Club-Boss Schilling und Trainer haben unterschiedliche konzeptionelle Auffassungen

Katerstimmung nach der Feier: Rehden trennt sich von Gerber

Abgang: Fabian Gerber ist nicht mehr Trainer des Fußball-Regionalligisten BSV Rehden. - Foto: Flügge

Rehden - Von Arne Flügge. Es war eine Szenerie, die nicht widersprüchlicher hätte sein können. Während am Samstag draußen vor dem Vereinsheim die Spieler von Fußball-Regionalligist BSV Rehden für die Fans fröhlich den Kellner spielten, Bier verteilten und mit ihrer Anhängerschaft den Klassenerhalt feierten, zogen drinnen im Rahmen einer Talkrunde bereits ganz dunkle Wolken auf.

Als die Frage aufkam, wie es mit Trainer Fabian Gerber weiter gehe, bekam BSV-Teammanager Peter Schöne plötzlich einen Weinkrampf, der Coach selbst bedankte sich schon für „eine geile Zeit“ – und von Clubboss Friedrich Schilling gab es kein klares Bekenntnis zum Trainer. Es roch bereits stark nach Trennung – gestern Mittag nun wurde sie nach einem Gespräch zwischen Schilling und Gerber in den Rehdener Ratsstuben vollzogen.

Es war aber weder ein Rauswurf seitens des Vereins noch eine Kündigung durch den Trainer. „Wir haben uns in gegenseitigem Einvernehmen freundschaftlich getrennt“, sagte Gerber später. Und auch Schilling betonte, dass die Entscheidung nichts mit der Person Fabian Gerber zu tun habe. „Fabian ist nichts vorzuwerfen, er hat einen Top-Job gemacht.“

Was sich mit Fakten eindeutig belegen lässt: Gerber ist zweifellos einer der Architekten des Klassenerhalts. Er übernahm die Mannschaft im Winter auf Platz 15, zwei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt. Er formte ein Team, das schlussendlich spielerisch eines der besten in der Liga war. Der 36-Jährige holte 27 Punkte von 45 Zählern, womit Rehden zu einer der besten Mannschaften der Rückrunde wurde. Und er schaffte es, trotz des nervenzehrenden Abstiegskampfes, jeden Spieler für sich und die Mannschaft als Ganzes weiterzuentwickeln.

Der Grund für die Trennung sei somit ausschließlich darauf zurückzuführen, dass es zwischen Schilling und Gerber verschiedene konzeptionelle Vorstellungen gibt, was die künftige sportliche Ausrichtung des Verein betrifft, wie beide sagen. „Wir haben da unterschiedliche Auffassungen“, meinte Gerber.

Schilling will ein neues Konzept. Er will regionalisieren. Und das nicht erst seit gestern. „Ich habe mich schon im Winter damit beschäftigt“, sagt er. Gerber möchte dagegen als junger und ehrgeiziger Trainer mehr erfolgsorientiert arbeiten. „Und dafür muss man die Mannschaft verstärken. Das geht aber nur mit externen Spielern.“ Doch gerade auf die will der Vereins-Boss künftig nach Möglichkeit verzichten. Daher sagt er: „Wir können die Ansprüche und Ideen, die sich Fabian vorstellt, nicht erfüllen.

Diese Jungs, die er braucht oder holen möchte – das kriegen wir nicht hin. Und ich muss das Ganze sehen.“ Rehdens Macher stellt sich vor, künftig mehr Spieler aus der Region zu verpflichten. Wobei der Begriff Region sich nicht auf die unmittelbare Nähe bezieht. „Wir müssen den Bogen natürlich größer spannen. Bremen, Oldenburg, Osnabrück oder auch Hannover“, so der 64-Jährige. „Es gibt in diesem Bereich so viele gute Spieler, auch im Jugendbereich.“ In der Regionalliga würde sich einiges verändern. „Das ist jetzt unsere Chance, Spieler aus diesen Regionen zu holen. In der Ära Kompp ist da einiges versäumt worden“, sagt Schilling über den ehemaligen BSV-Sportvorstand. Um dieses Konzept umzusetzen, müsse auch ein Trainer kommen, der sich im norddeutschen Raum auskenne.

Denn eines steht für Schilling fest. Das bisherige Konzept, Spieler aus aller Herren Länder zu verpflichten, sie mit Wohnungen und Arbeitsplätzen auszustatten, gehört größtenteils der Vergangenheit an: „Ich bin fast so weit, zu sagen, dass unser Konzept Fußball und Arbeit gescheitert ist.“

Dem Vernehmen nach wollen sich einige Spieler ihre Vertragsverlängerung noch einmal gründlich versilbern lassen – und das geht dem BSV-Boss mächtig auf die Nerven. „Wir haben den Klassenerhalt geschafft, und manche Spieler denken, sie wären gerade Meister geworden. Was die für Forderungen stellen – das passt so nicht zusammen“, polterte der 64-Jährige.

Schilling befürchtet offenbar, dass noch einige Leistungsträger abspringen werden, wenn die Konditionen nicht stimmen. Dann muss wieder eine neue Mannschaft zusammengestellt, dann müssen erneut Arbeitsplätze und Wohnungen besorgt werden. Und das auch im fünften Jahr in Folge zu stemmen, geht dem BSV-Boss „auf den Geist“, wie er sagte. Schilling: „Es gibt Spieler, die überschätzen sich als Fußballer und auch bei der Arbeit.

Ich habe so viel Ärger gehabt. Weil sie vorankommen wollen, stimmen sie der Arbeit erst zähneknirschend zu. Und das geht dann auch zwei Monate gut. Dann lassen sie die Zügel schleifen, kommen gar nicht mehr zur Arbeit, lassen sich dauernd krank schreiben oder verzapfen irgendwelchen Blödsinn.“ Die jüngsten Gespräche mit Spielern, so Schilling, hätten ihn nochmals darin bestärkt, das neue Konzept in die Tat umzusetzen. Daher will der Vereinschef künftig Spieler holen, die aus der Nähe kommen, keine Wohnung brauchen und bereits Arbeit haben. „Auch wenn wir nicht komplett auf Spieler von außen verzichten können.“

Und Fabian Gerber? Der 36-Jährige ist gestern nach Mainz zu seiner Familie gefahren, die er in den vergangenen fast fünf Monaten kaum gesehen hat. „Ich bin Rehden dankbar für die Chance, die mir der Club gegeben hat, um ins Trainergeschäft einzusteigen“, erklärte der Coach: „Ich werde jetzt weiter Gas geben und meine gute und erfolgreiche Arbeit in Rehden irgendwo fortsetzen.“ Wo, das werde sich zeigen. „Ich habe nie zweigleisig geplant. Ich muss jetzt sehen, was sich für Möglichkeiten ergeben“, erklärt Gerber. Auf jeden Fall aber hat er Blut geleckt. „Trainer zu sein – das ist mein Ding. Es macht mir riesigen Spaß, mit Spielern zu arbeiten und sie weiterzuentwickeln.“ In Rehden hat Gerber das bereits geschafft. „Mit einer super Truppe“, wie er sagt.

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