Aufrüsten gegen die Langeweile

So plant die Konkurrenz den Angriff auf den FC Bayern

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Die neuen Gesichter auf Schalke - Trainer Markus Weinzierl und Manager Christian Heidel blasen zum Angriff.

München - Nach den Mega-Transfers von Renato Sanches und Mats Hummels schien der FC Bayern der Liga erneut um Meilen enteilt. Doch in den vergangenen Wochen hat sich gezeigt: Die Konkurrenz schläft nicht.

Vier Jahre lang war in der Bundesliga eines garantiert: die Langeweile an der Spitze. Ein dominanter FC Bayern zog im Titelkampf einsam seine Runden und hatte am Saisonende zwischen zehn und 25 (!) Punkten Vorsprung. Dortmund, Schalke, Leverkusen, Gladbach oder Wolfsburg sahen staunend zu, wie sich die Münchner viermal in Folge die Meisterschaft sicherten. Und nun? 

In dieser Saison könnte der deutsche Rekordmeister unter dem neuen Trainer Carlo Ancelotti erstmals wieder etwas mehr in Bedrängnis geraten. Die zuletzt überforderte Konkurrenz rüstet mächtig auf, um zumindest den großen Abstand zu den übermächtigen Bayern zu verringern - allen voran der BVB, der 119 (!) Millionen Euro investiert hat, allein 55 Millionen in die beiden Weltmeister Mario Götze und André Schürrle.

Watzke: "Wir möchten da sein"

Die beiden teuersten Verpflichtungen des BVB - Mario Götze und André Schürrle.

Hatte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Bayern angesichts der Verpflichtungen von Mats Hummels und Europameister Renato Sanches vor Wochen noch als "nahezu unschlagbar" bezeichnet, hören sich die Aussagen inzwischen weit moderater an. "Wenn Bayern München irgendwann das Gefühl hat, sich eine Auszeit leisten zu können, dann möchten wir da sein", sagte Watzke. Der BVB ist nach den Abgängen von Hummels, Henrich Mchitarjan und Ilkay Gündogan für 107 Millionen Euro ins Risiko gegangen, um neue Impulse im Titelkampf zu setzen. Neben Mario Götze und André Schürrle verpflichtete der BVB weitere Top-Talente.
Für den erst 19-jährigen Rechtsaußen Ousmane Dembélé überwiesen die Dortmunder 15 Millionen Euro an Stade Rennes, vom Rekordmeister selbst schnappte man sich den zentralen Mittelfeldspieler Sebastian Rode für 12 Millionen. Mit Europameister Raphael Guerreiro, Ex-Barca Innenverteidiger Marc Bartra, dem erst 18-jährigen Emre Mor und dem 20-jährigen zentralen Mittelfeldspieler Mikel Merino verpflichtete der BVB weitere talentierte Spieler, die teilweise schon Erfahrung auf Top-Niveau mitbringen. Findet Thomas Tuchel die richtige Mischung aus Erfahrung und jugendlichem Drang, wird der BVB den Bayern wohl wieder im Nacken sitzen.

Klopp: "Schalke könnte echt erfolgreich sein"

Aber auch Schalke ist trotz des Abgangs von Leroy Sané unter Coach Markus Weinzierl stärker einzuschätzen. Der 20 Jahre alte Offensivspieler wechselte zwar für rund 50 Millionen Euro zu Manchester City, dem neuen Klub von Pep Guardiola. Aber Breel Embolo, Naldo, Coke und Abdul Rahman Baba sollen auf Schalke in Zukunft für mehr Stabilität sorgen.

Vor allem mit Innenverteidiger Naldo und Rechtsverteidiger Coke kommt die geballte Erfahrung nach Gelsenkirchen. Coke führte den FC Sevilla als Kapitän zum Europa-League-Sieg, der 33-jährige Naldo spielt bereits seit 2005 in der Bundesliga und hat mit Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg fast schon alles erlebt. Die beiden Neuverpflichtungen werden die jungen Top-Talente der Knappen um Leon Goretzka, Max Meyer oder Johannes Geis führen können. Mit Paris-Star Benjamin Stambouli steht nach Informationen der Bild derweil noch ein weiterer Topmann für die Sechser-Position auf Christian Heidels Liste. Und dass 27,5-Millionen-Mann Breel Embolo weiß, wo das Tor steht, hat er in der vergangenen Saison in der Schweizer Super League mit zehn Toren und sieben Vorlagen auch bewiesen.

Dass die Schalker unter dem neuen Coach Markus Weinzierl für die kommende Saison also augenscheinlich gut gerüstet sind, gab zuletzt sogar ein Ex-BVBler zu: "Ich weiß, das will kein BVB-Fan hören: Aber ich fürchte, Schalke könnte echt erfolgreich sein", sagte Liverpools Trainer Jürgen Klopp. 

Roger Schmidt: "Wollen Schritt nach vorne machen"

Trainer Roger Schmidt hat bei Leverkusen noch bis 2019 Vertrag.

Noch weiter nach oben soll es auch für den letztjährigen Bundesliga-Dritten Bayer 04 Leverkusen gehen, der sich mit Kevin Volland und Julian Baumgartlinger verstärkt hat. Ömer Toprak wurde gehalten, er war dem BVB zu teuer. "Ich finde es nicht forsch, wenn man sich verbessern will. Das ist der Ehrgeiz, den jeder haben sollte", sagte Trainer Roger Schmidt. Er wolle mit der Werkself "einen Schritt nach vorne machen und konstanter auf höchstem Niveau agieren. Wie andere das einschätzen, ist mir relativ egal".
Neben den bereits getätigten gezielten Verstärkungen im defensiven Mittelfeld und im Angriff sind die Leverkusener außerdem in intensiven Gesprächen mit dem Österreicher Aleksandar Dragovic. Der beidfüßige Innenverteidiger soll von Dynamo Kiew nach Leverkusen kommen. Eine Ablösesumme von 19 Millionen Euro hatte Bayer-Manager Rudi Völler zuletzt aber noch dementiert. In Verhandlungen stehe man aber dennoch. Ob der Innenverteidiger noch in Leverkusen aufschlägt, ist nach wie vor ungewiss, auch weil Ömer Toprak gehalten werden konnte.

Gladbach: Aufrüsten nach Rekord-Ablöse    

In Gladbach ist Manager Max Eberl nach dem Rekord-Transfer von Granit Xhaka zum FC Arsenal bemüht, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen. Für die 45 Millionen Euro Ablöse, die die "Gunners" für den 23-Jährigen zahlten, kann noch weiter investiert werden. 

Weltmeister Christoph Kramer kehrte für 15 Millionen Euro von Leverkusen zurück zu den Fohlen, für die Verteidigung kam Jannik Vestergaard (12,5 Millionen Euro Ablöse). Außerdem soll wohl Innenverteidiger Andreas Christensen, der für zwei Jahre vom FC Chelsea ausgeliehen ist, fest verpflichtet werden. Ob die Blues das 20-jährige Talent aber gehen lassen, bleibt fraglich.

Wolfsburg: Raus aus dem Mittelfeld

Leih-Spieler Borja Mayoral von Real Madrid geht nun für die Wölfe auf Torejagd.

Auch in Wolfsburg setzt Geschäftsführer Sport Klaus Allofs alles daran, einen ähnlich enttäuschenden Saisonverlauf wie 2015/2016 zu vermeiden. Mit dem erst 19-jährigen Borja Mayoral kommt ein äußerst talentierter Mittelstürmer von Real Madrid (Leihe). Außerdem schlug man beim ablösefreien Daniel Didavi zu, dessen Verein VfB Stuttgart in der vergangenen Saison in die zweite Liga abgestiegen war. Auch die Verpflichtungen von Yannick Gerhardt (13 Millionen Euro, 1. FC Köln), Jeffrey Bruma (11,5 Millionen Euro, PSV Eindhoven) und Jakub Blaszczykowski (5 Millionen Euro, Borussia Dortmund) lassen erkennen, dass die Wölfe wieder oben angreifen wollen.
Mit Stürmer Simone Zaza von Juventus Turin, der vielen deutschen Fußball-Fans durch seinen verschossenen Elfmeter gegen Deutschland im EM-Viertelfinale ein Begriff sein dürfte, steht noch eine weitere Verstärkung auf Allofs' Liste. Die Verhandlungen stockten aber zuletzt nach Informationen der Bild aufgrund der verschiedenen Ablöse-Vorstellungen. Dass mit Nationalspieler Julian Draxler aber einer der wichtigsten Akteure gehalten werden konnte, lässt für die neue Saison hoffen. Eine Seuchen-Saison mit einem Platz im Mittelfeld wie zuletzt, scheint unwahrscheinlich zu sein.

Die Bullen aus Leipzig

Der große Unbekannte ist Aufsteiger RB Leipzig, dem mittelfristig angesichts der Red-Bull-Unterstützung zugetraut wird, die Bayern zu ärgern. Für die kommende Saison sorgten die Bullen bereits mit einer Verpflichtung für Aufstehen: Sturm-Talent Timo Werner kam für 10 Millionen Euro vom VfB Stuttgart und war damit noch nicht einmal der teuerste Transfer des Aufsteigers. Vom Schwesterverein RB Salzburg wechselte Naby Keita für 15 Millionen Euro nach Leipzig. Ob der Kader aber jetzt schon ausreicht, um die Bayern ärgern zu können, wird sich wohl erst nach den ersten Spieltagen zeigen. Die Vorbereitungen auf die neue Saison laufen aber bereits. Interessant: Die Leipziger bereiten sich in unmittelbarer Nähe zur Heimat des FC Bayern vor. Das Trainingslager von RB startete am Montag in Grassau am Chiemsee.

Rummenigge: "Leverkusen wird eine gute Rolle spielen"

Selbst Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge glaubt, dass in der anstehenden Saison nicht nur Borussia Dortmund ein gefährlicher Konkurrent werden könnte. "Ich glaube, dass Leverkusen eine gute Rolle spielen wird. Sie haben einen guten Transfermarkt gemacht", sagte der Bayern-Boss. Mittelfristig müsse es zudem das Ziel sein, in der Liga vier Mannschaften zu haben, die bis zum Ende um die Meisterschaft spielen und kontinuierlich in der Champions League mindestens das Viertelfinale erreichen können, so Rummenigge: "Ich bin optimistisch für die Bundesliga, denn einige Klubs machen jetzt einen guten Job. Ich glaube, dass die Bundesliga in dieser Saison emotional viel bieten wird."

Bilder: FC Bayern München fertigt Inter Mailand ab

SID/sdm

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