
Während die meisten Werder-Profis nach dem enttäuschenden 2:2 in Freiburg ihren freien Tag genossen und nur kurz zur Körperpflege ins Weserstadion kamen, stand Thomas Schaaf gestern schon wieder auf dem Platz.

© Nordphoto
Es ist kalt in Bremen: Dick vermummt verfolgte Thomas Schaaf gestern das Training seiner Reservisten.
Training mit den Reservisten bei klirrender Kälte. Der Cheftrainer zieht sein Programm wie geplant durch und gerät nicht in Hektik, weil sein Team nicht mehr gewinnen kann. Großartige Veränderungen seien nicht geplant – weder beim Personal noch beim System, sagt Schaaf. Der 50-Jährige vertraut weiter der Mittelfeld-Raute, wenngleich er nach den drei Unentschieden in der Rückrunde gesteht: „Drei Punkte sind zu wenig.“
Aber die drei Punkte waren tatsächlich noch gut genug, um in dieser Bundesliga-Saison Rang fünf zu behaupten. Doch Vorsicht: Hannover schleicht sich ran, ist als Siebter nur noch zwei Zähler zurück. Die Bremer müssen schnell wieder das Siegen lernen.
Gegen Hoffenheim kehrt zwar der in Freiburg gesperrte Philipp Bargfrede (22) zurück, aber auch der „Sechser“ ist noch nicht zum Leader gereift. Die Raute braucht also dringend Entwicklungshilfe. Fritz wäre eine Lösung. Oder ein neues System mit zwei Sechsern, drei offensiven Mittelfeldspielern und nur noch einer Spitze. Doch da winkt Schaaf ab: „Ich glaube, dass die Mannschaft mit der Raute am besten klarkommt.“ Das sagt der Chefcoach schon seit Jahren. Und es wird ihm immer häufiger als Engstirnigkeit ausgelegt, nur auf dieses eine System zu setzen. Doch Schaaf wehrt sich: „Wir machen nix aus Sturheit oder Verbissenheit, sondern urteilen nach dem, was die Mannschaft anbietet. Es geht darum, effektiv zu sein. Mit nur einer Spitze, das haben wir schon oft gesehen, sind wir vorne nicht so präsent, wie es unser Spiel braucht.“
Mit der Präsenz an vorderster Front haperte es zuletzt allerdings auch mit der Doppelspitze. Das Problem: Werder kommt erst gar nicht so weit nach vorne. Denn bei aller Leidenschaft, Einsatz- und Laufbereitschaft – der Vorwärtsgang springt immer wieder raus und dadurch der Ball regelmäßig zum Gegner. Dabei beweisen die beiden fein rausgespielten Tore in Freiburg, dass Werder durchaus die Qualität hat, attraktiven und erfolgreichen Fußball zu spielen. „Wir schaffen das nur nicht konstant über einen längeren Zeitraum“, seufzt Schaaf: „Es fehlen Spieler, die diesen Schuss mehr Sicherheit und Erfahrung einbringen.“ Aber der Coach kann nicht warten, bis Naldo, Aaron Hunt oder Sebastian Prödl wieder fit sind: „Wir wissen, dass wir jetzt daran arbeiten müssen.“ Trotz der Offensivprobleme steht allerdings weiter die Defensive im Fokus. „Natürlich wollen wir Spektakelfußball anbieten. Aber um unser Spiel auf festere Beine zu stellen als in der Hinrunde, müssen wir im Defensivverhalten den Hebel ansetzen“, erklärt Schaaf. Spektakel ist für Samstag gegen Hoffenheim ohnehin ausgeschlossen, schließlich fehlt der Hauptdarsteller. Claudio Pizarro, der alle drei Bremer Treffer in diesem Jahr erzielte, ist nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt. „Dann müssen eben Markus, Marko und Niclas treffen“, fordert Pizarro seine Kollegen Rosenberg, Arnautovic und Füllkrug heraus. Schaaf sieht es genauso: „Das ist immer auch die Chance für einen anderen, sich zu beweisen.“ Eine Standardaussage, aber Schaaf ist eben ein Trainer, der gerne auf Bewährtes setzt. kni/csa
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