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Lukas Schmitz über seinen Ex-Club Schalke, sein erstes Halbjahr bei Werder und das Torjäger-Duell

„Pizarro wird die Nase vorn haben“

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Bremen - Von Malte Rehnert. Gestern Abend saß Lukas Schmitz vor dem Fernseher und schaute sich das Europa-League-Spiel seines ehemaligen Clubs FC Schalke 04 bei Maccabi Haifa an. „Mal sehen, wie die so drauf sind“, hatte der 23-Jährige vorher gesagt. Gestern spielte allerdings nur eine B-Elf der Königsblauen, das A-Team läuft erst am Samstag (18.30 Uhr) wieder auf.

Foto: nph

Lukas Schmitz im Werder-Trikot und im Vorwärtsgang: Der vom FC Schalke 04 gekommene Linksverteidiger hat sich gleich einen Stammplatz erkämpft, 13 von 16 Bundesliga-Spielen absolviert (drei Vorlagen, kein Tor). ·

Gegen Werder – und gegen Schmitz, der im 20 Kilometer von Gelsenkirchen entfernten Hattingen aufgewachsen ist und sich schon sehr auf die Rückkehr freut, wie im Interview schnell deutlich wird.

Ist Ihr altes Kinderzimmer in Hattingen schon hergerichtet worden?

Lukas Schmitz:(lacht) Nein. Es geht nach dem Spiel zwar zu meinen Eltern nach Hause, aber nicht ins Kinderzimmer. Meine Freundin ist auch dabei, wir ziehen dann in die kleine Gästewohnung.

Wie verbringen Sie die Winterpause, die am Samstagabend für die Werder-Profis beginnt?

Lukas Schmitz:Über die Feiertage bleibe ich erst mal zu Hause. Und zwischen den Jahren fahren wir noch ein bisschen weg, in die Berge. Auch wenn die Winterpausen immer kürzer werden: Es ist wichtig, dass man die Zeit nutzt – gerade die Spieler, die nicht mehr in ihrer Heimatstadt wohnen. Da kann man dann mal alle alten Freunde abklappern.

Vorher treffen Sie aber erst mal Ihre alten Schalker Teamkollegen.

Lukas Schmitz:Und ich denke, es wird ein schönes Wiedersehen, ich habe da ein paar gute Freundschaften geschlossen – und ich freue mich drauf, mich mit dem einen oder anderen nach dem Spiel noch zusammenzusetzen.

Zu wem ist der Kontakt am besten?

Lukas Schmitz: Das will ich gar nicht so genau sagen. ,Metze‘ (Christoph Metzelder, Anm. d. Red.) hat mir zum Beispiel ein paar Karten zurückgelegt. In den Tagen nach dem Spiel werde ich mal den einen oder anderen von den jungen Schalkern, etwa Christoph Moritz, anrufen und hören, wie die Stimmung ist.

Wie wird die Rückkehr nach Schalke?

Lukas Schmitz:Es macht immer Spaß, in der Arena zu spielen. Und jetzt haben wir da auch noch ein echtes Spitzenspiel. Beide Mannschaften haben schon viele Punkte gesammelt, wir könnten die 30-er Marke knacken – das wäre wunderbar. Insgesamt hatte ich auf Schalke zwei schöne Jahre und bin mit einem guten Gefühl weggegangen. Es gab nie Zoff.

Wie schmerzhaft war es aber, dass Sie in der Rückrunde der vergangenen Saison Ihren Stammplatz verloren haben?

Lukas Schmitz:Schmerzhaft würde ich nicht sagen. Am Umfeld lag es nicht, auch mit Manager Horst Heldt habe ich mich super verstanden und tue es noch. Aber zu dem damaligen Trainer (Ralf Rangnick, Anm. d. Red.) hatte ich sozusagen kein Verhältnis mehr, es lief nicht für mich. Unter Felix Magath hatte ich jedes Spiel gemacht – und für mich war klar, dass ich keinen Schritt zurück machen möchte. Bei Schalke stand schon länger im Raum, dass ein neuer, teurer Linksverteidiger geholt wird, der mit Christian Fuchs jetzt auch da ist. Es gab dann ein Gespräch, in dem schnell klar war, dass es nichts mehr wird. Das war ausschlaggebend – und deshalb ist mir der Weggang nicht so schwer gefallen.

Im letzten Duell zwischen Schalke und Werder in der Arena waren Sie noch ein Königsblauer. Wie sind Ihre Erinnerungen an den 20. November 2010?

Lukas Schmitz:4:0 gewonnen. Aber daran sollte Werder nicht mehr denken. Ich glaube, wir sind alle besser beraten, in die Zukunft zu schauen. Wir haben gegen Wolfsburg zuletzt gut gespielt, haben dominiert – und das müssen wir jetzt mit auf Schalke nehmen.

Beim 4:0 lieferte der spanische Weltstar Raul mit drei Treffern eine Galavorstellung für Schalke ab. Wie beurteilen Sie den „Senor“?

Lukas Schmitz:Ein guter Spieler, ein guter Typ. Wir müssen sehen, dass wir ihn unter Kontrolle halten, dürfen ihn nicht zum Zug kommen lassen. Er ist zwar auch nicht mehr der Jüngste, aber eben ein absolutes Schlitzohr – wie Claudio Pizarro. Raul ist immer für eine intelligente Aktion gut. Wir müssen versuchen, unser eigenes Spiel zu machen, damit er erst gar nicht so in Erscheinung treten kann.

Sie haben Pizarro angesprochen. Er hat bereits zwölf Mal getroffen und steht – mal wieder – vor einem sehr interessanten Torjägerduell, diesmal mit Klaas-Jan Huntelaar (14). Sie kennen beide – wer ist besser?

Lukas Schmitz:Puh, das ist schwer zu sagen, es sind ähnliche Typen. Beide haben ihre Qualitäten, beide sind beidfüßig stark. Das macht sie sehr schwer ausrechenbar. Und beide sind absolute Torjäger, haben diese besondere Mentalität – sonst wären sie auch nicht so erfolgreich. Ich glaube aber, dass Pizarro am Samstag die Nase vorn haben und der Bessere sein wird (grinst).

Wie froh sind Sie, dass Schalkes Jefferson Farfan verletzt fehlt und nicht über Ihre Abwehrseite sprinten wird?

Lukas Schmitz:Für uns ist es sicher gut, dass er nicht dabei ist. Er ist ein Super-Spieler und für Schalke natürlich sehr wichtig. Ich habe mir aber schon gedacht, als ich nach Bremen gekommen bin: Wenn wir gegen Schalke spielen, bin ich gut vorbereitet. Ich habe im Training fast immer gegen ihn gespielt, kenne seine Bewegungen in- und auswendig. Insgesamt wird sein Ausfall die Aufgabe für uns aber nicht unbedingt leichter machen, nun werden andere mehr Verantwortung übernehmen.

Mit welchem Gegenspieler rechnen Sie statt Farfan?

Lukas Schmitz:Das weiß ich nicht. Zuletzt haben die Schalker ein 4:4:2 mit Raute gespielt. Ich könnte mir vorstellen, dass sie das wieder machen. Wer dann aber über meine Seite kommt, ist mir eigentlich egal.

Was unterscheidet Werder und Schalke?

Lukas Schmitz:Beides sind große Vereine. Der SV Werder ist sozusagen das Ein und Alles der Stadt. Wenn wir hier ein Spiel haben, ist ganz Bremen auf den Beinen – so kommt es einem vor. Auch bei Schalke mit den begeisterungsfähigen Fans steht man unglaublich im Mittelpunkt. Aber die Vereine unterscheiden sich natürlich von der Mentalität. Lauter Ruhrpott gegen norddeutsche Ruhe – so kann man es vielleicht beschreiben.

Und liegt Ihnen beides?

Lukas Schmitz:Ja. Inzwischen fühle ich mich in Bremen pudelwohl.

Wie fällt Ihr Fazit nach dem ersten Halbjahr bei Werder aus?

Lukas Schmitz:Positiv. Mein Ziel ist es immer, mich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Ich glaube, das ist mir gelungen. Aber ich kann und muss mich in vielen Bereichen verbessern. Vor allem meinen rechten Fuß, daran arbeite ich verstärkt. Als Mannschaft haben wir zu Hause super gespielt, aber auswärts leider meistens nicht. Das müssen wir in der Rückrunde ändern. Gelingt das, könnte aus der bisher ordentlichen eine sehr gute Saison werden.

Spielen Werder und Schalke in der kommenden Saison beide international?

Lukas Schmitz:Ich glaube schon.

Und auch in der Champions League?

Lukas Schmitz:Es ist möglich, aber dafür müssen wir auswärts besser werden – am besten schon am Samstag.

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