Bianchi-Familie will Formel-1-Verantwortliche verklagen

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Jules Bianchi war am 17. Juli 2015 - neun Monate nach seinem schweren Unfall - gestorben. Foto: Valdrin Xhemaj

Der Unfalltod von Jules Bianchi wird ein gerichtliches Nachspiel haben. Die Familie will mögliche Verantwortliche verklagen, darunter den Internationalen Automobilverband und Bernie Ecclestones FOM. Ihr Anwalt sagt: "Bianchis Tod war vermeidbar."

Monte Carlo (dpa) - Die Familie des tödlich verunglückten Piloten Jules Bianchi will die Formel-1-Verantwortlichen vor Gericht bringen.

Ein entsprechendes Schreiben wurde dem Internationalen Automobilverband FIA, dem Rechteinhaber FOM von Bernie Ecclestone und dem ehemaligen Rennstall Marussia in dieser Woche zugesandt. "Jules Bianchis Tod war vermeidbar", sagte Anwalt Julian Chamberlayne in einem Statement auf der Kanzlei-Homepage von Stewarts Law.

Bianchi war am 5. Oktober 2014 beim Großen Preis von Japan in Suzuka mit seinem Marussia-Rennwagen in einen Bergungskran gekracht. Neun Monate später war er in einem Krankenhaus in Nizza am 17. Juli 2015 gestorben. Er war zwischenzeitig dorthin verlegt worden. Bianchi hatte seit dem Unfall aber nicht mehr das Bewusstsein erlangt, er wurde nur 25 Jahre alt.

"Wir wollen Gerechtigkeit für Jules", sagte sein Vater Philippe in dem Statement, "und wir wollen die Wahrheit herausfinden über die Entscheidungen, die zum Unfall unseres Sohnes beim Großen Preis von Japan 2014 geführt haben. Als Familie haben wir so viele unbeantwortete Fragen und fühlen, dass Jules Unfall und sein Tod hätten vermieden werden können, wenn eine Reihe von Fehlern nicht gemacht worden wären".

Die FIA hatte nach den schrecklichen Ereignissen eine hochrangige Untersuchungskommission eingerichtet. Diese kam zu dem Ergebnis, dass Bianchi die Geschwindigkeit den Warnungen durch Gelbe Flaggen nicht entsprechend angepasst hatte. Eine Runde vor Bianchi war der ehemalige deutsche Pilot Adrian Sutil an derselben Stelle von der nassen Strecke abgekommen. Bei der Bergung seines Wagens ereignete sich dann der Unfall.

Die Untersuchungskommission habe zahlreiche Empfehlungen zur Verbesserung der Sicherheit gegeben in der Formel 1, sie habe aber nicht identifiziert, wo Fehler gemacht worden seien, die zu Bianchis Tod geführt hätten, erklärte Anwalt Chamberlayn. Es sei überraschend und erschütternd für die Familie Bianchi gewesen, dass die FIA-Kommission Jules Bianchi die Schuld gegeben habe.

Bianchi war der 26. Fahrer, der seit der ersten Formel-1-Saison 1950 in einem offiziellen Training, einer Qualifikation oder in einem Rennen tödlich verunglückte. Über 20 Jahre war es zuvor zu keinem tödlichen Unfall mehr gekommen, nachdem die Sicherheitsmaßnahmen infolge der fatalen Unfälle von Ayrton Senna am 1. Mai 1994 in Imola und Roland Ratzenberger einen Tag davor dramatisch verbessert worden waren.

Für Bianchi, der als möglicher Fahrer für Ferrari gehandelt worden war, war es damals der 34. Grand Prix. Das Rennen in Suzuka war stark vom Wetter beeinträchtigt worden, die Sicht schlecht. Wegen der widrigen Bedingungen war der Start hinter dem Safety Car erfolgt. Zwischenzeitlich wurde das Rennen unterbrochen, die Strecke war unbefahrbar gewesen. Durch einen heranziehenden Taifun war sogar über einen früheren Rennstart nachgedacht worden. Man hatte sich aber dagegen entschieden.

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