DFB-Pokal in anderes Stadion ausweichen

Kleine Clubs fühlen sich von den Auflagen erdrückt

Not amused: Präsident Toni Endler vom FC Illertissen, der auf Eintracht Frankfurt trifft.
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Not amused: Präsident Toni Endler vom FC Illertissen, der auf Eintracht Frankfurt trifft.

Rehden - Von Arne Flügge. Es wäre so schön gewesen, aber die Delikatesse wird nicht dahoam in den Waldsportstätten des BSV Rehden serviert. Kein ausreichendes Flutlicht, Sicherheitsbedenken und Einwände der Vermarktungsfirma – die Auflagen für den Pokal-Kracher gegen die Bayern waren riesig, die Zeit, diese alle umzusetzen, reichte einfach nicht aus.

So zieht der Rehdener Tross nun um. Schweren Herzens, aber immer noch mit der Gewissheit, durch die Live-Übertragung in der ARD einen Batzen an Mehreinnahmen zu bekommen. Andere Clubs mit Promi-Gegnern hatten nicht das Glück. Sie stöhnen ebenfalls unter der Last der Auflagen durch DFB, Produktionsfirma und Marketingfirma. Auch sie müssen in ein anderes Stadion ausweichen. Das kostet viel Geld.Die Clubs befürchten, dass unterm Strich nichts bleibt – außer dem Verlust des Heimrechts und dem fast sicheren Aus in der ersten Runde gegen einen Bundesligisten.

„Die kleinen Vereine werden doch immer mehr gebeutelt, obwohl sie in ihrer Region spielen wollen. Es sind mittlerweile Bestimmungen geschaffen worden, vor allem durch die mediale Präsenz, die nicht oder nur unter schwierigsten Bedingungen umsetzbar sind. Das ist der Genickbruch für die Kleinen“, sagt der Sprecher eines unterklassigen Clubs. Er steht zwar zu seinen Aussagen, möchte aber aus Angst vor etwaigen Repressalien für seinen Verein nicht namentlich genannt werden. Der Club trifft auf einen Bundesligisten – und muss ausweichen. In seinem Pamphlet, so der Verantwortliche weiter, fordere der DFB „in seiner Engstirnigkeit“ Dinge, die die kleinen Clubs „nicht wuppen können“. Die Bestimmungen seien für alle Vereine gleich. Was er nicht verstehen kann: „Da müssen wir die selben Anforderungen erfüllen wie ein Bundesligist, der in seinem Stadion spielt. Bei uns sind alle Organisatoren ehrenamtlich beschäftigt. Wenn sie diese Bedingungen lesen, fallen sie doch erstmal hinten rüber und stöhnen: ,Das können wir nicht’.“

Stephan Eiermann hat da eine andere Sichtweise. „Alle Pokalspiele werden bei Sky live übertragen. Dafür gibt es Standards, deren Sicherstellung gewährleistet werden muss“, erklärt der Pressesprecher des DFB. Und dafür hätten die Vereine in der ersten Runde auch einen nicht kleinen Betrag zu erwarten. Auch den Vorwurf, die Verantwortlichen würden alle Vereine über einen Kamm scheren, lässt Eiermann nicht gelten. „Wir schauen schon immer mit Augenmaß“, sagte der DFB-Verantwortliche und führte das Beispiel Viertligist Rosenheim an, der Zweitligist VfR Aalen empfängt. „Rosenheim war seit zwölf Jahren nicht mehr im Pokal vertreten. Und sie sind fast vom Stuhl gefallen, als sie die neuen Bestimmungen gelesen haben. Doch auch da werden wir Lösungen finden“, erklärte Eiermann: „Wir finden immer Kompromisse vor Ort, die für beide Seiten akzeptabel sind.“

Nur wie weit geht diese Akzeptanz? Dem Vereinssprecher geht das nicht weit genug. Der DFB solle mal alles genau überprüfen und vielleicht für Bundesligisten und Amateure unterschiedliche Anforderungen herausgeben. Vor allem, meint er, „muss man die vielen Live-Übertragungen überdenken.“ Ein Topspiel in der ARD, wie es jetzt der BSV Rehden gegen die Bayern hat, müsse natürlich bleiben, „weil es eine einmalige Goldgrube für den unterklassigen Verein ist“. Zweifel hat der Club-Verantwortliche allerdings, ob jedes Spiel der ersten Runde auch live auf Sky gezeigt werden muss, was die Anforderungen an die kleinen Clubs und damit das Risiko des Auswanderns erhöht. „Da wird die Einschaltquote in Promille gemessen, und wir verlieren unser Heimrecht. Das ist alles oversized und mir zu sehr von oben nach unten gedacht“, kritisierte er.

Ob sich der ganze Aufwand für den Bezahlsender überhaupt lohnt, ist allerdings nicht Sache des DFB, erläutert dessen Sprecher Eiermann: „Das müssen Sie Sky fragen. Wir haben einen gültigen Fernsehvertrag, und den erfüllen wir.“ Er stellte aber auch klar: „Für jeden Verein, der im DFB-Pokal vertreten ist, muss es doch eine Freude sein, so eine Bühne zu bekommen.“

Aber um den Preis, nicht im eigenen Stadion spielen zu können und am Ende auch noch mit leeren Händen dazustehen? Das könne es nicht sein, sagt Toni Endler, Vorsitzender des Bayern-Regionalligisten FC Illertissen mit offenem Visier. Der Club hat in der ersten Runde Eintracht Frankfurt gezogen und muss nun in das Stadion von Bundesligist FC Augsburg ausweichen. „Der Charme der ersten DFB-Pokalrunde geht verloren, wenn die Vereine umziehen müssen“, sagt Endler: „Wir hätten unser Vöhlin-Stadion für 10 000 Plätze ausbauen können, doch ein Vertreter des DFB hat sich erst für den 4. Juli angekündigt. Wie bitteschön soll man so etwas dann noch realisieren? Der DFB ist mit seinen Auflagen so flexibel wie ein Quaderstein“, schimpfte Endler.

Noch am Spieltag, so der Präsident, hätte Frankfurt das Recht, 30 Prozent der Einnahmen mitzunehmen. „Ich muss also nach dem Abpfiff Herrn Bruchhagen rund 20 000 Euro in die Hand drücken und sagen: ,Da hast Du’.“ Und dann sei da noch das Sicherheitproblem. Die Frankfurter Fans gelten in der Szene – gelinde gesagt – als schwierig. Endler bezeichnet sie sogar „nach Dynamo Dresden auf Platz zwei der negativen Hitliste. Und dann sagt der DFB, wir müssen so und so viele Karten nach Frankfurt schicken und löst damit doch selbst das Problem aus. Das ist die Quadratur des Kreises“, ärgerte sich der Boss des FC Illertissen – und schießt noch einmal scharf: „Und dann müssen die Stehplätze noch so vergittert werden – dagegen ist das Sing-Sing gar nichts. Die Auflagen sind nicht mehr tragbar, und man sollte nicht nur ans Fernsehen denken. Was da von uns verlangt wird, ist nicht zu erfüllen. Das kannst du nie stemmen.“ Vor allem in dem kurzen Zeitraum nicht, wie Endler sagt: „Dann musst du in ein anderes Stadion ausweichen, das kostet viel Geld – und am Ende bleibt dem Verein nichts übrig. Das ist ein Witz.“

Der DFB solle sich zumindest Gedanken darüber machen, den kleinen Vereinen einen finanziellen Ausgleich zu zahlen, fordert Endler: „Denn die ganze Arbeit haben doch die Kleinen. Der Bundesligist kommt mal eben vorbei, streicht 30 000 Euro ein und geht wieder.“ Dann wäre es vielleicht besser, einen Zweitligisten zu ziehen: „Da hat man wenigstens noch die Chance, mal die zweite Runde zu erreichen.“

Kommentare

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(3)(0)

Nur der Dfb zeigt sich mal wieder sehr uneinsichtig... Da wo das Geld lockt und man sich zeigen kann, ist auch der DFB nicht weit...Dämnächst wird der Dfb Pokal zu einem Tunier in 5 Stadien....

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