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„Kleine Verbesserungen vor Ort“

Rat schluckt die Kröte Oberschule

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Ottersberg - (pee) · In der Not frisst der Teufel Fliegen – und schluckt der Gemeinderat die Kröte Oberschule. Obwohl sich im Ratssaal am Mittwochabend keine inhaltlich befürwortende Stimme für das im Turbotempo von der CDU/FDP-Landesregierung installierte Schulstrukturmodell vernehmen ließ, beschloss das Kommunalparlament mehrheitlich, bei der Landesschulbehörde die Umwandlung der Ottersberger Haupt- und Realschule in eine Oberschule zu beantragen, das zum 1. August 2011.

Damit folgte der Rat erklärtermaßen dem Wunsch der Wümmeschule, der die Hauptschüler ausgehen und die seit Schuljahresbeginn bereits wie eine sogenannte Oberschule ihre Haupt-, Real- und Integrationsschüler in gemeinsamen Klassen unterrichtet.

Für die SPD ist Oberschule nur ein neuer Name: „Oberschüler gehen rein, und heraus kommt ein Haupt- und ein Realschüler – wie bisher auch“, kritisierte Fraktionsvorsitzender Stefan Bachmann das „Reförmchen“: „Eigentlich kann man das nicht machen.“ Aber: Im Fall Wümmeschule ergebe sich vor Ort eine Chance für Lehrer und Schüler auf eine kleine Verbesserung – nämlich die auf 28 Kinder sinkenden Klassenobergrenzen und die stundenzahlmäßig gesenkte Unterrichtsverpflichtung der Lehrkräfte. Außerdem sei die Oberschule für Ottersberg eine Chance, „einen kleinen Schritt in Richtung gemeinsames Lernen zu gehen“, wie es die SPD in Form von Gesamtschulen befürworte. Deshalb werde die SPD-Fraktion mehrheitlich dem Modell Oberschule Ottersberg zustimmen, so Bachmann.

Ähnlich äußerte sich Grünen-Fraktionschefin Erika Janzon und kündigte Zustimmung an, auch wenn die Oberschule „nur die drittbeste Möglichkeit ist“. Überdies begrüße sie das Angebot auch für Ottersberger Kinder durch eine Integrierte Gesamtschule in Oyten. Auch die GLO-Fraktion ist nach Worten ihres Sprechers Wilfried Mittendorf Verfechter der Gesamtschule und Gegner der Oberschule, wollte aber „nicht gegen den Ottersberger Lehrer- und Elternwillen stimmen“ und enthielt sich deshalb der Stimme. Als „Spielball der Landesschulpolitik“ fühlte sich FBO-Sprecher Tim Weber, bewertete aber die „für Ottersberg überwiegenden Vorteile“ höher.

Politische Überzeugung ließ auch CDU-Fraktionschef Klaus Rebentisch nicht erkennen, aber: „Entscheidend ist heute, dass es eine Ottersberger Kiste ist.“ Seit Jahren versuche die Gemeinde, die Wümmeschule zur Eigeninitiative zu bewegen – „jetzt ist die Schule initiativ geworden, und das sollten wir nicht ausbremsen“.

Zwei Ratsherren stimmten gegen die Beantragung der Oberschule – neben Manfred Dzubiella (FBO) ganz vehement Helmut Blohm (SPD): Den Lehrern unterstellte er, die Oberschule zu wollen, weil sie weniger Unterrichtsverpflichtung und damit mehr Freizeit verspreche, und der Elternwille sei gar nicht abgefragt worden. „Für unsere Kinder müssen wir schon gründlicher arbeiten“, wetterte Blohm.

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