Stephan Ehlers im Interview

„Die Jungs müssen viel reißen“

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Stephan Ehlers (rechts) musste schon erste Autogramme geben.

Rehden - Von Cord Krüger. So früh sind die Fußballer des BSV Rehden noch nie in die Sommervorbereitung gestartet, seitdem sie in der Regionalliga spielen. Der neue Cheftrainer Stephan Ehlers hat also gleich ein Zeichen gesetzt. Harte Arbeit steht an. Auch, weil seine Mannschaft womöglich schon am Mittwoch, 20. Juli, im Niedersachsenpokal ihr erstes Pflichtspiel bestreitet – falls sie kein Freilos zieht. „Wir brauchen diese Zeit“, sagt der A-Lizenz-Inhaber. Zudem sprach er nach dem Auftakttraining über seine Philosophie von erfolgreichem Fußball, den Vorteil eines Fitness-Coaches und Vorzüge eines starken Unterbaus.

Herr Ehlers, wie zufrieden sind Sie mit dem Auftakt ihrer neuen Mannschaft?

Stephan Ehlers (46): Ich habe heute eine richtig engagierte Mannschaft gesehen – auch wenn ihre Pause mit vier Wochen natürlich vergleichsweise kurz war. Schöner wären fünf oder sechs gewesen, in denen du regenerieren kannst. Aber wenn es für uns ganz dumm läuft, spielen wir am 20. Juli schon im Pokal. Insofern brauchen wir diese Zeit jetzt. Im Moment haben wir noch eine ganze Reihe neuer Spieler, so dass es momentan schwierig ist, ein Team zu formen.

Einer dieser neuen Spieler ist schon aufgefallen. Ihr Eindruck von Hugo Magouhi?

Ehlers: Man kann erkennen, dass Hugo für uns im letzten Drittel (in der Offensivzone, d. Red.) eine Bereicherung ist. Er setzt seine Mitspieler in Szene. Das ist mir auch in den Videos über ihn aufgefallen. Er hat einen guten Charakter – und ist unheimlich abgezockt vorm Tor.

Diese Abgezocktheit hat in der abgelaufenen Saison teilweise gefehlt, oder?

Ehlers: Ja, das kann man sagen, da hätte es etwas mehr Torgefahr sein dürfen – zumindest in den Spielen, die ich gesehen habe. Ich weiß aber nicht, wie da im Einzelnen der Matchplan aussah. Vielleicht war erstmal eine sichere Defensive das Ziel. Also steht es mir nicht zu, mich dazu zu äußern.

Ihr Plan sieht also vor, eher zu Toren zu kommen?

Ehlers: Natürlich weiß ich auch, dass die Abwehr gut stehen muss. Wir wollen aber schon versuchen, schnell zu Abschlüssen zu kommen, den Ball schnell laufen zu lassen und den Gegner früh unter Druck zu setzen. So habe ich bisher gern spielen lassen, und damit haben wir eigentlich ganz gute Erfolge erzielt. Es ist aber eine intensive Geschichte – gerade, was das Läuferische angeht.

Sie sprechen von „ganz guten Erfolgen“ als Trainer. Warum diese Untertreibung? Sie stehen mit Ihrer A-Jugend vom JFV Nordwest kurz vor Ihrem Abschied mit einem Bein in der Bundesliga.

Ehlers: Und ich würde mich gern mit diesem Erfolg aus Oldenburg verabschieden! Das ist für die Jungs auch drin. Wir haben bei Union Berlin im Hinspiel dieser Aufstiegsrunde mit dem 2:2 ein achtbares Ergebnis erzielt – gegen eine Mannschaft mit einem qualitativ sehr, sehr guten Kader. Die Berliner stehen vor dem Rückspiel am Samstag bei uns unter Druck. Den haben wir nicht so sehr.

Der JFV Nordwest – ein Zusammenschluss der Jugendteams vom VfB und VfL Oldenburg – ist eine Erfolgsgeschichte. Daran arbeiten die Verantwortlichen hier mit ihrem JFV Rehden-Wetschen-Diepholz ebenfalls. Wie ist der Stand aus Ihrer Sicht?

Ehlers: Die ersten vielversprechenden Schritte haben die Vereine gemacht. Die B- und die A-Junioren spielen nun in der Niedersachsenliga. Wegen des Konkurrenzkampfs um die besten Talente in der Gegend – etwa mit dem VfL Osnabrück – ist es also sinnvoll, Kräfte zu bündeln. Der bisherige Erfolg gibt den Machern Recht. Ich denke, dass man langfristig noch mehr anstreben kann. Wir hatten schon ein Sichtungstraining. Ausschließen will ich nichts – etwa, wenn es darum geht, einen Nachwuchstorwart als dritten Mann bei uns mittrainieren zu lassen. Erstmal wollen wir aber abwarten, wie sich die Teams in der Niedersachsenliga schlagen. Das ist noch mal ein anderes Kaliber als die Landesliga. Die Fahrten sind weiter, das Niveau ist ein ganz anderes. Es wäre schön, länger einen erfolgreichen Unterbau zu haben.

Apropos weite Fahrten: Davon kommen jetzt einige auch auf Sie zu.

Ehlers: Ja, 85 Kilometer von Oldenburg hierher. Aber wir fahren immer zusammen: mein Co-Trainer Nils Grape, Athletik-Trainer Alexander Arndt und ich. Da kann man sich gut austauschen, und die Zeit ist genutzt.

Zählt Alexander Arndt jetzt fest zum Trainerteam?

Ehlers: Er ist erstmal zur Probe hier. Ich bin von seinen Qualitäten sowieso hundertprozentig überzeugt, ich arbeite im dritten Jahr mit ihm zusammen. Und unsere JFV-Jungs sind topfit. Wir haben in der letzten Viertelstunde schon viele Spiele entschieden. Dies zeugt von unserer Verfassung – und da kann ich mich auf Alex voll verlassen.

In jenen letzten Viertelstunden hat Rehden zuletzt viele Punkte verschenkt. Wäre das eine Argumentationshilfe für einen Athletik-Coach?

Ehlers: Vielleicht. Man kann ja versuchen, in der Physis noch ein bisschen zuzulegen.

Bedeutet das jetzt in der Sommervorbereitung tägliche Einheiten, qualmende Socken und viele Tests?

Ehlers: Nur fast tägliche Einheiten! Wir müssen ab und zu einen freien Tag einschieben, weil wir in Rehden nicht das Vollprofitum haben – das ist ja bekannt. Die Jungs brauchen eine andere Form der Regeneration. Arbeit und Leistungsfußball auf diesem Level – die müssen hier ganz schön was reißen.

Und wie sieht es bei Ihnen persönlich mit dieser Belastung aus – als Gymnasiallehrer und Trainer von derzeit zwei Teams?

Ehlers: Das war jetzt ein paar Tage so. Ab Sonntag muss ich mich sportlich nur noch auf Rehden konzentrieren. Und darauf freue ich mich!

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