Bassen - „Wie alt der Brauch tatsächlich ist, kann man nicht mehr sagen. Er ist auf jeden Fall älter, als es bei uns die Kartoffel gibt, und die wurde vom Preußen-König Friedrich dem Großen im 18. Jahrhundert eingeführt“, begann Jonny Lange und schickte sich an, die Entstehung des Bassener Schinkenfestes mal „grob zusammenzufassen“.

© Foto: Keppler
Den traditionell gegarten Schinken anzuschneiden, oblag im Bassener Dorfmuseum nach seinem Vortrag Schinkenbruder Jonny Lange (links), assistiert von Alfred Borchert und Ursula Ehlers. ·
Jonny Lange, einer der wenigen echten Schinkenbrüder, die es in Bassen noch gibt, war am Sonntagnachmittag im Bassener Dorfmuseum unter dem Dach von Blocks Huus zu Gast, um einem großen Publikum von dem jahrhundertealten Bassener Brauch des Schinkenfestes zu erzählen, der bis heute zu Beginn der Fastenzeit gepflegt wird und von den Landwirten von Generation zu Generation weitergegeben wird.
„Von den ehemals siebzehn Schinkenbrüdern sind dreizehn übrig geblieben und davon sind es nur noch vier, die ihr Geld ausschließlich mit der Landwirtschaft verdienen“, bedauerte Jonny Lange. Durch Landtausch, so erzählte er, sollte einst der Bassener Köthner Christoph Ahrens zum Baumann, also zum vollwertigen Bauern werden. Als Gegenleistung wurde ausbedungen, dass dieser die 17 anderen am Tausch beteiligten Bauern aus Bassen, Schaphusen und Bockhorst zu einem großen Festmahl einladen sollte. Hauptbestandteil des Essens war ein gewaltiger Schinken von 22 Pfund. Sauerkraut und Schwarzbrot sollte es dazu geben. 73 Pfennig pro Nase für geistige Getränke hatte jeder selbst zu zahlen.
Jonny Lange erzählte die eine oder andere überlieferte oder selbst miterlebte Fest-Anekdote und sorgte damit bei der Zuhörerschaft für Heiterkeit. So war ihm seinerzeit als Bassener Jungbauer nicht bekannt, dass der erste Branntwein in Hut und Mantel gereicht wurde. Also musste er seine „Kledage“ wieder anziehen, dann mit den anderen einen trinken und sich erst dann seines Mantels entledigen.
Mit der Zulassung von Frauen zum Schinkenessen hatte die Männergemütlichkeit vor dem Ersten Weltkrieg ein Ende, berichtete Jonny Lange. Das Traditionsmahl erfuhr nach und nach eine Üppigkeit, die an ein aufwendiges Hochzeitsessen erinnerte. Schnitzel, Kuchen und Torten kamen in mehreren Gängen auf den Tisch, ein gastgebender Hof übertraf den anderen. Irgendwann, als die Landwirtschaft eine Krise nach der anderen zu bewältigen hatte, war Schluss mit der ausufernden Üppigkeit. Dann gab es nur noch Schinken für die Männer, während die Frauen sich am darauf folgenden Samstag an Kaffee und Kuchen laben durften und dürfen.
Während die Zuhörer auf dem antiquierten Mobiliar des Museums amüsiert den Ausführungen von Jonny Lange lauschten, brutzelte als Überraschung in der Küche von Blocks Huus Schinken im Ofen, der wie früher mit Sauerkraut, Schwarzbrot und Butter gereicht werden sollte. „Es ist eher eine Kostprobe, damit alle eine Vorstellung davon bekommen, was man sich unter einem traditionellen Bassener Schinken vorzustellen hat“, sagte Schinkenmeister Alfred Borchert, Schlachter aus Egypten. Er garte das Fleisch auf den Punkt, wobei ein herrlicher Duft durchs Haus zog. · kr
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