, überragend. Wir können heute sehr stolz sein – auf uns und unsere Fans, die uns super angefeuert haben.“
So richtig feiern können die Bremer ihren befreienden Prestigesieg allerdings nicht. Trainer Schaaf kennt keine Gnade und bittet heute um 10 Uhr schon wieder zum Auslaufen . . .
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