„Retter“ Schaaf geht seine neue Aufgabe lachend an

Es war gestern nicht zu überhören, wie sehr sich Thomas Schaaf auf seine neue Aufgabe bei Hannover 96 freut.  Foto: dpa

Hannover -  Sein Telefon stand gestern nicht still. Und Thomas Schaaf reagierte bestens gelaunt auf die Nachfragen der Journalisten. Kein Wunder, denn der 54-Jährige ist zurück auf der Bundesliga-Bühne. Und das auch noch in Norddeutschland. Nicht bei seinem Herzensclub, den SV Werder Bremen, für den er seit 1972 gespielt und den er 14 Jahre lang trainiert hat, aber immerhin nicht weit davon entfernt: Hannover 96 setzt auf Schaaf als Retter im Abstiegskampf. Der Tabellen-17. hatte nach dem Rücktritt von Michael Frontzeck einen neuen Coach gesucht.

„Abstiegskampf – warum tun Sie sich das an?“, wurde Schaaf von einem NDR-Reporter gefragt – und da musste der Coach erst einmal herzhaft lachen. Für ihn hatte sich diese Frage offenbar gar nicht erst gestellt. Er wollte wieder zurück ins Trainer-Geschäft, Sieben Monate, nachdem er bei Eintracht Frankfurt entnervt gegangen war. Er sprach damals von „unglaublichen und nicht nachvollziehbaren Anschuldigungen und Unterstellungen in den Medien“. Rückendeckung der Vereinsverantwortlichen gab es nur wenig.

Das wird sich jetzt ändern. 96-Boss Martin Kind ist ein langjähriger Schaaf-Fan. „Wir sind vollumfänglich von ihm überzeugt. Er passt zu 96“, schwärmte Kind von seinem „Wunschtrainer“.

Am Sonntag hatten sich Kind und Sport-Geschäftsführer Martin Bader mit Schaaf getroffen und sich auf einen Vertrag bis Sommer 2017 geeinigt. Der gilt allerdings nur für die erste Liga. „Das macht ja auch Sinn“, sagte Schaaf: „Wir wollen den Klassenerhalt natürlich schaffen, aber wenn es nicht klappen sollte, haben beide Seiten die Möglichkeit, etwas Neues zu machen.“ Der Fußball-Lehrer hat aber langfristige Ziele mit dem zweimaligen Europacup-Teilnehmer: „Wir wollen erstmal die Situation überstehen und den Verein dann dahin führen, wo er schon einmal war.“

Zukunftsmusik. Jetzt gilt es das aktuelle Orchester wieder auf Vordermann zu bringen. „Es ist eine reizvolle, aber auch sehr schwierige Aufgabe“, sagte Schaaf: „Es muss viel klappen.“ Vor allem auf dem Transfermarkt. Bereits vor der Verpflichtung des neuen Coaches hatte Bader den Norweger Iver Fossum und den japanischen Nationalspieler Hotaru Yamaguchi geholt. Und der Geschäftsführer stellte weitere Neuzugänge in Aussicht: „Bestandteil der Gespräche mit Thomas Schaaf war es auch, den Kader durchzugehen. Wir haben auch über Spieler gesprochen, die für uns interessant sein könnten. Mal schauen, was wir bis zum Trainingsauftakt hinbekommen.“ Als heißer Kandidat gilt Stürmer Adam Szalai von der TSG Hoffenheim. Am Geld sollte es nicht scheitern, Kind hat bereits angekündigt, die nötigen Mittel für Verstärkungen zur Verfügung zu stellen.

Veränderungen wird es wohl auch im Trainerteam geben. Wahrscheinlich bringt Schaaf als Co-Trainer Matthias Hönerbach mit. Mit dem Kölner hat er schon in Bremen und Frankfurt zusammen gearbeitet – genauso wie mit Wolfgang Rolff. Der ist allerdings gerade Clubtrainer in Kuwait. Torwarttrainer soll Clublegende Jörg Sievers bleiben, auch Christoph Dabrowski, ein ehemaliger Schaaf-Schützling in Bremen, darf wohl als Co-Trainer weitermachen. Jan-Moritz Lichte eher nicht.

Das wird in den nächsten Tagen zwischen Schaaf und den Verantwortlichen geklärt. Vorerst am Telefon, denn Schaaf macht noch ein paar Tage Urlaub in Österreich. Am Wochenende wird er in Hannover erwartet, am Montag darauf wird er beim Trainingsauftakt offiziell vorgestellt.

17 Spiele bleiben ihm für die Wende, eventuell plus zwei Relegationspartien. „Man wünscht sich immer lieber einen Job zum Saisonanfang“, gestand der Coach. Aber in der Realität gebe es nun einmal mehr Angebote während der laufenden Spielzeit. Also griff Schaaf zu – und wird alsbald nach Hannover ziehen. Sein Haus in Brinkum bei Bremen will er aber behalten.  kni/dpa/sid

Schaaf ist eine gute Wahl

Ein Kommentar von Björn Knips

Alles auf Anfang: Als Thomas Schaaf 1999 zum Bundesliga-Trainer wurde, war die Lage ähnlich aussichtslos. Damals kämpfte Werder um den Klassenerhalt. Schaaf rettete seinen Verein und machte ihn wieder groß. Genau das soll er nun auch in Hannover leisten. Ein guter Plan. Der 54-Jährige ist der richtige Mann für diese Aufgabe.

Dass er nur Werder kann, ist eine Mär. Schaaf hat in Frankfurt gute Arbeit geleistet, den Club nach einem großen Umbruch im sicheren Mittelfeld angesiedelt. Weil zur Eintracht aber auch viel Zwietracht gehört, wurde das von Anfang an nicht gewürdigt und Schaaf schließlich weggeekelt. Ein Fehler. Unter Nachfolger Armin Veh läuft es viel schlechter.

Nun also Hannover. Clubchef und Hörgeräte-Millionär Martin Kind himmelt Schaaf schon seit Jahren an. Auf ihn wird er mehr hören als auf irgendeinen Trainer zuvor. Und ihm wird er deshalb auch das nötige Geld für weitere Wintereinkäufe zur Verfügung stellen. Die sind dringend notwendig. Der Kader der 96er ist nicht Bundesliga-reif. Hannover braucht Qualität aus der Bundesliga – und zwar für die Offensive. Denn wer Schaaf verpflichtet, setzt auf Angriff.

Das ist im Abstiegskampf durchaus riskant. Aber bei Schaaf kann auch mal die Null stehen – wie bei seinem Debüt im Mai 1999. Damals wurde Schalke 1:0 besiegt. Das Schlüsselerlebnis auf dem Weg zum Klassenerhalt. Torschütze war übrigens Christoph Dabrowski – heute Co-Trainer bei 96. Wenn das kein gutes Omen ist…

14 Jahre Thomas Schaaf bei Werder Bremen

Mehr zum Thema:

Van der Bellen gewinnt Präsidentschaftswahl in Österreich

Van der Bellen gewinnt Präsidentschaftswahl in Österreich

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Tödliche Schüsse auf Lokalpolitikerin und zwei Journalistinnen

Tödliche Schüsse auf Lokalpolitikerin und zwei Journalistinnen

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Meistgelesene Artikel

Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt

Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt

Kroos: Karriereende nach Vertragsende bei Real wahrscheinlich

Kroos: Karriereende nach Vertragsende bei Real wahrscheinlich

FCB-Boss: „Hoeneß hat höchstens Interesse an Sticheleien“

FCB-Boss: „Hoeneß hat höchstens Interesse an Sticheleien“

RB Leipzig verteidigt Tabellenführung: Sieg über S04

RB Leipzig verteidigt Tabellenführung: Sieg über S04

Kommentare