209.05.10|Verden|Verden|
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Verden - (kle) · Wenn sich an diesem Wochenende Historiker und Heimatkundler in Verden beim Niedersachsentag zusammensetzen, stellt sich immer auch die Frage danach, wozu das gut sein soll. Eine Antwort dazu lieferte Sabine Kuhlmann gleich mit, als sie gestern im Verdener Rathaus ihr Buch „Der Streit um Karl den Großen, Widukind und den ‚Tag von Verden‘ in der NS-Zeit“ vorstellte.

Dr. Hans-Eckhard Dannenberg und Sabine Kuhlmann stellten mit Bürgermeister Lutz Brockmann das Buch aus der Reihe des Landschaftsverbandes vor.
Die Studentin der neueren Geschichte an der Universität Vechta hat in ihrer Magisterarbeit, die beim Landschaftsverband Stade in den Beiträgen zur Geschichte und Kultur des Elbe-Weser-Raumes erschienen ist, den Bogen von der Zeit Karls des Großen über die NS-Zeit bis in die Gegenwart geschlagen. Darin stellt sie dar, dass die im Halbdunkel mittelalterlicher Historie liegenden Ereignisse, die sich unter dem Schlagwort Verdener Blutgericht zusammenfassen lassen, nicht nur von der nationalsozialistischen Ideologie instrumentalisiert wurden und nachhaltig mit dem dabei entstandenen verqueren Bild die Wahrnehmung Verdens und seiner Geschichte geprägt hatte. Mittlerweile sei der vermeintliche Ort des Geschehens, der Sachsenhain in Dauelsen, wieder Ziel von Neonazi-Pilgerreisen. Damit werde er erneut für Zwecke missbraucht, die mit der Realität des evangelischen Jugendhofes nichts zu tun haben. Mit dem damals entstandenen Bild aber müsse Verden noch heute umgehen, kommentierte Bürgermeister Lutz Brockmann.
Wenn die Doktorandin sich mit der Beurteilung der Quellen von Karls Auseinandersetzung mit den Sachsen befasst, dann hat sie nicht in erster Linie im Sinn, die Ereignisse der Zeit um das Jahr 782 zu klären. Kuhlmann erarbeitet sich damit eher die Mittel, die Umdeutung der Ereignisse durch den Chef-Ideologen der Nationalsozialisten, Alfred Rosenberg, und anderen untersuchen zu können. Die habe nämlich 1934 auch zu einem Niedersachsentag in Verden geführt. Mit diesem Hinweis schloss die Autorin einen weiteren Kreis und verriet, dass der Termin der Präsentation gestern kein Zufall, sondern pure Absicht war.
Seinerzeit habe der Niedersachsentag als Teil der NS-Propaganda-Maschinerie unter dem Titel „Gedächtnisfeier für 4500 hingerichtete Sachsen“ gestanden, berichtete Kuhlmann. Ideologische Absicht sei gewesen, das Blutgericht als Höhepunkt der Verbrechen des Franken Karl zu deuten. Zugleich sollte sein Widersacher Widukind zum Märtyrer stilisiert werden. Die Sachsen passten dann als nordisches Volk umso besser in den Nazi-Rassismus.
Ganz anders die aktuelle Veranstaltung des Heimatbundes in Verden: Stadtarchivar Dr. Björn Emigholz merkte an, dass der ehemalige Verdener Superintendent Peter Tidow in diesem Jahr als Vorsitzender einer Arbeitsgruppe der evangelischen Kirche beim Niedersachsentag dabei ist, die sich mit der Geschichte des Sachsenhains befasst.
Die Arbeit von Sabine Kuhlmann jedenfalls liefere das Material dazu, ergänzte Landschaftsverbandsgeschäftsführer und Mitherausgeber des Buches Dr. Hans-Eckhard Dannenberg. Und das umfassend aufbereitet. Und dem Historiker Arend Mindermann hatte vor allem Quellendarstellung gefallen.

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