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Schäfer läuft aus Protest mit seinen 1200 Schafen in sein 300 Kilometer entferntes Heimatdorf

Schäfer läuft 300 Kilometer durch Niedersachsen

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Artikel: Schäfer läuft 300 Kilometer durch Niedersachsen

Westerstede - Not macht erfinderisch und verlangt manchmal schmerzhafte Opfer: Mit einem Gewaltmarsch quer durch Niedersachsen will der Schafzüchter Stefan Rose auf die Notlage seiner Zunft aufmerksam machen.

© dpa

In einer Protestaktion führt Stefan Rose seine 1200 Schafe von Norddeich in das 300 Kilometer entfernte Grethem.

Um die Kosten für einen Lastwagen zu sparen, bringt der 29-Jährige seine Tiere zu Fuß vom ostfriesischen Norddeich in seinen rund 300 Kilometer entfernten Heimatort Grethem im Aller-Leine-Tal. „Man muss schauen, wo man sparen kann. Die Wolle ist mittlerweile nichts mehr wert“, sagte der 29-Jährige, der am Dienstag bei Westerstede (Kreis Ammerland) unterwegs war. Vor sieben Tagen begann seine Reise an der Nordsee, bis nach Hause wird er noch mehr als zwei Wochen brauchen.

Vor neun Jahren übernahm der gelernte Wasserbauer Rose den Schafzuchtbetrieb seines Vaters. „Das war für mich ein Kindheitstraum“, sagte Rose. Doch mittlerweile bereue er diese Entscheidung teilweise: Der tägliche Existenzkampf zerre an der Substanz, und immer neue Vorschriften der EU belasteten ihn zusätzlich. Vor einigen Jahren bekam Rose nach eigenen Angaben noch einen Euro für ein Kilogramm Wolle. Heute sind es nur noch 20 bis 25 Cent. Lammfelle kann er zurzeit überhaupt nicht verkaufen. Zumindest das Lammfleisch bringt ihm noch etwas ein - aber nur, weil er es selbst vermarktet.

Kleine Schafzüchter können das jedoch nicht leisten. Nur noch 3000 große Betriebe mit mehr als 30 Mutterschafen gibt es dem Landesschafzuchtverband zufolge in Niedersachsen. Im vergangenen Jahr seien es noch sieben bis acht Prozent mehr gewesen, erläuterte Geschäftsführer Mathias Brockob in Hannover. „Die Schafhaltung bringt kaum noch Geld ein. Das einzige, was gut läuft, ist der Verkauf von Lammfleisch. Aber das reicht nicht aus, um die Kosten zu decken.“ Als weitere Belastung kommen auf die Schäfer außerdem neue EU-Regeln zu, die eine umfangreiche Dokumentation des Bestandes verlangen.

Jetzt schon müssen alle Schafe zwei Ohrmarken tragen. Künftig soll eine davon einen elektronischen Chip enthalten, der um ein Zehnfaches teurer ist als die gewöhnliche Marke. „Die Schafe reißen sich ständig die Marken raus. Pro Jahr muss ich etwa 150 nachbestellen“, sagte Rose, der vor allem über die gestiegene Bürokratie klagt. „Die macht mittlerweile einen Großteil meiner Arbeit aus. Für die Schafe fehlt mir die Zeit.“

Deshalb stellte Rose vor einiger Zeit einen Mitarbeiter ein. Auch seine Frau und seine Eltern packen auf dem Hof mit an. Sonst könnte er sich nicht über Wasser halten. „In den Urlaub fahren wir schon lange nicht mehr. Auch mit dem Auto fahren wir kaum - das ist nicht drin.“

Zumindest die neuen EU-Vorschriften wollen die Berufsschäfer verhindern. Bereits bei der Agrarministerkonferenz in Eisleben in Sachsen-Anhalt protestierten sie lautstark dagegen. Am 9. November wollen einige niedersächsische Schäfer nach Brüssel reisen, um dort Gespräche zu führen. „Wir hoffen, dass es ein Einsehen gibt“, sagte Brockob. „Bislang ist die EU-Kommission aber relativ stur.“

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