Niersbach muss mit Verlust aller Funktionärsämter rechnen

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Der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Foto: Georgios Kefalas

Es wird eng für Wolfgang Niersbach. Die FIFA-Ermittler fordern eine Sperre von zwei Jahren für den zurückgetretenen DFB-Präsidenten. Der Deutsche Fußball-Bund drängt auf eine schnelle Entscheidung - auch wegen der letzten verbliebenen Ämter von Niersbach.

Zürich (dpa) - Wolfgang Niersbach muss mit dem endgültigen Ende seiner Karriere im Weltfußball rechnen. Im Zuge der Sommermärchen-Affäre fordern die FIFA-Ethikermittler eine Zwei-Jahres-Sperre für den ehemaligen DFB-Präsidenten.

Bei einer Verurteilung müsste auch seine letzten internationalen Ämter beim Fußball-Weltverband und bei der UEFA aufgeben. Die Rechtsprechende Kammer der Ethikkommission eröffnete ein offizielles Verfahren, teilte die FIFA mit. Niersbach bezeichnete den Antrag der Untersuchungskammer als "nicht nachvollziehbar". Der damalige Vizechef des Organisationskomitees der Weltmeisterschaft in Deutschland will "mit allen möglichen Rechtsmitteln" gegen den drohenden Bann vorgehen.

"Eine Sperre, die faktisch einem weltweiten Berufsverbot im Fußball gleichkommt" sowie die Höhe der beantragten Geldstrafe von 30 000 Schweizer Franken (27 000 Euro) stehe "in keinem Verhältnis zu dem mir gemachten Vorwurf", betonte er in einer schriftlichen Stellungnahme. Einen möglichen Verzicht auf seine Posten bei der FIFA und der UEFA ließ er unerwähnt.

Die Ermittler unter dem Vorsitz des Schweizers Cornel Borbély werfen Niersbach Verstöße gegen vier Paragrafen des FIFA-Ethikcodes vor: Allgemeine Verhaltensregeln, Loyalität, Anzeige- sowie Mitwirkungs- und Rechenschaftspflicht und Interessenskonflikte. Über eine mögliche Strafe entscheidet die Rechtsprechende Kammer unter dem Vorsitz des Australiers Alan Sullivan. Der reguläre Chef des Gremiums, Hans-Joachim Eckert, tritt als Landsmann des Beschuldigten wie üblich nicht in Aktion.

Der 65 Jahre alte Niersbach war im Zuge des WM-Skandals zwar als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zurückgetreten, sitzt als deutscher Vertreter aber noch im Council der FIFA und im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union UEFA.

Auch deshalb drängt der DFB auf ein schnelles Urteil. "Es entspreche "den Regeln eines fairen Verfahrens, die endgültige Entscheidung der Beschlusskammer der FIFA-Ethikkommission abzuwarten", teilte der neue DFB-Chef Reinhard Grindel schriftlich mit. "Ich wünsche mir jedoch, dass alle Verfahrensbeteiligten dafür sorgen, dass diese Entscheidung zügig getroffen wird und der DFB damit Rechtssicherheit hat."

Ligapräsident Reinhard Rauball wertete das geforderte Strafmaß im Vergleich zu anderen Fällen als "sehr drastisch". Es sei "angesichts des laufenden Verfahrens unangemessen, über ein mögliches Urteil und eventuelle Folgen daraus zu spekulieren", teilte er mit.

Sollte Niersbach gesperrt werden, würden die Ämter im internationalen Fußball nicht automatisch wieder dem Deutschen Fußball-Bund zufallen. Bei einem rechtzeitigen Urteil könnten sie beim UEFA-Kongress am 14. September in Athen, auf dem ein Nachfolger von Präsident Michel Platini gewählt wird, vergeben werden. Grindel gilt bei einer Niersbach-Sperre als logischer Kandidat für die Ämter.

Vor knapp zwei Monaten hatte die FIFA-Ethikkommission offiziell Ermittlungen gegen die deutschen WM-Macher eingeleitet. Das Verfahren richtet sich neben Niersbach auch gegen Franz Beckenbauer, Helmut Sandrock, Horst R. Schmidt, Theo Zwanziger und Stefan Hans. Niersbach ist der einzige Funktionär, der noch ein Amt innehat.

Grundlage der FIFA-Ermittlungen ist der Untersuchungsbericht der Wirtschaftskanzlei Freshfields, die vom DFB mit der Aufklärung der Affäre beauftragt worden war. Nach Erkenntnissen dieser internen Ermittlungen wusste Niersbach spätestens im Juni 2015 von verdächtigen Geldflüssen rund um die WM-Vergabe, hatte das DFB-Präsidium aber monatelang bewusst nicht darüber informiert.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Niersbach wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Als DFB-Generalsekretär hatte er die Steuererklärung des DFB mit den falsch deklarierten Überweisungen an die FIFA über 6,7 Millionen Euro unterschrieben.

"Was die WM angeht, habe ich für mich ein absolut reines Gewissen", sagte Niersbach der "Welt am Sonntag" Anfang März. "Was die Vorgänge ab Sommer 2015 angeht, muss ich bekennen, dass ich mich bemüht habe, Klarheit in die Sache zu bringen. Rückblickend muss ich sagen, dass ich das Präsidium früher hätte informieren sollen. Das bedauere ich."

FIFA-Mitteilung

FIFA-Ethikcode

FIFA-Ethikkommission

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