Verden - Von Volkmar Koy„Eigentlich sind wir ja die graue Maus.“ Frerichs Glas-Geschäftsführer Reinhard Cordes fühlte sich bislang ganz wohl in dieser Rolle. Nun aber, nachdem ein Tochterunternehmen mit der Onlyglass Mediafacade GmbH gegründet wurde, wird es in der Glasveredelung in Verden so richtig bunt.

© Foto: Koy
Die Geschäftsführer von Onlyglass Mediafacade (zugleich Frerichs Glas), Walter Tietz (links) und Reinhard Cordes, mit ihrem neuen, weltweit einmaligen Produkt einer Glasfassade. ·
Onlyglass Mediafacade und Frerichs Glas – dahinter stecken nach wie vor die beiden Geschäftsführer Reinhard Cordes und Walter Tietz. Und dennoch markieren die Firmennamen einen Schritt nach vorn ins Hightech-Zeitalter mit einem innovativen Produkt. Jetzt geht es um die entsprechende Positionierung auf dem Weltmarkt. Für Cordes und Tietz wird Dubai plötzlich zur Standortbestimmung.
Das neu entwickelte Display, das als transparenter LED-Screen in Fassaden (deshalb Mediafacade) integriert werden kann, löste jetzt vor der Fachpresse bei Frerichs Glas in Verden erst einmal Staunen aus. Staunen, weil so etwas von einer „grauen Maus“ nicht erwartet worden war. Sechs Jahre Entwicklung, 1,6 Millionen dafür gezahlt, und mit zahlreichen Forschungsinstituten kooperiert, das sind erst einmal die nackten Fakten.
Herkömmliche Medienwände werden vor die Fassaden montiert und beeinträchtigen dadurch massiv die Architektur eines Gebäudes. Die Onlyglass Mediafacade dagegen integriert LED-Strings in die Isolierglasscheiben, so dass es zu keiner Vefremdung der Fassade kommt.
Cordes und Tietz ergriffen die Gelegenheit, Pressevertreter von diversen Fachpublikationen im Hause zu haben, beim Schopfe und luden gleich noch zu einem Firmenrundgang. Für kurze Zeit geriet das Geschäftsfeld Onlyglass Mediafacade ein wenig ins „Abseits“. 170 Mitarbeiter, davon 130 in Verden, seien für das Unternehmen tätig, mit steigender Tendenz. 30 Prozent der Belegschaft habe einen Migrationshintergrund. Cordes, dem 1984 die Leitung von Frerichs Glas übertragen wurde: „Bei uns arbeiten Menschen aus neun Nationen. Ohne Probleme.“ 21 Millionen Euro betrage der Jahresumsatz. Auch das mit steigender Tendenz.
Der Fokus gelte in erster Linie der Region. Eine Stärke der Firma: Schnell und unbürokratisch reagieren. Für Walter Tietz ein Geheimnis des Erfolges. Die Flexibilität der Führungsetage werde indes auch von den Mitarbeitern erwartet. Glas sei auch ein Teil Tagesgeschäft. Wobei spezielle Aufträge angenommen werden. Das kann ein speziell beschichtetes Glas für die heimische Dusche ebenso sein wie ein Großauftrag des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch für seine neue Luxusjacht.
Die in der Wirtschaftskrise eingeführte 42-Stunden-Woche gibt es heute noch. Bei guter Auftragslage würden Lohn und Gehalt nach oben angepasst. Und einen Betriebsrat gibt es nicht einmal auf dem Papier. Der werde von niemandem vermisst, so Cordes und Tietz unisono. Die Geschäftsführer von Frerichs Glas: „Unser Geschäft sind individuelle Verglasungen, keine Massenware.“ Mit dem Image einer grauen Maus hat das allerdings herzlich wenig zu tun.è Wirtschaft
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