Verden - Von Markus WienkenLANDKREIS · Alles hat einen Anfang, aber auch ein Ende, oder umgekehrt: Joachim Heuer hieß der erste Zivildienstleistende der Lebenshilfe in Eitze. Das ist über 40 Jahre her. Lars Rehling war da noch gar nicht auf der Welt. Er ist der letzte Zivi, der in der Einrichtung unentbehrliche Hilfe leistete. Heuer und Rehling trafen sich gestern zu einer kleinen Zeitreise.

Treffen und Abschied: Joachim Heuer und Lars Rehling (re.) bei der Lebenshilfe an der Lindhooper Straße. ·
Schon die Erinnerungen an den Einstieg ins Zivi-Leben machen deutlich, 40 Jahre Unterschied, dass sind völlig gegensätzliche Erfahrungen, von denen die beiden erzählen können. Wie auf Knopfdruck hat Joachim Heuer die Erlebnisse von damals parat. Die Kriegsdienstverweigerung war geschrieben, dennoch musste er als Panzergrenadier in die Kaserne nach Schwanewede einrücken. „Alle wussten von der Verweigerung, und bei den Vorgesetzten hatte ich damit einen denkbar schlechten Stand“, erzählt er. „Schikanen waren an der Tagesordnung.“ Unter Tränen warf der damals 18-Jährige schließlich völlig verzweifelt seinem Hauptmann sogar die Waffe vor die Füße – und musste dafür 13 Tage in den Bau. Zwei Verhandlungen brauchte es, ehe die Verweigerung nach einem Jahr durch und Heuer als Ersatzdienstleistender die Kaserne verlassen durfte. „Die Zeit hat mich geprägt“, so der gebürtige Eystruper.
Lars Rehling hörte es mit Staunen, und sprach seinerseits von einem vergleichsweise einfachen Verfahren. „Ich habe mir ein paar vernünftige Argumente überlegt, warum der Kriegsdienst für mich nicht infrage kommt, in den PC getippt und an das Kreiswehrersatzamt geschickt. Das war‘s schon.“
In der Lebenshilfe in Eitze waren beide gleichermaßen willkommen, auch wenn – 40 Jahre sind ins Land gegangen – zu völlig unterschiedlichen Bedingungen. „Ich war wohl so eine Art Pionier“, erzählt Heuer lächelnd. Michael Grashorn, pädagogischer Leiter der Lebenshilfe, nickt zustimmend: „Damals steckten wir noch in den Anfängen. Menschen mit Behinderung wurden behütet, beschützt, nahmen aber nicht am täglichen Leben teil.“
Die Berufsfindung ist bei Lars Rehling zwar noch nicht abgeschlossen, doch der 20-Jährige ist auf einem guten Weg. 13 statt der vorgeschriebenen sechs Monate hat er in der Lebenshilfe Zivildienst geleistet, behinderte Kinder und Jugendliche betreut, mit ihnen Hausaufgaben gemacht oder, „mal eben“, ein Regal aufgehängt. „Unersetzliche Erfahrungen, die mich geprägt und den Menschen ein Stückchen näher gebracht haben.“ Der gebürtige Hoyaer, der in Verden Dom- und Wallgymnasium besuchte, liebäugelt mit einer Ausbildung zum Sonderpädagogen.
In der Lebenshilfe werden sie derart engagierte Kräfte vermissen. „Mit dem Wegfall des Zivildienstes bricht für uns auch eine Brücke zur Öffentlichkeit weg“, bedauert Michael Grashorn. Sein Wunsch und der seiner beiden Gesprächspartner: „Jeder, ob Frau oder Mann, sollte nach Schulabschluss ein Jahr Sozialdienst leisten.“
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