„Tagtäglich alles reinhauen“

Rehdens neuer Trainer über seine Aufgabe und seine Philosophie

Rehdens neuer Trainer Stefan Stuckenberg gibt sich sehr selbstbewusst und fiebert seiner Aufgabe als Regionalliga-Coach entgegen. - Foto: Flügge

Rehden - Von Arne Flügge. Stefan Stuckenberg (56) liebt die Herausforderungen. Im vergangenen Jahr erklomm er den 6962 hohen Gipfel des Aconcagua in Argentinien. In diesem Jahr ging’s in China auf 7000 Meter Höhe. Jetzt hat der passionierte Bergsteiger eine weitere, harte Aufgabe vor sich: Stuckenberg ist neuer Trainer vom Fußball-Regionalligisten BSV Rehden. „Sportlich gesehen ein Fünfeinhalbtausender“, wie er sagt. Im Interview spricht der selbstständige Diplomsportlehrer aus Wallenhorst bei Osnabrück über den Reiz des Jobs in Rehden, seine Fußball-Philosophie und warum man nicht jahrelang höherklassige Mannschaften trainiert haben muss, um einen Regionalligisten zu übernehmen.

Herr Stuckenberg, Sie haben bislang Mannschaften bis zur Landesliga trainiert – jetzt der Sprung in die Regionalliga. Ein Risiko?

Stefan Stuckenberg: Nein, vielmehr ein ganz großer Anreiz. Endlich kann ich mal unter professionellen Bedingungen arbeiten. Mit einer Mannschaft, in der alle Spieler einen hohen technischen Standard und eine umfangreiche taktische Ausbildung haben. Wir müssen jetzt das Potenzial so kanalisieren, dass am Ende auch die richtigen Ergebnisse herauskommen.

Nun werden im Umfeld kritische Stimmen aufkommen, warum sich der BSV Rehden in der derzeitigen Situation einen Trainer holt, der noch nicht höher trainiert hat.

Stuckenberg: Gewiss, aber damit habe ich überhaupt kein Problem. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die ihr Selbstvertrauen ausgraben müssen. Klar kommen solche Diskussionen auf. Doch der Verein wollte einen Trainer aus der Region. Und dass ich diese große Chance nutzen möchte, muss man mir wohl zugestehen.

Sie haben die A-Lizenz und unter DFB-Sportlehrer Erich Rutemöller an der Sporthochschule in Köln Sportwissenschaften studiert.

Stuckenberg: Ja, und daher denke ich, das nötige Fachwissen sowohl in sportlicher als auch in sportwissenschaftlicher Hinsicht zu haben. Ich bin sehr positiv, sehr ehrgeizig. Und ich denke schon, dass ich eine Mannschaft richtig motivieren und pushen kann. Und das ist völlig unabhängig von der Klasse. Die spielt dabei keine Rolle. Der Riesenunterschied ist, dass die Fähigkeiten der Spieler auf einem völlig anderen Niveau sind. Doch ich habe vor den Jungs keine Angst.

Rehden hatte zuletzt neun Trainer in fünf Jahren. Hat Sie das nicht ein wenig nachdenklich gestimmt?

Stuckenberg: Nein. Trainer, die schon in der Regionalliga etabliert sind, mögen solche Gedanken vielleicht im Kopf haben. Doch ich habe mir darüber überhaupt keinen Kopf gemacht. Trainerentlassungen passieren überall. Wenn kein Erfolg da ist, wird der, der hauptverantwortlich dafür erscheint, nach Hause geschickt. Und das ist meistens der Trainer. Die stehen dann ja aber auch nicht ohne Brot, Butter und Wurst da.

Was ist Ihre Philosophie?

Stuckenberg: Ich habe mir selbst meine Existenz aufgebaut und gelernt: Wenn ich etwas erreichen will, muss ich wissen, dass mir nichts zufällt. Ich muss gegen Widerstände angehen und hart arbeiten. Es genügt nicht allein, Fähigkeiten zu haben. Ich muss sie zu 100 Prozent in den Prozess einbringen. Tagtäglich alles reinhauen.

Und taktisch?

Stuckenberg: Da ich früher selbst Stürmer war, ist Angriff für mich weiterhin die beste Verteidigung. Nur darf man in dieser Liga nicht zu enthusiastisch sein, sonst geht der Angriffsfußball schnell nach hinten los.

Mutig-kontrolliert also?

Stuckenberg: Mutig muss man immer sein, kontrolliert spielen auch. Die Aktionen müssen dann aber mit Power auf den Platz gebracht werden.

Sie haben die Mannschaft gegen Braunschweig II schon gesehen. Welchen Eindruck haben Sie gewonnen?

Stuckenberg: Wir haben einfach zu wenig Tore erzielt und bei Standardsituationen oftmals nicht das richtige Timing gehabt. Wir müssen daran arbeiten, wann wir in welche Positionen einlaufen müssen. Zuletzt fehlte fast immer nur ein Schritt, um das Tor zu machen.

Haben Sie vom Verein einen klaren Auftrag mit auf den Weg bekommen?

Stuckenberg: Nein, mir hat niemand gesagt: ,Das und das muss jetzt passieren’. Aber ich habe schon verstanden, dass die Verantwortlichen des BSV Rehden über den drittletzten Platz nicht glücklich sind und sich eigentlich lieber weiter im Mittelfeld etablieren wollten. Nun sind wir in dieser Situation, dass wir auf einem Abstiegsplatz stehen. Da müssen wir jetzt Schritt für Schritt rauskommen. Man konnte schon merken, dass die Mannschaft ein wenig verunsichert ist. Unsere Aufgabe wird es auch sein, ihr wieder die Sicherheit zurückzugeben.

Stuckenberg - der Mann aus der Region

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