
Hannover - Von Björn Knips · Es war einmal eine Spitzenmannschaft: Werder Bremen hat gestern Abend mit der 1:4 (1:1)-Niederlage bei Hannover 96 die obere Tabellenregion der Bundesliga für unerreichbar erklärt. Der Club steckt tief in der Krise.

© Nordphoto
Die Mienen sagen alles: Hugo Almeida und Sandro Wagner beim Anstoß.
Die Mannschaft spielte gestern so schlecht, da wird einem für die nächsten Wochen angst und bange. Und das Fehlen der verletzten Naldo, Per Mertesacker und Claudio Pizarro reicht als Erklärung nicht aus.
Thomas Schaaf hatte nach dem 0:2-Desaster gegen Mainz reagiert: Tim Borowski, Hugo Almeida und Marko Arnautovic flogen aus der Startelf, dafür durften Philipp Bargfrede, Wesley und etwas überraschend Sandro Wagner ran. Und was brachte es? Nichts! Wer gedacht hatte, Mainz sei der Tiefpunkt gewesen, sah sich getäuscht! Werder spielte vor 43 127 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften AWD-Arena noch schlechter. Dem Champions-League-Teilnehmer fehlte beim Fast-Absteiger jegliches Selbstbewusstsein. Dieser Zustand wurde in der 12. Minute noch verstärkt: Clemens Fritz beförderte bedrängt von Didier Ya Konan den Ball nach einem Rausch-Freistoß mit dem Oberschenkel ins eigene Netz. Das passte bestens in das aktuelle Werder-Bild. Genauso wie die Szene in der 27. Minute: Diesmal schoss Fritz den Ball aufs richtige Tor, scheiterte aber an der Latte. Es will in dieser Bundesliga-Saison einfach nicht laufen.
Werder war wieder da. Aber nur vom Ergebnis her. Denn Hannover zeigte sich wenig beeindruckt und hätte zur Pause führen müssen. Doch Mohammed Abdellaoue vergab die nächste Hundertprozentige (42.).
Na und? Gegen Werder war das gestern nicht schlimm. Nur acht Minuten nach dem Wechsel gab’s die nächste Riesengelegenheit für die 96er – und diesmal vollstreckte Ya Konan eiskalt. Das Vorspiel war – aus Werder-Sicht – ein Trauerspiel gewesen: Bargfrede bügelte zwar einen Frings-Ballverlust aus, versuchte sich dann aber gegen gleich drei Rote. Zur Freude von Manuel Schmiedebach, der Ya Konan mit der eroberten Kugel auf die Torreise schickte.
Werder war fertig. Nichts ging mehr. Die Angst ging um, die Verantwortung wurde schnell zum nächsten geschoben – mit einem Mikael Silvestre in der Hauptrolle. Diese bekleidete in der 64. Minute auch Schiri Brych, als er im 96-Strafraum ein klares Handspiel von Stoppelkamp übersah. Wie bitter für die Gäste, denn in solchen Situationen schmerzen Fehlentscheidungen doppelt.
Es wurde höchste Zeit, dass Schaaf helfend eingriff. Der Coach brachte die beiden Verbannten – Almeida (66.) und Arnautovic (72.). Aber den Sturmlauf gab’s von den Gastgebern. Der Ex-Bremer Christian Schulz (79.) und Abdellaoue (90.) schraubten das Ergebnis auf ein unglaubliches 4:1. Mit „Oh, wie ist das schön“ besangen die 96-Fans nicht nur den Sieg, sondern auch den mit zehn Punkten aus fünf Spielen besten Bundesliga-Saisonstart in der Vereinsgeschichte. Werder hat nur vier Zähler auf dem Konto – und jede Menge Sorgen vor dem großen Nordderby am Samstag gegen den HSV.
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