021.04.10|Oyten/Ottersberg|Oyten/Ottersberg|2
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Oyten - (pee) · 120 Eltern, Pädagogen und Politiker interessierten sich am Montagabend in einer Informationsveranstaltung im Rathaussaal für die Philosophie und Rahmenbedingungen einer Gesamtschule, über deren Einrichtung in Oyten nachgedacht wird. Zum Auftakt einer breiten Diskussion vor Ort hatte die Gemeinde für einen Vortrag Prof. Dr. Matthias von Saldern von der Universität Lüneburg eingeladen.
Der renommierte Bildungswissenschaftler hat viele Gesamtschulprojekte begleitet, ist glühender Verfechter dieser im europäischen (PISA-erfolgreichen) Ausland etablierten, aber in Deutschland (noch) weniger verbreiteten Schulform – und erntete in Oyten viel Beifall.
Auf Initiative der SPD-Fraktion und Empfehlung des Schulausschusses des Rates prüft die Gemeinde zurzeit die Möglichkeiten zur Schaffung eines Gesamtschulangebotes in Oyten. Im Gegensatz zum selektiven Schulsystem mit Förder-, Haupt-, Realschule und Gymnasium werden in einer Integrierten Gesamtschule in einem durchlässigen Konzept alle Kinder und Jugendlichen aller Schulformen von der 5. bis zur 13. Klasse gemeinsam unterrichtet und erzogen. Die zu erwerbenden Abschlüsse entsprechen denen des dreigliedrigen Schulsystems. Würde in Oyten eine Gesamtschule realisiert, würde sie die Haupt- und Realschule ersetzen.
Für den Übergang ins weiterführende dreigliedrige Schulsystem werden die Kinder nach der 4. Klasse selektiert und auseinandergerissen. Bereits in der 3. Klasse werden Prognosen erstellt, wie sich die Kinder in den kommenden acht Jahren entwickeln werden. Für Prof. Dr. von Saldern ein Ding der Unmöglichkeit. Ausführlich beleuchtete er mit Blick auf soziales Miteinander und individuellen Lernerfolg die Problematik der Trennung, Auf- und Einteilung der Kinder nach Klasse 4 – und damit ein gewichtiges Argument für die Gesamtschule, die das Prinzip der frühen Selektion aufhebt. Prof. von Saldern empfahl, eine Gesamtschule im Rahmen eines umfassenden pädagogischen Konzepts immer als Ganztagsschule einzurichten.
Eine hohe Hürde setzt die Niedersächsische Landesregierung bei der Genehmigung neuer Gesamtschulen mit der vorgeschriebenen Fünfzügigkeit. „Aber wenn Eltern und Politik vor Ort das wollen, dann geht vieles“, betonte nicht nur der Referent, sondern auch Bürgermeister Manfred Cordes. Cordes ist „absoluter Befürworter“ von Gesamtschulen, denn „Kinder lernen von Kindern, Schwache von Starken und umgekehrt“.
Ob Eltern, Schulzentrum und Politiker bereit und willens sind, sich in Oyten gemeinsam auf den Weg zur Gesamtschule zu machen, wird sich zeigen – zunächst im Schulausschuss am 29. April, dann voraussichtlich bei einer Elternbefragung.
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