Mittelstürmer-Revival

Die falsche Neun hat ausgedient

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3:0 gegen die Slowakei: Löws Taktik geht auf.

Ein Gastkommentar von Dieter Müller. Nach den beiden etwas mauen Auftaktspielen hatte nicht nur ich für den Einsatz eines echten Mittelstürmers plädiert. Gut, dass Jogi Löw vor dem dritten Spiel Mario Gomez eine Chance gegeben hat. Wieder einmal hat der Bundestrainer die richtige Entscheidung getroffen. Zwei Spiele, zwei Tore – aus Ersatzmann Mario Gomez ist ein Kandidat für den Titel des Torschützenkönigs geworden.

Man sieht ja auch bei den anderen Mannschaften, dass mit einem echten Stürmer im Zentrum viel mehr Gefahr entwickelt wird. Die sogenannte falsche Neun, wie sie die deutsche Mannschaft mit Mario Götze ausprobiert hat, ist der falsche Ansatz. Von den acht Viertelfinalisten setzt keiner auf eine falsche Neun. Drei Mannschaften spielen mit zwei Spitzen (Portugal, Wales und Island), die anderen fünf Teams spielen mit einer echten „Kante“ vorne drin und sind damit wirkungsvoller. Mario Gomez, der Franzose Olivier Giroud, der Pole Robert Lewandowski, der Belgier Romelu Lukaku und der Italiener Graziano Pelle sind wirkungsvoller als die verkappten „Möchte-gern-Mittelstürmer“.

Neben Gomez ist dabei sicher der Italiener Pelle die positive Überraschung. Aber beide müssen am Samstag mehr als unangenehme Aufgaben bewältigen. Gomez gegen die zweitbeste Innenverteidigung bei dieser EM, und Pelle gegen die beste. Es gibt sicher schönere Spiele für einen Stürmer als die gegen das Weltklasse-Duo Boateng und Hummels.

Für mich ist das Viertelfinale am Samstag das vorweggenommene Endspiel, denn beide Mannschaften stehen bisher über den anderen Mannschaften. Dass Italiens Trainer-Vulkan Conte bei der EM auf den altgedienten Regisseur Andrea Pirlo verzichtet hat, macht sich nicht negativ bemerkbar. Im Gegenteil. Für mich sind die Italiener ohne Pirlo viel schwerer auszurechnen. Ohne seine langen Pässe spielen sie flexibler, mit mehr Varianten und schalten schneller um.

Ich bin schon seit Montag hier in Bordeaux, werde das Spiel vor Ort mit meinem alten Freund Gernot Rohr verfolgen, der in den 70er-Jahren bei Bayern München unter Vertrag stand und dann gemeinsam mit mir hier in Bordeaux bei Girondins gespielt hat.

Aber das Viertelfinale im schönsten Stadion Frankreichs ist selbst in Bordeaux derzeit nicht Gesprächsthema Nummer eins. Das ist – natürlich – die französische Nationalmannschaft und gleichzeitig Island. Dass das „kleine Island“ nun auf die Gastgeber trifft, lässt viele Franzosen schon vom Halbfinale gegen Deutschland oder Italien sprechen. Der isländische Sieg gegen England ist zwar eine Warnung, aber hier in Frankreich traut kaum jemand den Isländern noch eine Sensation zu. „Les Bleus“ werden von einer riesigen Welle der Begeisterung getragen. Rund um die Spiele der Franzosen herrscht eine fabelhafte Atmosphäre. Die bisherigen Ergebnisse und der problemlose Verlauf der EM sind für diese von den Terror-Anschlägen so gebeutelte Nation sehr wichtig. Und die Spieler und Trainer Didier Deschamps haben den Druck der Heim-EM bis jetzt sehr gut in positive Energie umgewandelt. Für mich sind die Franzosen am Sonntag gegen Island klarer Favorit, weil sie individuell und als Mannschaft besser als England sind.

Deutschland hat die wesentlich schwierigere Aufgabe, aber auch da bin ich optimistisch. Als Turniermannschaft haben wir uns immer gesteigert. Das wird gegen Italien auch noch einmal nötig sein. Gegen Italien haben wir zwar bei großen Turnieren noch nie gewonnen, aber jede Serie muss einmal zu Ende gehen. Ich bin mir sicher, dass wir gegen Italien weiterkommen und uns dann auf ein Halbfinale Deutschland gegen Frankreich freuen dürfen.

Dieter Müller (62) hat in 303 Bundesligaspielen (Kickers Offenbach, 1. FC Köln, VfB Stuttgart) 177 Tore erzielt, war zweimal Torschützenkönig. Müller absolvierte zwölf Länderspiele, war Torschützenkönig der EM 1976 und nahm an der WM 1978 teil. Als bisher einziger Bundesligaspieler hat Dieter Müller sechs Tore in einem Spiel erzielt (1977 beim 7:2 des 1. FC Köln gegen Werder Bremen).

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