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Deutschland diskutiert über Thilo-Sarrazin-Interview zum Thema Türken und Berlin

Deutschland diskutiert über Sarrazin-Interview

008.10.09|Politik|Politik|1
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Artikel: Deutschland diskutiert über Sarrazin-Interview

Berlin - Ganz Deutschland diskutiert über ein umstrittenes Interview mit Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin: Schürte er darin Hass gegen Ausländer - oder sprach er unangenehme Wahrheiten aus?

© dpa

Sorgt mit einem Interview für Wirbel: Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin (SPD).

Der frühere Berliner Finanzsenator hatte mit einem Interview in der Zeitschrift “Lettre International“ für Empörung gesorgt. In dem fünfseitigen Gespräch sagte das SPD-Mitglied unter anderem, eine große Zahl von Arabern und Türken in Berlin habe keine produktive Funktion außer für den Obst-und Gemüsehandel, und es werde sich vermutlich auch keine Perspektive entwickeln.

Das hat Sarrazin gesagt: Die umstrittenen Zitate

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Sarrazin weiter: “Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“ Die Lösung des Problems könne nur heißen: kein Zuzug mehr..

Sie sind gegen Sarrazin

Bundesbank-Präsident Axel Weber hat seinem Vorstandskollegen Thilo Sarrazin wegen dessen abfälligen Äußerungen über Arme und Ausländer den Rückzug aus der Spitze des Instituts nahegelegt.

Der ehemalige SPD-Europaabgeordnete und türkische Unternehmer Vural Öger forderte nach dem Interview den Ausschluss Thilo Sarrazins aus der SPD.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte Sarrazins Rücktritt aus dem Vorstand der Deutschen Bundesbank und warf ihm „Rassismus“ vor.

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hat Bundesbank- Vorstand Thilo Sarrazin wegen dessen abwertender Äußerungen über Türken und Araber indirekt den Rücktritt nahegelegt. “Wenn ich sowas in meiner Partei machen würde, auf diese Weise meiner Partei schaden würde, dann wäre klar, was die Konsequenz wäre: Ich könnte den Job nicht mehr machen.“

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bezeichnete Sarrazins Äußerungen als „rechtsradikal“ und warf ihm vor, dem Ansehen der Deutschen Bundesbank und den dort Beschäftigten zu schaden.

Der Vorstand der Türkischen Gemeinde in Deutschland forderte seinen Rücktritt aus dem Bundesbankvorstand. Rassismus und Menschenverachtung hätten in Deutschland keinen Platz; Sarrazin habe den Bogen überspannt. Auch der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy sprach im “Kölner Stadt-Anzeiger“ von Rassismus und einer Tonlage, wie man sie bisher nur von der NPD kenne. 

Sie unterstützen Sarrazin

Der ehemalige  Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, unterstützte Sarrazin dagegen. Wer das Interview ganz gelesen hätte, müsse der Analyse Sarrazins beipflichten, sagte Henkel im Deutschlandfunk.

Auch der Schriftsteller Ralph Giordano pflichtete Sarrazin im Nachrichtensender N24 inhaltlich bei, auch wenn er „andere Worte gewählt hätte“.

N24-Chefredakteur Peter Limbourg sagte gegenüber der BiILD-Zeitung: „Thilo Sarrazin hat in vielen Punkten Recht – auf der anderen Seite ist es schwierig, wenn man sich als Bundesbank-Vorstand so dezidiert äußert.“

Unterstützung erhält Sarrazin auch von dem früheren Grünen-Politiker Oswald Metzger, der mittlerweile zur CDU gewechselt ist. In der ARD-Sendung „Hart aber Fair“ meinte Metzger: „Der große Teil der Mittelschicht hat das Gefühl, dass eine Bereitschaft erzogen wird, dass die Menschen nicht mehr wissen, dass man etwas leisten muss. Wir können nicht ein Land von Transferleistungsgebern werden.“

In der gleichen Sendung nannte die CDU Politiker Kristina Köhler Sarrazins Tonfall „verletzend“. Aber: „Sarrazin hat Probleme benannt, die wir wirklich haben.“ Macho-Kultur, Import-Bräute und eine hohe Arbeitslosigkeit bei Migranten.

Pro-Sarrazin ist auch der deutsche Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff ( „Die Blechtrommel“). Er habe ihm „aus der Seele gesprochen“, sagt er zu BILD. „Ich bewundere Sarrazin, ich hab ihn oft besucht. Als Filmmann bin ich beeindruckt von den starken Sprüchen.“

dpa/AP/fro

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