Bassen - Von Petra HolthusenEinen richtigen Namen hat das Kaufhaus der Arbeiterwohlfahrt in Bassen noch nicht, aber was ohnehin viel wichtiger ist: Es brummt. „Wir kriegen tolle Sachen gespendet und werden wirklich gut angenommen. Menschen mit wenig Geld trauen sich her“, sagte Kaufhausleiterin Erika Guse gestern vier Wochen nach der Eröffnung dieses etwas anderen Second-Hand-Ladens. Dem stattete eine Schar interessierter SPD-Politiker einen sozialpolitischen Informationsbesuch ab.

© ksy
Unermüdlich sortieren Inge Junge (re.) und andere ehrenamtliche Mitarbeiterinnen des AWO-Kaufhauses die Sachspenden.
Zu Gast war die SPD-Kreistagsfraktion unter Führung ihres Vorsitzenden Heiko Oetjen, begleitet von Oytener SPD-Ratsmitgliedern und vom SPD-Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil aus Munster. Zur Besichtigung ins kreisweit erste soziale Kaufhaus gelotst hatte Sozialausschussvorsitzender Heinz Möller seine Partei- und Fraktionskollegen.
AWO-Kreisvorsitzender Fritz-Heiner Hepke, AWO-Kreisgeschäftsführerin Dagmar Guse und Kaufhausleiterin Erika Guse stellten den Sozialpolitikern das besondere Kaufhaus vor, das die Arbeiterwohlfahrt am 9. Dezember in einem Ladenlokal im Einkaufszentrum am Bassener Kreisel eröffnet hat – mietfrei, dank des Einsatzes von Bürgermeister Manfred Cordes.
Gefeilscht wird nicht, für alle Waren gibt es Festpreise, und die sind sehr sozial. Obendrein erhalten Menschen, die ein geringes Einkommen nachweisen, eine Kundenkarte und damit nochmal 50 % Rabatt auf alles. 40 dieser Kundenkarten hat Guse bis gestern ausgestellt. Dazu kommen die – nicht gezählten – Kunden, die auch mit etwas mehr Einkommen gerne günstig aus zweiter Hand kaufen.
Bei der Ausstattung des Ladens mit Kleiderständern und -bügeln, Regalen, Sitzmöbeln und Fußmatten halfen örtliche Unternehmen und andere gemeinnützige Kleiderbörsen. Weitere Regale wären willkommen, denn der große Lagerraum nebenan, in dem die angelieferten Sachspenden sortiert werden, ist proppevoll.
Von dem hohen Spendenaufkommen für das Kaufhaus sind die AWO-Verantwortlichen genauso überwältigt wie von dem Ansturm ehrenamtlicher Mitarbeiter/innen: 24 Frauen und Männer aus der Region helfen stundenweise in Laden und Lager; einzige bezahlte Teilzeitkraft der AWO ist Einrichtungsleiterin Erika Guse. „Ohne die Ehrenamtlichen wäre das überhaupt nicht zu schaffen“, lobte sie das große Engagement. „Ich bin Rentnerin und habe Zeit – und es macht wirklich Spaß, hier zu arbeiten“, erzählte Inge Junge. „Wir tun was Gutes mit unserer Zeit“, ergänzte Lena Mehrtens (19).
Den Bedarf an Einkaufsmöglichkeiten für die, die jeden Euro dreimal umdrehen müssen, unterstrich AWO-Kreischef Hepke: „Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer.“ Dass schon in den ersten vier Wochen der Umsatz die Betriebskosten deckte, spricht für sich. Bereits jetzt denkt Guse über die Ausweitung der Öffnungszeiten nach. Zurzeit hat das Kaufhaus montags bis freitags von 10 bis 15 Uhr geöffnet – dabei mittwochs parallel zur Tafelzeit in Bassen verlängert bis 17 Uhr.
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