Düsseldorf - Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft betritt mit dem Experiment Gemeinschaftsschule einen politischen Kriegsschauplatz.

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Hannelore Kraft
Schule ist für Politiker ein vermintes Feld. In mehreren Bundesländern wurde es schon zum wahlentscheidenden Thema. Ausgerechnet als Minderheitsregierung will Rot-Grün in Nordrhein- Westfalen nun wagen, was das Bündnis sich in zehn Jahren mit parlamentarischen Mehrheiten nicht getraut hat: Jetzt sollen schulformübergreifende Gemeinschaftsschulen eingeführt werden, kündigte die grüne Schulministerin Sylvia Löhrmann am Montag in Düsseldorf an. Damit scheint der traditionelle “Schulkrieg“ mit CDU und FDP vorprogrammiert.
Doch dem will Löhrmann den Boden entziehen: Die neue Schulform soll nicht “von oben verordnet“, sondern als freiwilliger Modellversuch eingeführt werden. Die Lizenz dafür gibt eine Experimentierklausel im Schulgesetz, das die schwarz-gelbe Vorgängerregierung novelliert hatte. Damit hat die Minderheitsregierung von SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nun zwei Asse im Ärmel: Anders als bei einem neuen Schulgesetz muss sie für das Experiment keine Mehrheit im Düsseldorfer Landtag mobilisieren. Damit geht Rot-Grün auf Nummer sicher. Denn während CDU und FDP schon das Schreckensbild einer “Einheitsschule“ heraufbeschwören, vermissen die Linken “den großen Wurf“.
Das Prinzip Freiwilligkeit und der Elternwille als entscheidende Voraussetzung sollen die Einführung der Gemeinschaftsschule politisch unangreifbar machen. Auch für Schüler und Lehrer hat sich das rot-grüne Kabinett Verlockungen ausgedacht: “Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule erwerben das Abitur nach neun Jahren“, heißt es in den Eckpunkten des Kabinetts. Schüler und Eltern, die unter dem Leistungsdruck des vor wenigen Jahren eingeführten “Turbo-Abiturs ächzen, werden dies gerne hören. Für viele Lehrer winken attraktive Arbeitsbedingungen: Unabhängig von ihrem Lehramt soll ihre wöchentliche Pflichtstundenzahl bei 25,5 Stunden liegen. Das entspricht dem Standard an Gymnasien und Gesamtschulen. Haupt- und Realschullehrer würden sich also verbessern, denn sie müssen derzeit 28 Wochenstunden unterrichten. Schulen, die ihre Schützlinge nicht nach Bildungsgängen trennen, sondern gemeinsam unterrichten, müssen höchstens 25 Schüler pro Klasse unterrichten. Für eine entsprechende Lehrerausstattung müsste die Landesregierung sorgen.
dpa
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