
Bremen - Umfrage bei Ex-Spielern: Wie stark ist der SV Werder wirklich, ist Platz fünf nur Zufall? Jonny Otten redet gleich Klartext. „Das war am Samstag gegen Hoffenheim Werders schlechteste Leistung in der Rückrunde – und das in einem Heimspiel“, seufzt der 51-Jährige, der 308 Bundesliga-Spiele für die Bremer bestritten hat:

Max Lorenz hat Platz fünf vor-ausgesagt und glaubt auch weiter daran. ·
„Der Truppe fehlt momentan der Spielwitz. Wenn du dann Gladbach siehst, tränen dir die Augen.“ Otten leidet, Günter Hermann und Max Lorenz geht‘s ähnlich. Aber die drei Ex-Werder-Spieler eint auch, dass sie ihren Club auf dem richtigen Weg wähnen und Geduld mit den Talenten fordern.
„Ich freue mich, dass Thomas Schaaf den jungen Spielern eine Chance gibt“, sagt Lorenz, mahnt aber sogleich: „Die brauchen noch Zeit, das ist doch normal.“ Zu hohe Erwartungen wären da schädlich, meint der 72-Jährige, der 251 Mal für Werder in der Eliteklasse gespielt hat: „Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass mehr als Platz fünf mit dieser Mannschaft nicht drin ist. Und wenn so erfahrene Leute wie Naldo und Pizarro fehlen, wird es ganz schwierig.“
So zu sehen gegen Hoffenheim. Aber auch zuvor in Freiburg, gegen Leverkusen und in Kaiserslautern war es nicht besser – und das mit Pizarro. Werder bietet im Jahr 2012 nur biedere Hausmannskost, dabei sind die Fans nach vielen Jahren in der Champions League mit erfolgreichem, aber eben auch sehr schönem Fußball zu Feinschmeckern geworden.
So sieht‘s auch Otten, merkt aber zugleich an: „Der Trainer muss auch das richtige Maß finden.“ Und nach Möglichkeit endlich einen Spielmacher. „Mehmet Ekici bringt es im Moment leider noch nicht“, meint Otten. Auch Lorenz sieht darin Werders Hauptproblem: „Der Ekici muss einfach mehr zeigen. Unserer Mannschaft fehlt einfach einer, der das Heft in die Hand nimmt, der Regie führt.“
So negativ blickt Hermann nicht zurück: „Werder hat in dieser Saison auch gute Spiele gemacht. Wir sollten jetzt nicht alles schlecht reden.“ Der Ex-Profi würde ein Platz unter den ersten Sechs und damit die Rückkehr ins internationale Geschäft als absoluten Achtungserfolg werten. „Wir dürfen die schlechte Vorsaison, die vielen Veränderungen im Sommer und Winter und das Verletzungspech nicht vergessen“, merkt Hermann an. Für Otten wäre „Platz fünf oder sechs total gut, aber dafür müssen wir jetzt wieder besser spielen“. Möglichst schon am Samstag im Nordderby beim Hamburger SV. „Das ist die Stunde der Wahrheit“, sagt Otten und fügt optimistisch an: „Aber der HSV liegt uns ja sehr gut.“ · kni
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